A-HA im Interview

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published: 08.04.2002

A-HA im Interview (Foto: Public Address) A-HA im Interview (Foto: Public Address)

Im März sind A-HA für einige Termine nach Deutschland gekommen, um ihr neues Album “Lifelines” vorzustellen, das nach dem gelungenen Comeback “Minor Earth Major Sky” vor zwei Jahren mit großer Spannung erwartet wird. Und den Skeptikern sei gesagt: Mit ihrer aktuellen Songsammlung beweisen die drei Norweger erneut, dass sie sich seit ihrer Zeit als Teenie-Pop-Idole stetig weiter entwickelt haben und sich nicht scheuen, mit Inhalten und Arrangements neue Horizonte zu erobern. Um möglichst viele verschiedene Einflüsse einzufangen, arbeiteten die mittlerweile gestandenen Familienväter übrigens mit jeder Menge unterschiedlicher Produzenten zusammen und tüftelten gemeinsam mit ihnen an neuen Ideen. So entstand “Lifelines” nicht nur in New York und Oslo, sondern auch in Stockholm und London. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreiches Album, auf dem sich energiegeladene Nummern mit sensiblen Songs abwechseln und wo neben tanzbaren Tracks und rockigen Klängen auch klassische Elemente ihren Platz gefunden haben. Der A-HA-Effekt beim Publikum ist Sänger Morten Harket, Keyboarder Magne Furuholmen und Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy auch dieses Mal sicher. Wir sprachen mit Magne Furuholmen über Künstlerpflichten, Arbeitswahn und Zukunftsmusik.

Als euer Album vor kurzem der Presse vorgestellt wurde, wart Ihr auch zugegen. Ihr wirktet allerdings nicht allzu glücklich, in der Öffentlichkeit zu sein und jede Menge Hände schütteln zu müssen...
Magne Furuholmen: “Ja, ich glaube, das ist etwas, was Amerikaner besser können. Aber ich versuche, es ernst zu nehmen. Ich glaube, wenn Leute kommen und über deine CD reden wollen, ist es immer nett, eine gute Antwort zu geben. Ich fand es ganz okay, wie es gelaufen ist. Ich fand, wir waren gut.”

Das schon, aber ich hatte den Eindruck, ihr mögt diese Events nicht so gerne...
“Ich würde mich schon etwas mehr zurückziehen wollen in Bezug auf die meisten Sachen, die mit Promotion zu tun haben. Es ist nur so: Wenn man Sachen immer und immer wiederholt, findet man schließlich die richtigen Worte.”

Neben deiner Karriere als Musiker hast du dir einen Namen als Maler gemacht. Bist du in diesem Bereich noch aktiv?
“Ich habe gerade erst in diesem Jahr mit dem Malen wieder angefangen. Ich hatte keine Gemäldeausstellung seit 1994. Ich habe mit Glas, Gemälden, Skulpturen gearbeitet, hatte mit verschiedenen Kunststilen zu tun.”

Wenn das neue Album “Lifelines” ein Bild wäre, wie würde es aussehen?
“Wenn man ein Gemälde macht, sieht man aus der Nähe 50 verschiedene Farben und wenn man weiter weg geht, fünf Meter oder so, sieht man auf einmal das Ganze als Gesamtheit. Das ist so ähnlich mit diesem Album. Wenn man daran arbeitet, hört es sich wie so viele verschiedene Dinge an - verschiedene Produzenten, verschiedene Aufnahmesysteme, verschiedene Schreiber, verschiedene Texte, verschiedene Instrumente. All diese Dinge wirken auf den ersten Blick sehr chaotisch. Aber wenn man ein Stück zurückgeht, verschmilzt es zu einem Ganzen. Das vermisse ich manchmal an heutigen Alben, dass man bei jedem Hören etwas Neues entdecken kann. Ich wollte eine CD machen, die viele verschiedene Farben enthält und verschiedene Energiewechsel. Das letzte Album hatte das nicht. Ich wollte mehr Kontraste und mehr Dynamik.”

Es war bestimmt sehr anstrengend, mit so vielen verschiedenen Produzenten in so vielen Städten und Ländern zusammenzuarbeiten?
“Ja, das stimmt. Aber dieses Mal ging es schon besser als vorher. Ich habe für dieses Album manchmal zu viel Verantwortung übernommen, das tue ich meistens. Es fällt mir sehr schwer, die Dinge einfach so laufen zu lassen.”

Woher kommt das?
“Ich glaube, da war einfach eine Menge Energie in mir. Die wollte ich in die Arbeit stecken. Es war wirklich eine großartige Zeit, als wir anfingen, an dem Album zu arbeiten. Ich war wahnsinnig inspiriert, arbeitete Tag und Nacht, habe nicht geschlafen. Es war wie ein natürlicher High-Zustand. Es war wie eine Renaissance für mich als Songschreiber. Also ließ ich es einfach laufen.”

Wart Ihr nach dem Erfolg des Comeback-Albums relaxter?
“Ich glaube, relaxt ist nicht das richtige Wort. Ich bin jemand, der sich von der Arbeit inspirieren lässt. Ich werde immer inspirierter, je mehr ich arbeite. Und nach einer Zeit bin ich total kaputt und muss für zwei Wochen ins Krankenhaus. Das passierte das letzte Mal: Ich musste zwei Wochen lang ins Krankenhaus. Dieses Mal habe ich mir weniger Sorgen um andere Leute gemacht. Ich hab mir eher gesagt: Okay, wenn das so ist, dann lass es doch einfach so und komm damit klar. Ich glaube, das hat mich stärker gemacht. Ich habe sogar das Gefühl, ich könnte jetzt gut ein Soloprojekt machen. Und dieses Gefühl hatte ich nie zuvor.”

Was ist anders, wenn du solo arbeitest?
“Der Unterschied ist, dass ich alleine mit Kunst arbeite. Ich treffe meine Entscheidungen, ohne jemanden zu fragen. Das Selbstvertrauen wächst, wenn man selbst gute Entscheidungen trifft.”

Welches ist derzeit deine liebste Newcomer-Band?
“Es kommen immer mal wieder nette Bands auf. Es gibt einige interessante neue Rocksachen, obwohl ich kein großer Fan von Rock bin. Lange Zeit fand ich es einfach reaktionär, altmodisch und langweilig. Ich fand die Entwicklung der Dance-Musik viel interessanter. Dance, Jazz und diese Crossover-Sektion hatten dieses ethnische Element, was wirklich interessanter war. Aber die Rockmusik hat die erstaunliche Fähigkeit, sich selbst immer wieder neu zu erfinden, indem sie dieselben Dinge immer wieder benutzt. Dieselbe Show, nur mit verschiedenen Kostümen. Es ist spannend, eine Band wie White Stripes zu hören.”

Wie sieht deine Zukunft aus?
“Ich mache gerade ein paar Ausstellungen, außerdem bringe ich ein Buch über meine Kunst heraus. Dann werden wir dieses Jahr touren, auch in England und Amerika. Ich freue mich darauf, mal mit der Band wegzukommen. Wir sind mit dem letzten Album nicht wirklich weit gekommen. Es ist in Amerika gar nicht herausgekommen. Das war komisch, alle fanden das Album gut, aber auf einmal war es zu spät, es noch in Amerika zu veröffentlichen. Ich erinnere mich, wie schwer es war, mit einer weltweiten Karriere weiterzumachen. Ich bin sehr froh über den Erfolg, den wir mit dem letzten Album hatten und ich hoffe, dass dieses ebenso gut läuft. Aber ich werde mich jetzt nicht verrenken, um den Erfolg wiederzuerlangen.“

[Sonja Ritter]

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Links

http://www.a-ha-theband.de

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