CD-Tipp

Coldcut – „Sound Mirrors“

published: 14.02.2006

Coldcut – „Sound Mirrors“ (Foto: Ninja Tune) Coldcut – „Sound Mirrors“ (Foto: Ninja Tune)

Totgesagte leben länger, lautet ein altes Sprichwort. Im Falle der britischen Sound-Tüftler von Coldcut könnte sich das Sprüchlein einmal mehr als weise herausstellen. Über sieben Jahre ist her, dass der ehemalige Kunstlehrer Jonathan Moore und der Computer-Programmierer Matt Black ihr letztes Werk unter die Leute gebracht haben. In den 90ern noch state of the art in puncto Remixe und elektronische Tanzmusik aller Art, wurde es dann schlagartig still um das Duo.

Und das trotz ihrer eigenen Plattenfirma Ninja Tune, die Coldcut 1990 gründeten. Vermutlich sind die Briten durch die Weltgeschichte gegondelt und haben musikalische Gäste eingesammelt, denn ihr neues Album „Sound Mirrors“ hat hochkarätige Künstler wie Roots Manuva, Mike Ladd, Jon Spencer und Saul Williams an Bord.

Ihrem musikalischen Konzept blieben die beiden Elekro-Frickler trotzdem treu. Und das lautet wie seit Ende der 80er Jahre: samplen, samplen, samplen. Damals machten sich Black und Moore als Remixer einen Namen, revolutionierten mit ihrem Remix von Eric B. & Rakim „Paid In Full“ das Genre. Es folgte 1987 der erste Club-Hit mit “Say Kids What Time Is It?“ und poppige Produktionen mit Lisa Stansfield. Legendär ihr 1997er Track „Timber“, mit dem sie bewiesen: Auch Motorsägen können grooven.

Auch „Sound Mirrors“ besteht zu 100 Prozent aus gesampleten Soundschnipsel. Im Alter soll der Mensch ja milder und harmoniebedürftiger werden. Eine Phase, auf die sich auch Black/Moore zubewegen, denn auf sperrige Klangexperimente und zentnerschwere Beats, die sie in den 90ern in ihrem Maschinen-Labor zusammenprogrammierten, wurde verzichtet. Stattdessen klingt das Album erstaunlich eingängig. Welche Sounds Coldcut da genau in den Kuchen rühren, bleibt allerdings ihr Geheimnis, denn auf wiedererkennbares Material wurde verzichtet.

Umso erstaunlicher, dass die Sampling-Pioniere diesmal nicht nur rund klingen, sondern auch Tracks von großzügiger musikalischer Bandbreite aufgenommen haben. Bei Gästen wie Saul Williams und Roots Manuva liegt der Hang zu HipHop natürlich nah. Die Single „Everything Is Under Control“ bietet gar die übliche trendige Mischung aus Gitarrenriffs und tanzbaren Beats. Dancehall war wohl die Inspiration zu "This Island Earth" und "Boogie Man".

Mit ihrem neuen Werk sind Coldcut und Ninja Tune endlich in der Gegenwart angekommen. Während ähnliche Labels wie Mo`Wax
längst Geschichte sind, haben die Briten den Sound, der früher mal TripHop genannt wurde, zu ihren eigenen Bedingungen weiterentwickelt. Damit könnte den Briten dieses Jahr ein großes Comeback gelingen.

[Jörg Römer]

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www.coldcut.net

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