DVD-Tipp

"No Direction Home - Bob Dylan"

published: 16.11.2005

"No Direction Home - Bob Dylan" (Foto: Paramount) "No Direction Home - Bob Dylan" (Foto: Paramount)

Bob Dylan als Schallplattendieb. Bob Dylan als Egoist. Bob Dylan als drogenvernebelter Neunmalkluger. Bob Dylan als Epigone. Als Nervensäge. Als pausbäckiger Lügner. Bob Dylan als ernster Künstler, der sein Schaffen reflektiert. Diese und viele andere Eindrücke des als Singer/Songwriter berühmt Gewordenen und als Robert Zimmermann in Minnesota Geborenen vermittelt die Dokumentation „No Direction Home – Bob Dylan“.

Auf zwei DVDs entfaltet sich Dylans Lebensgeschichte von seiner Jugendzeit bis zu seinem vorübergehenden Rückzug vom Tourneegeschäft in den 60ern in historischen Filmdokumenten, Statements von Lehrern, Weggefährten, Kollegen, Geschäftsleuten und Freunden. Unter anderem bereichern die Erinnerungen und Einschätzungen von Pete Seeger, Allen Ginsberg und besonders Joan Baez diese Zusammenstellung.

Die aufwändigen Recherchen erhellen und entlarven, wie ehrgeizig und manchmal auch rücksichtslos Dylan seine Karriere als Folksänger und Rockstar verfolgte. Darüber hinaus trägt auch das speziell für dieses Projekt geführte Gespräch mit dem Sänger selbst zur beeindruckenden Qualität des Filmes bei. Ab und zu unterbricht Dylan sogar sein Granteln und erzählt überraschend emotional etwa von seinem Auftritt an der Seite Martin Luther Kings.

Das (sub-)kulturelle Umfeld der Folk- und Protestbewegung in den USA der 60er Jahre wird vielschichtig und stimmig dargestellt. Der Streifen gewinnt sehr durch die Beschränkung auf die Zeit bis zu Dylans Motorradunfall 1966. Die wichtigsten seiner Songs – wie „Blowin’ In The Wind“, „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ und natürlich „Like A Rolling Stone“ - hatte Dylan bis dahin schon geschrieben.

Der von Martin Scorsese inszenierte Film zeichnet ein außerordentlich informiertes und informatives, unterhaltendes und relevantes Porträt des Musikers und arbeitet dabei ein gutes Stück Zeit- und Musikgeschichte auf. Dem nach Joni Mitchell vielleicht besten Songwriter aller Zeiten wird so ein gebührendes Denkmal gesetzt. Apropos: Wann dreht endlich jemand eine solche Doku über Mitchell?

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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