CD-Tipp

A Fine Frenzy - "Pines"

published: 22.10.2012

A Fine Frenzy - "Pines"  (Foto: Virgin Music/EMI) A Fine Frenzy - "Pines" (Foto: Virgin Music/EMI)

"Märchenhaft", "verträumt", "geheimnisvoll": Mit diesen Worten könnte man A Fine Frenzys Album "Pines" beschreiben. Das gerade erschienene Werk der US-amerikanischen Sängerin, die auf den bürgerlichen Namen Alison Sudol hört, ist als Konzeptalbum gedacht: Es erzählt die Geschichte einer Pinie, die die zuvor niemals da gewesene Möglichkeit bekommt, sich ihr Leben nach eigenen Wünschen und Vorstellungen aussuchen zu dürfen. Die Inspiration dazu ereilte die bekennende Waldliebhaberin bei einem ihrer ausgiebigen Spaziergänge in den berühmten Redwood-Wäldern. 2007 landete die 27-Jährige mit ihrem Debütalbum "One Cell in the Sea" und der dazugehörigen Auskopplung "Almost Lover" ihre ersten Erfolge, nun soll "Pines" daran anknüpfen.


Die Ruhe des Waldes als Antwort auf das schnelle Leben

Alison Sudols neues Album lädt den Hörer auf die Reise durch einen Wald ein (Foto: Public Address)Alison Sudols neues Album lädt den Hörer auf die Reise durch einen Wald ein (Foto: Public Address)

Als Eröffnung wartet der "Pinesong" auf, der mit Streichern und Halleffekten das Grundgerüst einer phantasievollen und mystischen Waldwelt baut, in die der Hörer mitgenommen werden soll. Erst nach über einer Minute setzt Sudols Stimme ein, die diesen Effekt mit ihrer leichten Zauberhaftigkeit noch verstärkt. Über verschiedene Klangwelten, die von zerbrechlich und schwebend bis zu lebensbejahend und optimistisch reichen, entstehen im Zusammenspiel der Liedtexte und der Musik ausdrucksstarke Bilder. Ein Gefühl von Tiefe und Detailreichtum taucht auf, es gelingt unkompliziert, der Welt Sudols zu folgen. So verwundert es nicht, dass die gesamte erste Hälfte des Albums perfekt in die bis dahin aufgebaute träumerische Ruhe passt.

Erst mit dem Titel "Sailingsong" folgt ein kleiner Stilbuch: Freundliche Synthesizer kommen zum Einsatz, das Tempo zieht an. Die Fortsetzung "Sadseasong" wechselt hingegen wieder von fröhlich auf traurig-schön-verträumt. Dass es in Wäldern nicht nur leise zugeht, zeigt Sudol auch in den Songs "It's Alive", "They Can't If You Don't Let Them" und "Now Is The Start". Allesamt tanzbar und spürbar am Vorgängeralbum "Bomb In A Birdcage" orientiert, wirken sie im Vergleich zu den restlichen Titeln beinahe rockig, auf jeden Fall aber optimistisch gestimmt und selbstbewusst. Man spürt, dass die Pinie nach einer anfänglichen Unsicherheit nun immer klarere Vorstellungen von ihrem Wunschleben entwickelt.

Trotzdem kommt das Ende wieder langsam und gemütlich daher. Der Schlusstitel "Untitled (Grasses Grow)" befasst sich noch einmal mit der Grundstimmung der Geschichte und fordert den Hörer zum Nachdenken auf. Die plötzliche Freiheit der Pinie dient dabei als Metapher sowohl für das hastige Leben unserer Zeit als auch für die Unfähigkeit, sich Zeit für Entscheidungen zu lassen und diese genau zu durchdenken. Als Motto für "Pines" bietet sich "In der Ruhe liegt die Kraft" also perfekt an.

Nichts für Gelegenheitshörer

"Pines" ist kein Album zum Nebenbeihören. Die Verarbeitung der Geschichte um eine Pinie, die die Chance erhält, ihr Leben selbst zu gestalten, steht im Vordergrund von Text und Musik und fordert den Hörer dazu auf, sich Zeit für das Erzählte zu nehmen. Die überwiegend ruhige, fast sanft dahingleitende Stimmung des Albums, die von nur wenigen lebhaften Liedern unterbrochen wird (u.a. "It's Alive", "Sailingsong"), lädt außerdem dazu ein, die Schnelllebigkeit unserer heutigen Gesellschaft zu reflektieren. Wer sich also von einer zauberhaften Stimme auf die knapp 70-minütige Reise in eine träumerische Waldwelt mitnehmen lassen möchte - für den ist "Pines" auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

[Florian Boldt]

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