CD-Tipp

Franz Ferdinand – „You Could Have It...“

published: 07.10.2005

Franz Ferdinand – „You Could Have It So Much Better“ (Foto: Domino) Franz Ferdinand – „You Could Have It So Much Better“ (Foto: Domino)

Franz Ferdinand können jetzt auch Balladen. Das ist die erstaunlichste Erkenntnis zum zweiten Album der Britpopper. Und wie: Das wunderbar gelungene beatlesque „Elenor Put Your Boots On“ transportiert den Hörer sofort nach Liverpool, mag Alex Kapranos noch so viel von „Brooklyn dirt“ und „Coney Island“ singen. Auch „Fade Together“ bezaubert.

Die zweite Erkenntnis der neuen CD lautet: Das Debütalbum war kein Zufallstreffer, mit dem die Band bereits ihr Pulver verschossen hätte. Es bleibt noch reichlich Zündstoff für den Nachfolger. Er startet fulminant mit „The Fallen“, bei dem sich die Gitarrenlicks so schön gegenseitig jagen, um dann mit der Vorab-Single „Do You Want To“ einen weiteren Höhepunkt zu erreichen. Und ja, der arrogante Song funktioniert auch ohne das großartige Video. Allein der selbstverliebte Text wischen Angriffslust, Ironie und Sarkasmus begeistert: Zeilen wie „I love your friends / they’re all so arty“ oder „Your famous friend / Well, I blew him before you”, treffen ins Ziel. Herrlich die Hookline: “I’m gonna make somebody love me – and now I know that it’s you - you’re lucky, lucky, you’re so lucky!“.

Noch eine dritte Erkenntnis hinterlässt „You Could It So Much Better“ – die Tatsache nämlich, dass mit den ewigen Gang-of-Four-Vergleichen die Einflüsse der vier Schotten keinesfalls erschöpfend ausgemacht sind. Jetzt kann man nicht mehr vorbeihören auch an Inspiration aus den 60er Jahren, etwa von den Kinks und den Small Faces. Beißende Texte, intelligente Kommentare und mitreißende Refrains sowie stampfende Energie wie zu besten Beat-Zeiten haben auch Franz Ferdinand drauf.

Mit „You Could Have It So Much Better“ haben die Schotten ihren Neo-New-Wave-Konkurrenten wie den Kaiser Chiefs und Bloc Party ein hohes Niveau fürs nächste Album vorgelegt. In puncto Rotzigkeit, Ohrwurm-Refrains und Tanzbarkeit müssen jetzt wieder die anderen zeigen, wozu sie fähig sind.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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