Lilo Wanders im Interview (Foto: Public Address)Aus ihrem Hamburger Hotelzimmer kann k.d. lang direkt auf die Alster schauen (Foto: Public Address)

Wyclef Jean im Interview

Permanentes Understatement

published: 31.08.2000

Wyclef Jean im Interview (Foto: Public Address) Wyclef Jean im Interview (Foto: Public Address)

Auch wenn er sich selbst gerne den kleinen Versager nennt: Live ist Wyclef Jean ein ganz Großer. Davon überzeugte der Fugees-Boss kürzlich in Köln die Gäste eines Black-Music-Clubs. Gleichermaßen souverän an Plattenteller und Mikrofon, mischte er das trendige Szene-Publikum mit einer “ecleftischen” Zusammenstellung aus 20 Jahren HipHop-Geschichte auf. Während die Greatest Hits des Rap eine bis zum Bersten gefüllte Tanzfläche mit Grooves versorgten, verbreitete Wyclefs freundliche Einstellung eine fast euphorische Stimmung. Besonders angenehm: Wyclef leistete sich permanentes Understatement - bei so viel Skills natürlich gefahrlos. Ohne peinliche Posen und sexistische Sprüche entwickelte sich sein Turntable-Gastspiel dadurch zu einer der nettesten Parties des Monats.
“Ich bin der einzige Typ auf der Welt, der (Country-Sänger) Kenny Rogers und (Wrestling-Star) The Rock auf einem Album vereint!” Ganz ohne Protzerei ging es dann doch nicht. Augenzwinkernd nutzte Wyclef Jean die Möglichkeiten des DJ-Pultes, um sein zweites Solo-Album “Ecleftic - Two Sides To A Book” (Columbia) zu promoten. Die aktuelle Single überstand den Reality-Disco-Test übrigens blendend: “It Doesn’t Matter” war einer der unumstrittenen Floor-Knaller.

Der Titel deines zweiten Solo-Albums lautet “Ecleftic - Two Sides To A Book”. Wofür steht das?
“Das Album hat zwei verschiedene Seiten. HipHop ist die eine und die andere der Einfluss von allen anderen Arten von Musik wie Jazz und Reggae. ‘Ecleftic’ liefert zwei Perspektiven davon, wer Wyclef ist.”

Gib’ uns mal ein Beispiel.
“Jeder Song auf der CD hat eine doppelte Bedeutung. Nimm’ den Song `Where’s Fugee’s At’ . Zuerst singe ich ‘Fugee this Fugee that, Where’s Fugee‘s at. I need Fugee to spit up on this track’. Ich ärgere mich also total über den ganzen Fugee-Kram und will einfach nichts mehr davon hören! Aber dann geht es weiter: ‘Lauren if your’re listening, Pras if you’re listening, give me a call.’ Das ist die andere Seite. Es bedeutet, dass ich trotzdem die Reunion-Platte machen will.”

Wie ist denn der letzte Stand zum neuen Fugee-Albums?
“Im Jahr 2001 wird definitiv eine neue Fugee-CD kommen. Wir bereiten uns gerade darauf vor und werden bald anfangen, daran zu arbeiten. Außerdem sind wir ja nicht nur Ex-Kollegen, sondern auch gute Freunde. Momentan telefonieren wir viel.”

Als Fugees habt ihr mit “The Score” in den Neunzigern HipHop-Geschichte geschrieben. Wie sieht deine persönliche HipHop-Historie aus?
“Wir sind von NWA zu MC Hammer und Naughty By Nature gekommen. Als es mit Naughty By Nature bergab ging, gab es den Wu-Tang-Clan. Der war dann irgendwann zu verwirrend. Aber es gab ja DMX. The Notorious B.I.G. und Tupac sind gestorben. Dann kamen Jay-Z und Eminem. Das ist nur die Spitze.”

Du magst Eminem?
“Eminem ist einer der besten Rapper der Welt. Er hat seine eigene Art, sich auszudrücken. Er ist wirklich heiß. Er macht sein Ding aber schon sehr lange. Im Moment explodiert es nur gerade.”

Wohin wird sich HipHop in den nächsten Jahren entwickeln?
“Wenn man aufpasst, bemerkt man, dass HipHop sich alle zwei Jahre verändert. Bald ist es wieder soweit. Und die Leute werden darauf abfahren. Vor allem wird dieses ganze Gequatsche über materialistische Dinge aufhören.”

Du bist bekannt dafür, dich in deinen Texten auch über dich selbst lustig zu machen...
“So bin ich halt. Viele Rapper spielen lieber schwere Jungs. Ich dagegen gebe gerne den harmlosen Versager. Ich bin der Kleine, der sagt: ‘Hey, bring mich bloß nicht um. Ich habe doch nichts getan.´ Jeder drückt sich eben auf seine eigene Art aus.”

Auf der aktuellen Single “It Doesn’t Matter” treibst du das auf die Spitze: Du gibst damit an, wie viele Platten du verkauft hast, und The Rock brüllt dazwischen: ‘It Doesn’t Matter’ - zu Deutsch: `Das interessiert doch niemanden´.
“Ich habe The Rock im Fernsehen gesehen und musste ihn unbedingt auf meiner Platte haben. Er ist einer dieser Schaukämpfer, ein Wrestler. Wenn er vor einem Fight angesprochen wird, schreit er immer “It Doen’t Matter” - noch bevor der Satz zu Ende ist. In den USA ist The Rock eine Institution.”

Whitney Houston singt auf “Ecleftic” eine neue, speziell an dich gerichtete Version von “My Love Is Your Love”. War es schwer, sie zu dieser Wyclef-Fassung zu überreden?
“Nein. Es ist in den Staaten ziemlich üblich, dass Sänger ihre Hits für Radiosender noch einmal aufnehmen - und dabei statt des bekannten Refrains etwa den Namen des Moderators singen. Ich habe zu Whitney gesagt, dass ich so etwas auch brauche, weil ich der DJ meiner eigenen Platte bin. Sie fand, das sei eine tolle Idee und hat sofort zugestimmt.”

Auf ‘Ecleftic’ befindet sich auch eine Coverversion von Pink Floyds “Wish You Were Here”. Was verbindest du mit dem Original?

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Links

http://www.wyclef.com

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