CD-Tipp

Doris` Guesthouse – „Double Decker“

published: 16.03.2006

Doris' Guesthouse - "Double Decker" (Foto: SPV)Doris' Guesthouse - "Double Decker" (Foto: SPV)

Willkommen in Doris` Guesthouse, dem musikalischen Gasthaus der Hamburger Saxophonistin Doris Decker. Wie der Name schon sagt, hat Herbergsmutter Decker gleich einen ganzen Haufen quartierloser Studiomusiker in ihrem Jazz-Inn eingecheckt. Darunter Herrschaften, die schon mit unterschiedlichsten Leuten wie Xavier Naidoo, James Last, Fury In The Slaughterhouse, Till Brönner oder Fettes Brot in einem Raum musiziert haben. So wird auf den Fluren und den Zimmern wild improvisiert, heraus kommt angenehm entspannter Pop-Jazz mit lockeren elektronischen Beats, für die sich Jazzkantine-Soundmann Rappinhood verantwortlich zeigt.

Jazzelectric steht in dicken Buchstaben an der Tür zum Etablissement und das beschreibt die Musik auf „Double Decker“ schon ganz gut, aber nicht ausreichend. Denn neben dem tausendfach gehörten Lounge-Sound wird auch mal richtig geswingt („Catch A Lion“) oder es werden flotte Bossa-Rhythmen angeschlagen („It´s Me Again“). Außerdem singt Doris Decker - und das auf ihrem zweiten Album neben Englisch und Spanisch - erstmals auch auf Deutsch. Das erinnert etwa in „Nochmal“ ein wenig an 2raumwohnungs Inga Humpe. Manchmal wirken Gesang und Text allerdings etwas belanglos, Refrains münden schon mal in „Lalalalala“, der deutsche Akzent bei englischen Texten ist unüberhörbar.

Wenn Doris Decker nicht gerade singt oder Saxophon für Udo Lindenberg, Marianne Rosenberg oder Stefan Gwildis spielt, dann reist sie durch die Weltgeschichte. Indien, Spanien, Sri Lanka, Costa Rica und Japan hat sie schon abgeklappert. Was der Hörer davon hat? Vor allem schicke Urlaubsfotos, die sie nicht in ein privates Fotoalbum klebt, sondern ins Booklet ihrer CD. Die wirken gelegentlich etwas schräg platziert: Ob man der Dame wirklich abnimmt, dass sie an irgend einem Strand der Weltgeschichte im kleinen Schwarzen Volleyball gespielt hat, muss aber jeder selbst entscheiden. Der Musik tut das jedoch keinen Abbruch. Denn auch dort schlagen sich ihre Urlaubserlebnisse nieder. „Chasing For Love“ belegt den Indientrip, etliche andere Songs Reisen an karibische Strände mit jeder Variante von lateinamerikanischer Musik.

Insgesamt ist „Double Decker“ homogener als so mancher überflüssiger Remix-Versuch diverser DJs, Verve- oder Blue-Note-Archive mittels Beats auch für schicke Lounge-Yuppies zugänglich zu machen. Daran ist sicher auch – trotz Downtempo-Beats - der erkennbare Live-Charakter und ein ordentlicher Groove der Musik Schuld. Drei Sterne sind dem Hotel Decker also sicher.

[Jörg]

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www.dorisdecker.de

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