Aus ihrem Hamburger Hotelzimmer kann k.d. lang direkt auf die Alster schauen (Foto: Public Address)

Lilo Wanders im Interview

Popp-Musik

published: 18.08.2000

Lilo Wanders im Interview (Foto: Public Address) Lilo Wanders im Interview (Foto: Public Address)

Verona Feldbusch, ehemalige “Peep!”-Moderatorin, hat es getan. Ebenso Mo Asumang von der Konkurrenz-Sendung “Liebe Sünde”. Jetzt versucht es auch “Wa(h)re-Liebe”-Frontfrau Lilo Wanders: Singen nämlich. Auf ihrer ersten Single ersehnt sich die betuliche Blondine “1000 nackte Männer”. Mit lasziver Stimme gibt sie sich diesem Wunschtraum in vier verschiedenen Mixen jeweils über drei Minuten lang hin. Mit ernüchternden Resultaten: Der angestrengt-anzügliche Text, der ungelenke Sprechgesang und die stumpfen Dance-Beats der CD wirken in etwa so verführerisch wie die Vorstellung, einen jener Swinger-Clubs zu besuchen, über die ihr TV-Magazin wöchentlich zu berichten pflegt. In der Tat: Lilo Wanders musikalisches Debüt verströmt die gleiche schizophrene Mischung aus Schlüpfrigkeit und Spießertum wie ihre Sendung.

Lilo Wanders ist eine Kunstfigur, die Sie, Ernie Reinhardt, darstellen...
Lilo Wanders: “Halt! Ich bin, wie ich hier sitze, Lilo Wanders und sonst niemand. Es gibt sogar ein Buch über mich, eine Autobiografie. Die ist zur Hälfte erlogen und der Rest ist ausgedacht(lacht)! Nein, das stimmt nicht. Es sind auch wahre Elemente drin. Das Buch ist eine Parodie auf eine Schauspieler-Biografie.”

Lilo Wanders wurde im Zusammenhang mit einem Theaterstück am Hamburger Schmidt Theater zum Leben erweckt. Heute moderiert sie eine Erotik-Sendung. Hängt Ihnen “Wa(h)re Liebe” nicht manchmal zum Hals raus?
“Nein, und das wundert mich selbst. Sobald ich im Studio sitze, bin ich gut drauf - selbst wenn ich auf dem Zahnfleisch angekrochen kam. Diese Sendung zu machen, reizt nicht zuletzt auch mein Humorzentrum: Ich kann das nicht so ernst nehmen.”

Wie schwierig ist es neue, interessante Themen zu finden?
“Das ist so schwierig, dass es praktisch gar nicht vorkommt. Man kann weder Fernsehen noch Sexualität neu erfinden. Das gilt insbesondere, wenn man eine Sendung schon sechs Jahre macht. Das sind über 320 Sendungen...

Was halten Sie von den Konkurrenz-Sendungen?
“Ich nenne sie ‘Schwester-Sendungen’. Ich kenne die Kolleginnen, aber... Oh Gott, wie viele Moderatorinnen gab es bei ‘Peep!’ während dieser Zeit? Ich glaube es waren sechs. Bei ‘Liebe Sünde’ drei. Und ich habe sie alle überlebt!”

Was ist die Besonderheit bei “Wa(h)re Liebe”?
“Das Hauptmerkmal ist natürlich meine Person. Und ich sage immer, dass meine beste Eigenschaft meine Unvoreingenommenheit ist. Ich bin ein sehr freundlicher Mensch - nicht boshaft.”

Mo Asumang, die Frontfrau von “Liebe Sünde”, hat ebenfalls gerade eine Single veröffentlicht...
“Ja, sie ist ja ausgebildete Opernsängerin! Aber den neuen Song habe ich noch gar nicht gehört, also kann ich nicht sagen, wie ich ihn finde. Als ich sie letztens getroffen habe, erzählte sie mir schon, dass sie bald Musik herausbringen wolle und zwar möglichst, ohne diese mit ihrer Sendung zu verknüpfen.”

Für die Lilo-Wanders-CD galt offenbar die gegenteilige Maxime.
“Ich mache halt Popp-Musik - zum Vögeln und Poppen (lacht). Man sollte den Text von “1000 Nackte Männer” nicht so tief analysieren. Ich finde das Lied witzig. Es ist ein Ohrwurm. Wenn man es zweimal hört, wird man es den ganzen Tag nicht wieder los.”

Was wissen Sie von Ihrem Fernsehpublikum?
“Mit der Post kommen außer Autogrammanfragen manchmal erschütternde Lebensbeichten bei mir an. Aber auch freundliche und ermutigende Briefe sind unter den Zuschriften. Einige Zuschauer schreiben, dass sie wegen unserer Sendung donnerstags abends eine Flasche Sekt aufmachen. Paare berichten, dass sie wegen ‘Wa(h)re Liebe’ wieder angefangen haben, miteinander zu reden.”

Ertönen auch kritische Stimmen?
“Etwa einmal in einem halben Jahr trudelt ein richtig böser Brief ein, der dann eine ganze Sendung minutiös kritisiert. Ich frage mich immer, warum ein solcher Zuschauer nicht einfach abschaltet. Ich muss schließlich ein Ei nicht zu Ende essen, um zu merken, dass es faul ist.”

Wie reagieren die Leute auf der Straße auf Sie?
“Selbst wenn ich nicht aufgebrezelt bin, werde ich erkannt. Komischerweise scheint sich für die Leute mein Fernsehgesicht über mein wirkliches Aussehen zu stülpen. Auch in meinem Privatleben werde ich mit viel Respekt behandelt. Bisher sind die Reaktionen immer freundlich gewesen.”

Können Sie sich gelegentlich von der Öffentlichkeit zurückzuziehen?
“Im Umkreis von einem Kilometer um mein Häuschen herum gibt es keine Nachbarn. Dort erhole ich mich von den Erwartungen der Leute. Dabei helfen mir Menschen, die mir nahe stehen: Freunde und Familie. Momentan bin ich übrigens `unbemannt´.”

Was für ein Mann wäre Ihr Traumpartner?
“Der, den ich liebe und der mich liebt. Ich finde es dumm, zu sagen, er muss unbedingt groß und schlank sein. Aber klug und humorvoll schon - und redebereit, was die meisten Männer ja nicht sind.”

Haben Sie noch andere Eisen im Feuer, falls es mit der Musik nicht klappen sollte?
“Ich werde im Herbst an den Kammerspielen in München ein musikalisches Programm inszenieren. Ja, ja: Regie führen! Ich habe den Intendanten Dieter Dorn neulich getroffen. Und es muss irgendwie Sternstaub in der Luft gewesen sein... Wir haben uns sofort verstanden. Auch die Schauspielerin, die das Programm spielen wird, ist ganz hinreißend.”

Also möchten Sie “Wa(h)re Liebe” in zehn Jahren nicht mehr moderieren?
“Ob ich die Sendung dann noch moderieren MÖCHTE, weiß ich nicht. Dass ich sie dann noch moderieren WERDE, das schon eher!”(lacht)

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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