CD-Tipp

"Noel Gallagher's High Flying Birds"

published: 01.11.2011

Das Album "Noel Gallagher′s High Flying Birds" ist gerade erschienen (Sour Mash Records/Indigo)Das Album "Noel Gallagher′s High Flying Birds" ist gerade erschienen (Sour Mash Records/Indigo)

Wer es auf Mitgröl-Rocknummern abgesehen hat, der sollte sich lieber das Album der Oasis-Rumpfband Beady Eye kaufen. Dort steht Noel Gallaghers hübscherer Bruder Liam hinter dem Mikrofon und die drei letzten Mitglieder der legendären Britpop-Combo bearbeiten, Handwerkern gleich, ihre Instrumente. Der Sound ist schmutzig und lärmend, die Melodien verlieren sich in Beliebigkeit, die Texte dreschen Phrasen.

Warme Vocals

Wenn Songs von Oasis jemals nicht belanglos waren, lag das meist am älteren und lässigeren Bruder Noel. Auch er ist kein großer Lyriker, doch einen stimmigen Song weiß er zu bauen. Er hat ein Händchen für den Working-Class-Klang der Sixties und für schöne Melodiebögen. Oasis-Hymnen wie "Wonderwall" oder "Don’t Look Back In Anger" stammen aus seiner Feder. Auch die bessere Stimme hat der große Tonmeister im Himmel ihm verliehen, wenngleich Noel nur gelegentlich die Lead-Vocals übernahm. Viele Fans bevorzugten Liams markantes, lauteres Organ. Bei "Noel Gallaghers High Flying Birds", Noels erstem Album nach der Trennung, trägt nun die wärmere Klangfarbe seiner Vocals die Songs.

Packende Hooklines

"Noel Gallagher′s High Flying Birds" enthält zehn Songs des Oasis-Masterminds (Sour Mash Records/Indigo)"Noel Gallagher′s High Flying Birds" enthält zehn Songs des Oasis-Masterminds (Sour Mash Records/Indigo)

Der vorab zu hörende Titel "If I Had A Gun" gab bereits die Tendenz des Longplayers vom eigenen Label Sour Mash Records vor: Gitarrenbasierende Songs ohne Gebrüll. Eingängig ist das alles, manchmal ruhig und introspektiv ("If I Had A Gun"), dann wieder munter und drängend ("Broken Arrow"). Lustige Bläser-Einsätze setzen Akzente. Die oft episch anmutenden Stücke mit meist simplen Strukturen und packenden Hooklines überzeugen ausnahmslos. Das putzige "(I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine" erinnert stark an die Beatles, die bis heute die große Referenz im musikalischen Schaffen des Briten geblieben sind.

Weniger Energie für Kabbeleien mit den Bandkollegen zu verschwenden und die Kraft stattdessen in die Musik zu stecken, ist sicherlich die richtige Entscheidung für den heute 44-Jährigen gewesen. Mit dem Schritt vom Oasis-Mastermind zum Solokünstler hat Noel Gallagher tragfähigen Boden unter den Füßen gewonnen. Weiter so!

Tourdaten:

08.03.2012 Hamburg/Alsterdorfer Sporthalle (bestuhlte Show)
09.03.2012 Berlin/Max-Schmeling-Halle
11.03.2012 München/Tonhalle

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.noelgallagher.com

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