CD-Tipp

Keane - "Strangeland"

published: 01.05.2012

Keane - "Strangeland"  (Island Records) Keane - "Strangeland" (Island Records)

Nach zwei großartig schwelgerischen Britpop-Alben verloren sich Keane 2008 in Beliebigkeit. Konturlose Achtziger-Referenzen mit Frickel-Synthies traten an die Stelle dessen, was auf dem Debüt "Hopes & Fears" und dem melancholischeren Nachfolger "Under The Iron Sea" einmal stringentes Songwriting gewesen war. Jetzt kehren Keane zu ihren Ursprüngen zurück – und zeigen, dass ihnen immer noch tolle Melodiebögen einfallen.

Klavier statt Gitarre

Das Alternative-Trio, das sich im letzten Jahr mit Bassist Jesse Quin zum Quartett erweiterte, findet auf "Strangeland" zurück zum alten kompakten Sound, der unverändert mehr aufs Klavier als auf die Gitarre setzt. Zum Glück klingen die zwölf Stücke dabei nie ideenlos und selten anbiedernd. Anders als Coldplay, als deren Epigonen sie seit Anbeginn ihrer Bandgeschichte verunglimpft werden, steuern die Musiker um den pausbackigen Sänger Tom Chaplin auch heute ihre Yacht nicht kurssicher durch den seichten Rock-Mainstream. Eher scheinen sie paddelnd in einem Floß zu sitzen, den Gezeiten ausgeliefert. Die Band aus East Sussex erstarrte im Erfolg nicht in durchgestylten Posen und ihre Songs offerieren mehr als eine schnelle akustische Umarmung vor dem Schlafengehen, wie vieles auf Chris Martins "Mylo Xyloto".

Alternatives Trösten

Keane haben noch ungestillten Hunger und begegnen existenziellen Fragen naiv und ohne die Illusion vorzugeben, eine Antwort liefern zu können. Und trotzdem oder gerade deshalb schaffen die weiten Tonfolgen ihrer Strophen und Refrains eine Verbindung zum Hörer, die diesen urplötzlich aus dem tiefsten Tief in höchste Höhen transportiert. Solches gelingt beispielsweise mit der berührenden Ballade "The Starting Line", aber vor allem drängende, pianogetriebene Poptitel wie "Day Will Come" oder "Silenced By The Night" stellen diese Stärke heraus. Das ebenfalls rundum gelungene "Disconnected" wählte die Plattenfirma wohl wegen seiner Radiofreundlichkeit als erste Single.

Großbritanniens Musikfreunde blieben Keane bislang erstaunlich treu – selbst die letzte Veröffentlichung, die experimentelle Acht-Track-EP "Night Train" stieg dort auf Platz eins der Albumcharts ein. "Strangeland" verdient zweifellos dasselbe - auch hierzulande.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.keanemusic.com

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