Mark Owen im Interview

„Rob war mein bester Kumpel"

published: 31.08.2005

Robbies Kumpel bei Take That jetzt auch solo – Mark Owen  (Foto: Public Address) Robbies Kumpel bei Take That jetzt auch solo – Mark Owen (Foto: Public Address)

Vor zwei Jahren holte ihn Robbie Williams auf die Bühne von Knebworth - Mark Owen. Die beiden hatten sich bei Take That ein Hotelzimmer geteilt. „Rob war mein bester Kumpel“, erinnert sich Mark, der seit der Tennung der Boygroup solo Musik macht. Gerade hat er ein cleveres Britpop-Album veröffentlicht. „How The Mighty Fall“ heißt es und hat mit der ersten Auskopplung „Believe In The Boogie“ schon einen Single-Hit vorzuweisen. Im Interview spricht Mark über seine Freundschaft zu Robbie und über seine Freundin Emma. Außerdem verrät er, was die anderen Jungs von Take That heute machen.

* Dein neues Album heißt „How The Mighty Fall“ (dt. etwa: „Der Untergang der Großen“). Was hat es mit dem Titel auf sich?
Mark Owen: „Die Worte stammen aus meinem Song ‚Believe In The Boogie’, wo es heißt: ‚From the Albert Hall to the Uni Ball / How the mighty fall“ (dt etwa: ‚von der Royal Albert Hall zur Unifete’. Das bedeutet: Die Leute kennen mich aus der Vergangenheit, wo ich in großen Stadien gespielt habe und vor vielen Tausenden Menschen aufgetreten bin. Aber die Konzerte, die wir jetzt hier in Deutschland geben, sind kleine, intime Shows. Vielleicht 300, 400 Leute. Also, darin liegt auch eine gewisse Ironie. Ich lache auch ein bisschen darüber, wie ‚die Großen untergehen’.“

* Hast du noch viel von dem Geld, das du mit Take That verdient hast?
„Wir haben mit Take That ganz gut verdient. Ich konnte ein Haus kaufen und habe auch meinen Eltern ein Haus gekauft. Aber ich sage immer, dass Musik mein Ferrari ist. Ich besitze keine schnellen Autos. Alles, was ich je verdient habe, ist wieder in das Musikmachen geflossen. Das ist mein Hauptluxus. Ich würde wahrscheinlich bis auf meinen letzten Penny alles für Musik ausgeben. So wichtig ist sie für mich.“

* Warum gab es nach deinen ersten Soloplatten so eine lange Pause bis zu dieser CD?
„Es war eine schwierige Zeit für mich. Ich hatte mich entschieden, ganz auf Progrock zu setzen und nur noch seltsame Musik zu machen. Da habe ich meinen Plattenvertrag verloren und das war ja auch keine Überraschung. In den folgenden sechs Jahren ging es für mich darum, mich selbst zu finden. Ich habe weiterhin versucht, einen Vertrag zu bekommen und ich habe jeden Tag Songs geschrieben. Vielleicht habe ich es zu intensiv versucht. Ich fing an, frustriert zu sein und niedergeschlagen und manchmal auch ein bisschen depressiv. Aber ich habe nie aufgegeben. Endlich kriegte ich einen Vertrag und konnte vor ein paar Jahren in England ein Album veröffentlichen. Aber dann haben sie mich wieder fallenlassen. Insgesamt wurde ich also zwei Mal rausgeschmissen. Deshalb habe ich mich entschlossen, es jetzt selber zu machen und dieses Album auf meinem eigenen Label zu veröffentlichen.“

* Wenn du an die Take-That-Zeiten zurückdenkst, welche Bilder erscheinen da vor deinem inneren Auge?

„Da fällt mir als erstes das Reisen ein. Wir waren ständig irgendwohin unterwegs. Dann die Kostüme, die Outfits und wie es war, auf der Bühne zu sein. Das habe ich geliebt, wir haben wirklich tolle Shows gespielt. Und dann die Freundschaften innerhalb der Band, aber auch Unsicherheiten, lange Tage, viele Termine. Wir waren jung und vielleicht auch ein bisschen naiv. Wenn man in so jungen Jahren in so eine Band eintritt, ist man plötzlich in dieser Seifenblase. Die Seifenblase reist durch die Welt, aber du bekommst nicht viel von der Wirklichkeit mit. Ich dachte immer, dass ich Mark Owen ganz gut beschützt hatte, aber als alles aufhörte, wurde mir in den sechs Jahren klar, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war. Es war wahrscheinlich das Beste, was mir passieren konnte, das durchzumachen und mich damit auseinanderzusetzen. Das war nötig.“

* Du hast die Freundschaften innerhalb der Band erwähnt. Wem standest du am nächsten?
„Rob. Er war mein bester Freund in der Band. Wir waren ungefähr gleich alt. In den frühen Zeiten haben wir uns immer ein Zimmer geteilt. Daher kam das. Sogar ganz zu Anfang: Wir trafen uns draußen und gingen zusammen rein, als die Band zusammengestellt wurde. Also würde ich sagen, das Rob wahrscheinlich mein engster Freund in der Band war.“

* Als du und Rob euch ein Zimmer geteilt habt, habt ihr da das geführt, was man einen Rockstar-Lebensstil nennt?
„Ein bisschen schon. Wir haben gerne einen getrunken, wenn wir am nächsten Tag nicht arbeiten mussten. Ich war ein großer Fan von Rotwein. Wir haben die ganze Welt bereist, wie jeder andere normale Junge sind wir in Clubs und auf Partys gegangen. Das waren Jahre der Entdeckung für uns. In diesem Alter - 17, 18, 19 - versucht man, sich zu erkunden. Das haben wir auch getan, wenn auch vielleicht nicht häufig in der realen Welt. Wir waren eben damals so. Ich denke, dass hätte jeder so gemacht. Jeder Tag war für uns wie ein Wochenende. Es gab viel Spaß und wir haben es sehr genossen. Aber wir haben auch richtig schwer gearbeitet. Es war uns schon immer bewusst, dass wir arbeiteten und Konzerte gaben und so.“

* Wenn Robbie Williams dein bester Freund in Take That war, wie war das dann für dich, als er die Band verließ?
„Wir hatten kaum Zeit, darüber nachzudenken. Als Rob ging oder als er nicht mehr in der Band war, hatten wir einige Wochen später das größte Konzert unserer Karriere vor uns. Deswegen hatten wir keine Zeit, uns damit lange aufzuhalten. Wir mussten ja alles Alte noch mal neu lernen. Wir ackerten nonstop von dem Zeitpunk an, als Rob die Band verließ, bis Weihnachten. Es ging nach Amerika, wo ‚Back For Good’ ein großer Hit war und dann standen noch Termine in Europa auf dem Programm. Es war erst, als wir dann einen Monat Ferien hatten, dass wir erkannten, dass es nicht mehr dasselbe war und vielleicht ein guter Zeitpunkt um aufzuhören. Wir kamen also aus dem Urlaub zurück und zogen einen Schlussstrich.“

* Hast du mit den anderen aus der Band noch Kontakt?
„Ja, ich treffe sie alle. Als ich meine Platte in LA aufgenommen habe, hatte ich die Gelegenheit, Rob da zu treffen. Und die anderen Jungs habe ich im letzten Jahr auch alle getroffen – Gary, Jason und Howard. Eine Zeitlang hatte ich keinen Kontakt zu den anderen Jungs, aber jetzt schon.“

* Was haben die in der Zwischenzeit getan?

„Gary ist verheiratet und hat mehrere Kinder. Er komponiert für eine Menge Leute. Darin hatte er großen Erfolg. Jason ist zurück zur Uni gegangen und hat einige Jahre lang studiert. Er hat in England auch als Schauspieler gearbeitet. Und Howard ist DJ! Er war wahrscheinlich schon als DJ in Hamburg. Er legt seit Jahren auf und es läuft gut.“

* Wie steht es mit der Möglichkeit, dass Gary, Robbie und du ihr als Solokünstler zusammenarbeitet?
„Beim letzten Album habe ich mich Gary zusammen Songs geschrieben. Es war etwas, das ich tun wollte, um zu sehen, wie wir zusammen arbeiten konnten. Ich hatte viel Spaß. Aber ich denke, die Musik, die ich mache, und die Musik, die Gary macht, passen nicht gut zusammen. Wir können zwar zusammen schreiben, aber sein Stil ist von meinem sehr verschieden. Und mit Rob habe ich vor ungefähr zwei Jahren bei Knebworth vor 140.000 Menschen gesungen. Vielleicht würde ich eines Tages gerne einen Song mit Rob schreiben. Aber eher nur aus Spaß, nicht als große Sache.“

* Hast du die Songs auf „How The Mighty Fall“ alle selbst geschrieben?
„Ja. Ich habe schon immer meine Songs selber geschrieben und es ist sehr wichtig für mich, das zu tun. Ich habe nie Coverversionen auf einem Album gemacht. Das Komponieren ist das, was ich am liebsten mache – Songs zu schreiben, Texte zu verfassen und sich die Melodie auszudenken. Ich bin da ein bisschen egoistisch. Ich mache gerne alles selbst. Bei dieser neuen Platte konnte ich die Band stärker einsetzen. Üblicherweise schreibe ich Songs, wenn ich alleine bin, aber dieses Mal habe ich es mit der Band zu Hause getan.“

* Wenn Fans aus Take-That-Zeiten deine neue CD in den Player schieben, was für eine Erfahrung erwartet sie dann?
„Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich mich so weit wie möglich von Take That entfernt. Ich habe neunminütige Musikjams gemacht ohne Refrain oder Pop. Aber ich glaube, dass dieses Album sehr melodisch ist -die Take-Take-Songs hatten ja auch wunderschöne Melodien und nette Harmonien. Das hat auch diese Platte. Für mich hat sie aber weitaus mehr Tiefe, als die alten Take-That-Songs hatten.“

* Wer steht dir heute persönlich am nächsten?
„Meine Freundin ist wohl der Mensch, der mir am nächsten steht. Sie ist sozusagen auch mein bester Freund. Wir sind seit fast einem Jahr zusammen. Und sie heißt Emma. Und dann sind da meine Band und mein Management-Team. Ich habe keinen riesigen Freundeskreis, um ehrlich zu sein. Ich habe Freunde aus der Schule und ich habe meine Band. Und die Freunde aus der Schulzeit wohnen im Norden Englands. Weil ich viel Zeit in London verbringe, treffe ich sie nicht oft, obwohl ich oft mit ihnen spreche.“

* Kannst du mit Sicherheit ausschließen, dass es je zu einer Wiedervereinigung von Take That kommt?
„Ich denke ja, wenn ich ehrlich bin. Ich spreche ab und zu mit den Jungs und niemand schlägt das vor. Jeder hat sich weiterentwickelt. Als wir uns damals als Band zusammenfanden, haben wir immer gesagt, dass wir im Guten aufhören wollten, dann, wenn wir noch oben seien. Und ich denke, das haben wir getan. Und außerdem: Die Klamotten von damals passen mir einfach nicht mehr (lacht). Ich würde so dämlich aussehen, wenn ich so was jetzt noch mal tragen würde. Ich habe dieses Bild in meinem Kopf, dass wir, wenn wir so 60 oder 70 Jahre alt sind, uns alle noch mal treffen. Wir haben weiße Haare, Spazierstöcke und tragen Anzüge. Dann stellen wir uns um ein Klavier herum und singen einige Songs – ganz in Ruhe, nur für uns. Ich denke, das würde Spaß machen. Und das wäre ein schöner Schlusspunkt."

[Heike]

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www.markowenofficial.com

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