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CD-Tipp

Kate Bush - "Aerial"

published: 31.10.2005

Kate Bush - "Aerial" (Foto: EMI) Kate Bush - "Aerial" (Foto: EMI)

Fast genau ein Dutzend Jahre ist es her, dass Kate Bush ihr letztes Album „The Red Shoes“ veröffentlichte. Die Ausnahme-Künstlerin, ohne die man Tori Amos, Suzanne Vega und auch Björk kaum denken könnte, hat ihr neues Opus „Aerial“ getauft. Das bedeutet "Antenne" oder bezeichnet als Adjektiv etwas, das in der Luft oder aus der Luft heraus stattfindend.

Die Singer/Songwriterin mit der Sopranstimme schlug 1978 mit der ungewöhnlichen Ballade „Wuthering Heights“, die ebenso stürmisch ist wie der titelgebende Roman von Emily Brontë (auf deutsch „Sturmhöhe“), wie ein Blitz in die Musiklandschaft ein. Die Britin, die damals noch ein Teenager war, wird in Teilen noch heute als Verkörperung der tragischen Figur Catherine verstanden, wenn sie mit wehenden Röcken und Haaren durch ihre Videos huscht und in ihren Stücken Naturmetaphorik, eine dezidiert weibliche Sinnlichkeit und eine ganz selbstverständlich Körper und Geist umfassende Fantasie zusammenführt. Die Elemente, Raum und Zeit – Kate Bush scheint sie in ihrer Musik zu durchdringen und zu überwinden.

Unsensible Banausen nennen diese Musik schon mal esoterisches Geseiere oder sphärische Reverb-Orgie. Dabei ist zumindest die erste CD dieses Doppelalbums - „A Sea Of Honey“ überschrieben - in ihrer Struktur stark songorientiert. Klar, den Themen muss man sich öffnen: Die gute Kate besingt schon mal minutenlang eine „washing mashiiiiiiine“ („Mrs. Bartolozzi“) oder rezitiert die Dezimalstellen von Pi. Haben sich die Zahlenreihen im Nirgendwo verloren, beginnt das ihrem Sohn Bertie gewidmete Lied, bevor sie bei „How To Be Invisible“ das Tempo anzieht und in „A Coral Room“ die Scheibe mit ruhigen Klaviertönen ausklingen lässt.

Gerüchten zufolge soll Bush, die wie kaum eine andere Sängerin die künstlerische Kontrolle über ihre Produktionen besitzt, nicht etwa eine weltabgewannte Spinnerin sondern durchaus handfest und herzlich sein, Gartenarbeit und eine schöne Tasse Tee und sogar Gesellschaft schätzen.

Hörte man sich nur die zweite „Aerial“-CD "A Sky Of Honey" an, man würde nicht gleich darauf kommen. Kinderstimmen füllen das „Prelude“ aus, bevor der zusätzlich vorhandene „Prologue“ wiederholt ankündigt, dass „it’s gonna be so good now“. Nachdem Keyboardflächen und viel Percussion den „Architect’s Dream“ lautmalerisch entstehen lassen, kündigt die Zeile „so all the colours run“ „The Painter’s Link“ an. Die Tracks fließen ineinander. Viel Vogelgezwitscher schwillt an und ab, ein plötzlich stampfender Rhythmus treibt „Aerial“ auf einen Höhepunkt zu, dann Stille. Lachend beginnt das Spiel von vorne, bevor wieder Ruhe einkehrt und am Schluss die Vögel den letzten Ton haben.

Ein wunderschönes Album, keine Frage. Wer Interesse, Verständnis und Geduld aufbringt und sich einen Zugang zutraut, sollte anfangen zu graben.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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