M.I.A. Interview

Neudefinition des Genres Weltmusik?

published: 29.08.2005

Hat schon oft überlegt, ihre Wahlheimat London zu verlassen - M.I.A. (Foto: Public Address) Hat schon oft überlegt, ihre Wahlheimat London zu verlassen - M.I.A. (Foto: Public Address)

Deutschpop-Fans verwechseln sie gerne mit der gleichnamigen Berliner Band oder einer Kölner Technoproduzentin. Doch damit hat die aus London und Sri Lanka stammende Maya Arulpragasam, die sich hinter dem Pseudonym M.I.A. verbirgt, nichts am Hut. Denn nach dem riesigen Erfolg ihres Debüt-Album „Arular“ verläuft ihre Karriere inzwischen mindestens eine Ebene höher. Überschwänglich lobten die internationalen Feuilletons bereits die harten Beats, gepaart mit asiatischen Einflüssen und selbstbewussten Raps, die das Album ausmachen - und sprachen sogar von einer Neudefinition des Genres Weltmusik. Trotz allem Hype hat die 27-Jährige einiges zu erzählen: Als kleines Kind bekam sie viel vom Bürgerkrieg in Sri Lanka mit. Zur Musik kam die Londonerin mit abgeschlossenem Kunststudium aber eher zufällig. Nachdem sie an einer Dokumentation über die HipHop-Göre Peaches arbeitete, war sie von deren minimalistischen Musik so begeistert, dass Maya sich kurzerhand an eigene Produktionen heranwagte. Da nützte es auch nichts, dass sie mit Jude Law bereits einen prominenten Fan ihrer Kunst hatte: Der Schauspiel-Star hatte einen Großteil der Bilder ihrer ersten Kunstausstellung gekauft. Mit Scoolz sprach der Shootingstar am Tag der ersten Terroranschläge in London (7.7. 2005) über den täglichen Rassismus in London, Terror-Politik und ihre Aversion gegen Jazz.

Maya, heute Morgen sind in London mehrere Bomben explodiert. Hast du schon Nachricht von deinen Freunden und Verwandten?
M.I.A: „Ja, alle waren zum Glück so faul, dass sie um diese Zeit noch nicht aus dem Haus waren. Die lagen noch alle im Bett. Faulheit ist manchmal ganz praktisch. Aber das ist schon verrückt. Die Anschläge sollen ja mit dem G8-Gipfel zu tun haben. Das wird jetzt interessant, wie Tony Blair mit der Situation umgehen wird. Das ist der Preis, den er bezahlen musste, weil er George Bush im Irak-Krieg unterstützt hat.“

Haben die Menschen in England jetzt Angst vor weiteren Anschlägen?
„Ja. Aber ich glaube nicht, dass so was auch in Deutschland passieren wird. Die gefährdeten Länder sind die USA und England. Die Unterstützung des (Irak-)Krieges war so unglaublich dumm. Das hat für viel Ärger gesorgt. In England leben viele Menschen aus Asien und Afrika. Dort gibt es Leute aus aller Welt. Die Presse hat Kampagnen gegen die Einwanderer gestartet. Das hat auch mein Bruder zu spüren bekommen. Die Polizei hat ihn gesucht und Fahndungsfotos von ihm in unserem Viertel verteilt. Mein Bruder ist aber aus Sri Lanka und hat mit Terroristen aus Pakistan nichts zu tun. Da habe ich mal wieder gemerkt, wie schwer das für ein Einwanderer-Kind ist, in England aufzuwachsen.“

Hast du mit einem Anschlag in London gerechnet?
„Ja, aber das war zu der Zeit, als das World Trade Center angegriffen wurde.“

Wie ist das Leben in London für dich?
„Selbst als Erwachsene, wo ich Geld verdiene und machen kann, was ich will, ist es hart und fürchterlich. Es ist toll, wenn du reich bist. Wenn du nicht so ein reicher Schnösel bist - Mitglied in exklusiven Klubs - und in deinem Bentley durch die Gegend fährst, dann bist du echt arm dran. Selbst wenn du aus der Mittelklasse stammst und einen geregelten Job hast, führst du immer noch ein Leben wie ein Sklave.“

Offenbar scheint es in England nicht viel zwischen der Arbeiterklasse und der Oberschicht zu geben…

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