Exotische Newcomer

Tokio Hotel im Interview

published: 21.08.2005

Tokio Hotel (Foto: Public Address) Tokio Hotel (Foto: Public Address)

Die Jungs sind zwar erst zwischen 15 und 18 Jahre alt, aber schon die am heißesten gehandelten Newcomer der Popszene. Ihr Videoclip rotiert auf den Musikkanälen und selbst "VIVA BAMS" berichtete schon ausführlich. Und das alles, bevor Tokio Hotel überhaupt eine CD veröffentlicht haben! "Durch den Monsun", die Debüt-Single der Exoten, erschien am 15. August.

Tokio Hotel - das sind Sänger Bill, sein Zwilling Tom, der Gitarre spielt, Bassist Georg und Schlagzeuger Gustav. ?Tom und ich machen lange zusammen Musik. Mit neun sind wir zum ersten Mal aufgetreten?, erzählt Bill. Er findet es überhaupt nicht schwierig, Songs zu schreiben. Der Ohrwurm "Durch den Monsun" stammt aus seiner Feder, auch wenn das Produzententeam aus Dave Roth, Pat Benzner, David Jost und Peter Hoffmann ihn unterstützt hat. Der Song entstand nach einer Beziehung, wie er sagt, und handelt von einer anderen Welt.

Tokio Hotel 2005 - 2010 (62 Bilder)

Tokio Hotel 2005 - 2010
Tokio Hotel 2005 - 2010
Tokio Hotel 2005 - 2010
Tokio Hotel 2005 - 2010


Dass sie jetzt mit Profis arbeiten - die schon für The Doors, Mötley Crüe, Falco, The Corrs, Sarah Brightman und Faith Hill komponierten, produzierten oder remixten - viel reisen und Interviews geben, empfinden die Vier als wahnsinnig aufregend. Als sie eines Tages fanden, sie bräuchten einen Namen, der dieses Gefühl wiedergibt, kamen sie auf "Hotel", weil sie viel unterwegs sind und sich gerne in Hotels aufhalten. "Tokio" wählten sie, da die Stadt für sie absolutes Neuland bedeutet. Keiner von ihnen hat je die japanische Hauptstadt besucht.
Obwohl die Zwillinge auch optisch den Nukleus der Band bilden, scheint es Eifersüchteleien in der Gruppe nicht zu geben. Dass die Geschwister mehr Aufmerksamkeit bekommen, nehmen die anderen Musiker mit abgeklärter Gelassenheit. "Wir sind eine Band und halten zusammen" betont Drummer Gustav.




Dass die Brüder selbst sehr unterschiedlich sind, bestätigen beide. "Bis zum Alter von sechs Jahren haben wir uns ziemlich ähnlich angezogen", erzählt Zwilling Tom. "Danach hat sich das in völlig verschiedene Richtungen entwickelt." Der Gitarrist liebt weite HipHop-Klamotten und trägt lange Dreadlocks, während der Frontmann mit den punkig gestylten Haaren, dem Make-Up und den lackierten Fingernägeln unangefochten der Blickfang der Band ist. Sogar im Privatleben stylt sich der Nena-Fan so. "Ich achte schon auf mein Aussehen, bin aber nicht extrem eitel" findet Bill, gibt allerdings zu, ziemlich viel Zeit im Bad zu verbringen. "Wenn ich die Nägel noch machen muss, brauche ich schon zwei Stunden."




Bei Mädchen haben die beiden übrigens den gleichen Geschmack. "Wenn wir jemanden gut finden, finden wir sie beide gut", weiß Tom. "Aber gestritten haben wir uns deswegen noch nie." Das Dilemma löst sich meist, indem die Auserwählte ihrerseits eine Wahl trifft. Zurzeit hat übrigens keiner der Jungs eine Freundin, was sie bedauern. Aber alle Freizeit geht eben fürs Musikmachen drauf.

Das Interview:

· Ihr seid aus dem Nichts Rockstars geworden. Wie fühlt ihr euch damit?
Bill: "Zur Zeit ist alles noch ganz neu. Wir sind total aufgeregt. Das geht ja alles unglaublich schnell...
... Wir kriegen das so richtig gar nicht mit. Man fühlt sich ja nicht selbst als Star. Wir sind dieselben, die wir vorher waren. Es sind jetzt nur ein paar mehr Menschen auf unseren Konzerten."

· Euer Alltag muss sich doch komplett verändert haben.
Tom: "Wir versuchen noch so viel wie möglich zur Schule zu gehen. Nach der Schule machen wir viel Promotion und sind mit der Band unterwegs. Klar, es ist irgendwie anders, aber es macht Spaß."

· Könnt ihr das immer so trennen oder werdet ihr auch in der Schule mal nach Autogrammen gefragt?
Gustav: "Ja, in der Schule werden wir auch mal nach einem Autogramm gefragt, aber bei mir ist das nicht so häufig wie bei den anderen."
Bill: "Von Schülern der eigenen Schule eher nicht so, eher selten. Hauptsächlich von Leuten von anderen Schulen. Da stehen ab und zu ein paar Fans vor der Schule, die auf uns warten..."

· Was sagen die Lehrer zu eurem Erfolg?
Georg: "Viele Lehrer, die früher auch mal nicht so nett zu uns waren, kommen jetzt an und sagen: ‚Hey, hast du nicht mal ein Autogramm für mich?’ Das ist lustig."




· Was ist das Krasseste, worum euch ein Fan je gebeten hat?
Tom: "Das Krasseste ist, dass jemand ganz unbedingt das nächste Album mit uns aufnehmen will. Sie hat uns einen Brief geschrieben, dass das ihr Traum ist und dass es echt schlecht von uns wäre, wenn wir das nicht machen würden. Bei so was fühlt man sich dann manchmal wirklich schlecht."

· Ihr seid jetzt öfter bei Fernsehsendungen und lernt andere Bands und Künstler kennen. Wen habt ihr da bisher so getroffen?
Bill: "Es ist schon ganz interessant, mal andere Bands zu sehen und mit denen zu erzählen. Aber ansonsten ist es auf den Festivals und Veranstaltungen immer sehr stressig. Da hat jeder mit Interviews und Fotos zu tun, so dass man sich da nicht stundenlang unterhalten kann. Aber ‚Hallo’ sagt man schon mal."
Georg: "The Rasmus haben wir mal gesehen und die waren auch auf jeden Fall ganz nett. Aber wir können alle nicht so gut Englisch und da war es ein bisschen schwer, sich zu verständigen."

· Wie hat der Erfolg euer Liebesleben verändert?
Bill: "Es kommen viele Liebesbriefe, aber wir haben ja total wenig Zeit für eine feste Freundin. Wir haben die Musik und Schule und da bleibt keine Zeit. Das ist manchmal nicht so leicht."




· Wie sieht das mit kürzeren Techtelmechteln aus?

Gustav: "Für mich persönlich ist das nichts."
Tom: "Also, es ist eine schöne Nebensache! Es bietet sich auf jeden Fall an (lacht). Aber auch für kurze Sachen bleibt ja nicht so die Zeit."
Georg: "Die muss man sich halt nehmen!"
Tom: "Stimmt. Manchmal muss man einfach Prioritäten setzen."
Bill: "Wir sind da ganz unterschiedlich. Ich zum Beispiel bin da eher der Typ für eine feste Beziehung. Ich binde mich da mehr."
Gustav: "Ich muss erst mal etwas über ihren Charakter erfahren. Gleich nach oben aufs Zimmer oder so etwas, das läuft bei mir nicht."
Georg: "So krass ist es ja nun auch nicht!"
Tom: "Wir unterhalten uns ja auch mit ihnen… (lacht)"
Gustav: "Ja, zwei Sätze…"

· Bill, mit deinem Make-Up wirkst du recht androgyn. Kommen da manchmal Jungs auf dich zu?
Bill: "Eher selten, aber es kommt schon vor. Ich hab damit überhaupt kein Problem. Ich hatte auch mal einen Kumpel, der schwul war, und das ist mir völlig egal. Da kann jeder machen, was er will."

· Hätte vielleicht auch ein Junge eine Chance bei dir?
Bill: "Nee, das nicht. Ich bin da ganz offen und mir ist es völlig egal, was andere machen, wenn sie so glücklich sind. Aber für mich persönlich kommt das nicht in Frage."




· Was für Lieder sind auf eurem Album "Schrei"?
Bill: "Da sind zwölf Lieder drauf - ganz gemischt. Da ist erst mal natürlich unsere Single ‚Durch den Monsun’ und auch die nächste Single, die jetzt kommt und etwas härter ist. Sie heißt ‚Schrei’, genau wie das Album. Wir haben da ganz ruhige Songs drauf, Balladen, aber auch härtere Sachen. Auf jeden Fall kann man Abwechslung erwarten."

· Was ist dein Lieblingssong?
Gustav: "Ich persönlich habe gar keinen Lieblingssong. Ich freue mich immer, wenn ich bei Konzerten das ganze Album spielen kann."

· Habt ihr Pläne, live aufzutreten?
Bill: "Wir werden ganz viel live auftreten, auf jeden Fall, weil wir unglaublich gerne spielen. Wir haben schon viel erlebt: Wir haben vor zehn Mann gespielt, aber auch schon vor mehreren Tausend. Wir freuen uns immer, wenn wir auftreten können, vor allem live. Es ist noch nichts Definitives geplant, aber sicherlich werden wir auch auf Tour gehen."

· Möchtet ihr gerne auch außerhalb von Deutschland berühmt werden?
Tom: "Wir sind in Österreich auch ganz erfolgreich - da sind wir auch auf Platz eins, was echt erstaunlich war. Wir waren als Band erst einmal da. Von daher war das eine coole Sache. Wir sind da ganz offen, klar wollen wir auch im Ausland Erfolg haben. Ist ja auch echt geil."
Bill: "Wir sind für alles offen, aber definitiv geplant ist nichts."

· Warum wollt ihr so gerne live spielen?
Bill: "Ich finde das ganz wichtig für eine Band, wie wir es sind, dass sie auch live spielen kann. Wir wollen zeigen, dass wir was drauf haben. Wir sind eine gestandene Band: Uns gibt's jetzt seit fünf Jahren. Wir haben jede Menge Live-Erfahrung und wollen das den Leuten zeigen."



[Heike]

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www.tokiohotel.de

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