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CD-Tipp

Ursula Rucker – „Ma´ At Mama“

published: 03.02.2006

Ursula Rucker - "Ma′ At Mama"  (Foto: Rough Trade) Ursula Rucker - "Ma′ At Mama" (Foto: Rough Trade)

Chuck D von Public Enemy nannte seine Version von Rap einmal „CNN für Schwarze“. Damit beschreibt der Rapper treffend seinen Entwurf von HipHop, der sich mit sozialen Problemen und der täglichen Ungerechtigkeit beschäftigt. Eine würdige Nachfolgerin hat Chuck D in Ursula Rucker gefunden. Falsch wäre es allerdings, die Frau aus Philadelphia nur als Musikerin oder Sängerin wahrzunehmen. Denn Rucker ist gleichzeitig auch Poetin, politische Aktivistin und engagierte Frauenrechtlerin.



Die „Supa Sista“ reflektiert wie nur wenige den Wahnsinn der täglichen News und füllt wie keine andere moderne Clubmusik mit Inhalt und Poesie. Das hat sich auch auf ihrem inzwischen dritten Album „Ma´ At Mama“ nicht geändert. Die Themen kreisen um die schwarze Community und ihre Probleme im weitesten Sinn: vor der eigenen Haustür in den USA oder in Afrika, wo Rucker das von der westlichen Welt jahrelang nur mit einem Achselzucken quittierte Aidsproblem thematisiert.

Vor allem aber beschäftigt sie sich auf „Ma´ At Mama“ mit ihrer Rolle als Musikerin, die gleichzeitig Verantwortung als Mutter von vier Jungs übernommen hat. Davon zeugt etwa „Children´s Poem“, eine ruhige Nummer ohne Beats, die nur von der gleichmäßigen Stimme der diplomierten Journalistin getragen wird.

Auch ihr neues Album zeigt mit einigen ohne Musik oder nur mit Percussion vorgetragen Gedichten („Church Party“, “Libations„), dass die Tochter eines Afro-Amerikaners und einer italienischen Mutter aus der Spoken-Word-Szene Philadelphias kommt. Dort begann sie 1994 mit öffentlichen Lesungen ihre Karriere und fasste erst nach und nach durch Aufnahmen mit 4Hero, King Britt und Josh Wink in der musikalischen Szene der Stadt Fuß. Für Aufmerksamkeit sorgte ihre Stimme auf drei Alben von The Roots, der Durchbruch kam 2001 mit dem ersten eigenen Album „Supa Sista“. Trotzdem betonte Rucker oft, dass sie nur Musik veröffentliche, weil sie so mehr Leute erreichen könne als mit Poesie.

Dafür klingt ihr neues Werk erstaunlich ausgewogen, auch wenn der musikalische Aspekt zwingend in den Hintergrund tritt. „Rant (hot in here)“ besticht durch ein nacktes Funk-Loop, „I Ain´t (Your Punk Ass Bitch)” durch ein cooles Trompeten-Sample. In dem Song kritisiert Rucker das zweifelhafte Frauenbild der HipHop-Industrie, das Möchtegerne-Pimps wie Jay-Z immer wieder mit dem Wort „Business“ rechtfertigen. Weitere Jazzelementen wie in „Black Erotica“ und !K7-typische Downtempo-Sounds runden das Klangbild ab.

Über allem schwebt stets die warme Stimme von Ursula Rucker, der „Ma´ At Mama“. Das ist übrigens ein ägyptische Gottheit, die für die Erhaltung der Balance zuständig war. Eine Balance, wie sie auch Ursula Rucker in ihrem Leben als Musikerin, Poetin, vielseitiges Sprachrohr und vor allem als Mutter sucht.

[Jörg]

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