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CD-Tipp

Morrissey - "Ringleader Of The ..."

published: 10.04.2006

Morrissey - "Ringleader Of The ..." (Foto: Attack Records) Morrissey - "Ringleader Of The ..." (Foto: Attack Records)

Sollte Morrissey auf seine alten Tage etwa glücklich verliebt sein? Neben Vatermord, Fummel-Tipps für Gott und anderen Freud-affinen Themen hat sich tatsächlich die Liebe - und zwar die der erfüllten Art - ins neue Oeuvre des einstigen Zölibat-Predigers geschlichen! Oder wann sang Moz zuletzt von „explosiven Fässern zwischen (seinen) Beinen“?

Wie beruhigend, dass es auch Konstanten gibt auf dem neuen Solo-Album des ehemaligen Sängers von The Smiths. Die gewohnt großen Themen stellt er schon in den ersten Zeilen des Eröffnungssongs vor: "Nobody knows what human life is, why we come, why we go…". Dann sucht er in "Dear God, Please Help Me" Rat, wie er sich im Augenblick der sexuellen Versuchung verhalten soll – um am Ende zu beschließen, nicht er sondern Gott brauche Hilfe – der ist schließlich noch weniger erfahren als Moz selbst.

Schwungvoll wird es bei der ersten Single "You Have Killed Me" und noch stärker nach vorne geht "The Youngest Was The Most Loved", die Crime Story eines verwöhnten Nesthäkchens, das zum Mörder wird. Der Song entspricht der Rebellen-Hymne „First Of The Gang To Die“ auf dem letzten Album „You Are The Quarry“, mit dem Steven Patrick Morrissey ein kommerzielles Comeback schaffte. Ansonsten herrscht auf der neuen CD eine neue Stimmung vor, ein flirrender Übermut, den man am ehesten mit dem Wort „Frühlingsgefühle“ trifft.

Dass sich die Atmosphäre geändert hat, liegt auch an der weicheren, fließenden Produktion von Tony Visconti, die besonders bei "Life Is A Pigsty" hörbar ist, dem Kernstück des Albums. Generell gibt es mehr Kitsch und Kinderchöre, mehr Glam-Rock und 70er-Sound-Effekte als auf dem kernigen Vorgänger. Überraschenderweise fällt „Ringleader of the Tormentors“ im direkten Vergleich zum großartigen „You Are The Quarry“ nicht ab: Die neue braucht vielleicht ein paar Hördurchgänge mehr, um anzukommen, doch ist sie erst einmal da, lässt sie nicht mehr los.

Man hört die Souveränität des Morrissey von heute in jedem Ton. Entspannt spielt der Grandseigneur des Indie-Songs sogar auf alte Song-Zitate an, wie etwa wenn er flötet: "The lights from the grand houses blind me" ("I'll Never be Anybody's Hero Now") und zieht mit solchen Referenzen Erinnerungen an gleich eine ganze Handvoll Smiths- und Morrissey-Lieder aus der Mottenkiste. Und wenn der inzwischen 46-Jährige mal wieder in Selbstmitleid badet - mit viel Schaum, Kerzen und Rotwein – ist er immer noch zum Dazulegen.

Er, der - wie er selbst singt - „turned sickness into popular song“, klingt heute jedoch allerdings überwiegend selbstironisch und humorvoll. Die großen Fragen des Lebens nach dem, woher wir kommen, und warum wir hier sind, beschließt er mit „At Last I Am Born“ erschöpfend zu beantwortend. Wir sind hier und gut so. Na also, Morrissey: Willkommen im Leben.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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