Tokio Hotel im Interview

Runter von der Schule!

published: 21.12.2005

Auch in den „erwachsenen“ Albumcharts ein Hit – die Jungs von Tokio Hotel (Foto: Public Address) Auch in den „erwachsenen“ Albumcharts ein Hit – die Jungs von Tokio Hotel (Foto: Public Address)

Tokio Hotel gehen von der Schule ab! Diese Meldung erschütterte letzte Woche die deutsche Medienwelt. Besonders bedauern werden diese Entscheidung - von der Plattenfirma übrigens „Freistellung vom öffentlichen Schulsystem“ genannt - jene weiblichen Fans, die den Jungs auf dem Pausenhof auflauerten und es ihnen erschwerten, wenn nicht unmöglich machten, sich an der Schule normal zu bewegen. Nur Schlagzeuger Gustav, der auf eine andere Schule geht, fühlt sich nicht belästigt und drückt weiter die Schulbank. Ferien machen wollen Bill, Tom und Georg aber auch nicht: Sie kündigten an, ab jetzt Privatunterricht zu nehmen.
Dass sie jetzt nicht mehr auf das Läuten zum Unterricht reagieren müssen, erleichtert es den Nachwuchsmusikern sicher auch, ihre vielen Termine wahrnehmen zu können. Bereits seit ihrem Hit „Durch den Monsun“ weiß ja jeder zwischen fünf und 50, dass es sich bei Tokio Hotel nicht um einen japanischen Beherbergungsbetrieb sondern eine talentierte junge Band handelt. Jetzt, da das Album „Schrei“ seit mehreren Wochen die Nummer zwei der Longplay-Charts blockiert, reißen sich noch mehr Fernsehsender, Fans und Veranstalter um die Gruppe. Interviews, Fotosessions, Auftritte – wenn sie wollten, wären Tokio Hotel täglich ausgebucht. Am liebsten möchten Gustav, Bill, Tom und Georg jetzt so schnell wie möglich live spielen, erzählten sie Scoolz im Interview am 18. September, kurz bevor sie sich entschlossen, der Schule den Rücken zuzukehren.

Das Interview:

· Ihr seid aus dem Nichts Rockstars geworden. Wie fühlt ihr euch damit?
Bill: "Zur Zeit ist alles noch ganz neu. Wir sind total aufgeregt. Das geht ja alles unglaublich schnell...
... Wir kriegen das so richtig gar nicht mit. Man fühlt sich ja nicht selbst als Star. Wir sind dieselben, die wir vorher waren. Es sind jetzt nur ein paar mehr Menschen auf unseren Konzerten.“

· Euer Alltag muss sich doch komplett verändert haben.
Tom: "Wir versuchen noch so viel wie möglich zur Schule zu gehen. Nach der Schule machen wir viel Promotion und sind mit der Band unterwegs. Klar, es ist irgendwie anders, aber es macht Spaß."

· Könnt ihr das immer so trennen oder werdet ihr auch in der Schule mal nach Autogrammen gefragt?
Gustav: "Ja, in der Schule werden wir auch mal nach einem Autogramm gefragt, aber bei mir ist das nicht so häufig wie bei den anderen.“
Bill: "Von Schülern der eigenen Schule eher nicht so, eher selten. Hauptsächlich von Leuten von anderen Schulen. Da stehen ab und zu ein paar Fans vor der Schule, die auf uns warten..."

· Was sagen die Lehrer zu eurem Erfolg?
Georg: "Viele Lehrer, die früher auch mal nicht so nett zu uns waren, kommen jetzt an und sagen: ‚Hey, hast du nicht mal ein Autogramm für mich?’ Das ist lustig."

· Was ist das Krasseste, worum euch ein Fan je gebeten hat?
Tom: "Das Krasseste ist, dass jemand ganz unbedingt das nächste Album mit uns aufnehmen will. Sie hat uns einen Brief geschrieben, dass das ihr Traum ist und dass es echt schlecht von uns wäre, wenn wir das nicht machen würden. Bei so was fühlt man sich dann manchmal wirklich schlecht.“

· Ihr seid jetzt öfter bei Fernsehsendungen und lernt andere Bands und Künstler kennen. Wen habt ihr da bisher so getroffen?
Bill: "Es ist schon ganz interessant, mal andere Bands zu sehen und mit denen zu erzählen. Aber ansonsten ist es auf den Festivals und Veranstaltungen immer sehr stressig. Da hat jeder mit Interviews und Fotos zu tun, so dass man sich da nicht stundenlang unterhalten kann. Aber ‚Hallo’ sagt man schon mal."
Georg: "The Rasmus haben wir mal gesehen und die waren auch auf jeden Fall ganz nett. Aber wir können alle nicht so gut Englisch und da war es ein bisschen schwer, sich zu verständigen."

· Wie hat der Erfolg euer Liebesleben verändert?
Bill: "Es kommen viele Liebesbriefe, aber wir haben ja total wenig Zeit für eine feste Freundin. Wir haben die Musik und Schule und da bleibt keine Zeit. Das ist manchmal nicht so leicht."

· Wie sieht das mit kürzeren Techtelmechteln aus?

Gustav: "Für mich persönlich ist das nichts."
Tom: "Also, es ist eine schöne Nebensache! Es bietet sich auf jeden Fall an (lacht). Aber auch für kurze Sachen bleibt ja nicht so die Zeit.“
Georg: "Die muss man sich halt nehmen!"
Tom: "Stimmt. Manchmal muss man einfach Prioritäten setzen.“
Bill: „Wir sind da ganz unterschiedlich. Ich zum Beispiel bin da eher der Typ für eine feste Beziehung. Ich binde mich da mehr.“
Gustav: „Ich muss erst mal etwas über ihren Charakter erfahren. Gleich nach oben aufs Zimmer oder so etwas, das läuft bei mir nicht.“
Georg: „So krass ist es ja nun auch nicht!“
Tom: „Wir unterhalten uns ja auch mit ihnen… (lacht)“
Gustav: „Ja, zwei Sätze…“

· Bill, mit deinem Make-Up wirkst du recht androgyn. Kommen da manchmal Jungs auf dich zu?
Bill: "Eher selten, aber es kommt schon vor. Ich hab damit überhaupt kein Problem. Ich hatte auch mal einen Kumpel, der schwul war, und das ist mir völlig egal. Da kann jeder machen, was er will.“

· Hätte vielleicht auch ein Junge eine Chance bei dir?
Bill: "Nee, das nicht. Ich bin da ganz offen und mir ist es völlig egal, was andere machen, wenn sie so glücklich sind. Aber für mich persönlich kommt das nicht in Frage."

· Was für Lieder sind auf eurem Album „Schrei“?
Bill: "Da sind zwölf Lieder drauf - ganz gemischt. Da ist erst mal natürlich unsere Single ‚Durch den Monsun’ und auch die nächste Single, die jetzt kommt und etwas härter ist. Sie heißt ‚Schrei’, genau wie das Album. Wir haben da ganz ruhige Songs drauf, Balladen, aber auch härtere Sachen. Auf jeden Fall kann man Abwechslung erwarten."

· Was ist dein Lieblingssong?
Gustav: "Ich persönlich habe gar keinen Lieblingssong. Ich freue mich immer, wenn ich bei Konzerten das ganze Album spielen kann.“

· Habt ihr Pläne, live aufzutreten?
Bill: "Wir werden ganz viel live auftreten, auf jeden Fall, weil wir unglaublich gerne spielen. Wir haben schon viel erlebt: Wir haben vor zehn Mann gespielt, aber auch schon vor mehreren Tausend. Wir freuen uns immer, wenn wir auftreten können, vor allem live. Es ist noch nichts Definitives geplant, aber sicherlich werden wir auch auf Tour gehen."

· Möchtet ihr gerne auch außerhalb von Deutschland berühmt werden?
Tom: "Wir sind in Österreich auch ganz erfolgreich - da sind wir auch auf Platz eins, was echt erstaunlich war. Wir waren als Band erst einmal da. Von daher war das eine coole Sache. Wir sind da ganz offen, klar wollen wir auch im Ausland Erfolg haben. Ist ja auch echt geil."
Bill: "Wir sind für alles offen, aber definitiv geplant ist nichts."

· Warum wollt ihr so gerne live spielen?
Bill: "Ich finde das ganz wichtig für eine Band, wie wir es sind, dass sie auch live spielen kann. Wir wollen zeigen, dass wir was drauf haben. Wir sind eine gestandene Band: Uns gibt\'s jetzt seit fünf Jahren. Wir haben jede Menge Live-Erfahrung und wollen das den Leuten zeigen."

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