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Harry Belafonte im Interview

Erleuchtung

published: 07.02.2003

Harry Belafonte im Interview (Foto: Public Address) Harry Belafonte im Interview (Foto: Public Address)

Harry Belafonte - seit fast vier Jahrzehnten mischt er schon im Musikgeschäft mit und ist immer noch ganz vorne dabei. Seine faszinierende Welt des Calypso präsentiert er uns ab März bei zehn Deutschland-Konzerten. Natürlich werden da auch die Superhits “Matilda”, “Day-O (Banana Boat Song)” und “Island In The Sun” nicht fehlen. Doch auch neue Werke sind in Belafontes Showprogramm. Der in Harlem, New York, geborene Sänger ist kürzlich ein Jahr lang durch die Welt gereist und hat Inspirationen für seine neuen Lieder gesammelt, die auf der Fünf-CD-Box “The Long Road To Freedom” (BMG) erschienen sind. Er kämpft für die Rechte der Schwarzen und nutzt seine öffentliche Position, um sich für Frieden und Menschenrechte einzusetzen. Auf seine Auftritte in Deutschland freut sich der Entertainer besonders, denn schon bei seinem ersten Besuch vor 45 Jahren war er vom deutschen Publikum begeistert.

Wie sind Ihre neuen Songs entstanden?
“Ich habe einige neue Songs und sogar einige neue Musiker. Das letzte Jahr habe ich damit verbracht, Länder zu besuchen, die für mich von großem Interesse sind: Kolumbien, Südamerika, Kuba, Jamaika, Südafrika, Senegal. In diesen Gebieten konnte ich mich voll auf deren Musik konzentrieren. Das hat mein Material beeinflusst. Viel davon zielt ab auf eine neue Aufnahme, die ich gerade mache. Ich habe mich entschlossen, es eine ,Audiobiographie’ zu nennen.”

Mit welchen Künstlern arbeiten Sie zusammen?
“Mehrere haben mir schon geholfen und werden auch weiterhin mit mir an Projekten arbeiten, beispielsweise Bono oder U2. Und dann sind da Freunde wie Carlos Santana oder Leute aus Kuba oder dem Senegal. Und aus diesem Pool, der etwa fünf bis sechs CDs füllen würde, schöpfe ich etwas von dem Material, das wir performen werden, wenn ich im März nach Deutschland zurückkomme.”

Es heißt, Sie wollten eine modernere Form für Ihre Songs finden?
“Nein. Es ist eher so etwas wie in andere Kulturen einzutauchen und dort Rhythmen und Harmonien zu finden. Die baue ich dann in meine Musik ein. Das bringt eine neue Dimension hinzu, die ich für sehr interessant halte. Wenn ich anderen Künstlern und Nationen zuhöre, bin ich immer fasziniert von dem, was sie rüberbringen. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte mit diesem Song eine Reise durch diese bestimmte kulturelle Erfahrung unternehmen. Und das tue ich zum Teil. Ich nehme den Song und performe ihn in einer Weise, die sich von dem Original unterscheidet. Wer mich über die Jahre beobachtet hat, weiß, dass ich alte Songs heute anders singe als damals.”

Harry Belafonte (Foto: Public Address)Harry Belafonte (Foto: Public Address)


Sie setzen sich sehr für die Rechte der Schwarzen ein. Woher kommt dieses außergewöhnliche Engagement?
“Die Erfahrungen von Afro-Amerikanern sind tief verankert in der Sklaverei. Nach einem Jahrhundert davon mussten sie noch zusätzlich ein Jahrhundert der Apartheid erdulden. Und heute sind die meisten Gefängnisinsassen in Amerika Afro-Amerikaner und Latinos. Viele von uns fühlen sich immer noch versklavt. Zwar haben wir keine Ketten mehr an den Füßen, doch der psychologische und emotionale Druck ist enorm. Jeder Bürger hat das Recht und die Pflicht, dagegen anzukämpfen. Wenn man in einer gewissen Machtposition ist, sollte man seine Geschichte nicht vergessen, sondern versuchen, für die Millionen anderen, die zurückgelassen wurden, etwas zu verändern. Leider passiert das nicht allzu oft. Ich sehe es aber als meine Verpflichtung an, meine Meinung zu sagen.”

Wie haben sich Ihre gesundheitlichen Probleme auf Ihr Leben ausgewirkt?
“Vor sechs Jahren bekam ich die Diagnose Krebs. Das gab mir eine Pause zum Nachdenken. Nun bin ich soweit wieder gesund. Aber ich habe viele Freunde an den Krebs verloren und Nelson Mandela und Roger Moore leiden daran. Ich war überrascht, wie viele Leute gar nicht darüber reden wollten. Es war, als hätte man ein soziales Verbrechen begangen. Das fand ich sehr beunruhigend, deshalb wendete ich mich an die Öffentlichkeit. Das Leben muss so begrüßt werden, wie es zu uns kommt. Es gibt keinen Tag, an dem nicht etwas Interessantes passiert oder man interessante Leute trifft.”

Was bedeutet der Auftritt in Deutschland für Sie?
“Als ich 1958 das erste Mal vor deutschem Publikum auftrat, kam ich nach Berlin und konnte eine einzige Show machen. Als die ersten deutschen Jugendlichen kamen, war das für mich meine erste große Erleuchtung. Irgendetwas passierte oder könnte in Deutschland passieren, das genau beobachtet werden sollte. Da ich im zweiten Weltkrieg gedient hatte, waren die Deutschen der Feind für mich, die Grundlage des Bösen. Das lungerte lange im Hinterkopf. Aber wie lange kann ein Volk als schuldig gelten, wie lange kann es bestraft werden, wann kommt die Erlösung? Die Leidenschaft, die mir das deutsche Publikum als Künstler entgegenbrachte, war erstaunlich für mich. Ich habe festgestellt, dass ich hier regelmäßig herkommen wollte. Leider klappte das bis 1975 nicht, da ich nach Vietnam geschickt wurde. Der erste Ort, an dem ich dann 1975 spielte, war Hamburg. Das Publikum war wundervoll. Zusammen mit Udo Lindenberg trat ich auch in Ostdeutschland auf. Zu der Zeit gab es keine Show, die ich nicht mit der Hoffnung beschloss, dass die Mauer fallen möge und Deutschland vereint ist.”

Die Tourdaten:
01.03.03 Frankfurt/Festhalle
11.03.03 München/Olympiahalle
12.03.03 Nürnberg/Arena
13.03.03 Berlin/ICC
15.03.03 Oberhausen/Arena
16.03.03 Bremen/Stadthalle
17.03.03 Köln/KölnArena
20.03.03 Stuttgart/Schleyerhalle
21.03.03 Hamburg/Arena
22.03.03 Leipzig/Arena

[Sonja Ritter]

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