Tourtipp-Special

Spielleute von heute

published: 31.05.2006

Amber - "Rabenflug" (Foto: Totentanz Records) Amber - "Rabenflug" (Foto: Totentanz Records)

Mit Mittelaltermusik verbinden viele Menschen nur vage Vorstellungen, nach dem Motto: Letztes Jahr auf diesem Markt waren da doch diese merkwürdigen Typen in Röcken, oder die akustische Untermalung zu diesem Bild ist ein mehr oder weniger harmonisches Gefiedel und Getröte...

Um dir die musikalische Vielfalt und einige sehr interessante Bands dieses eher unbekannten Genres ein wenig näher zu bringen, hat Scoolz für dich dieses Special vorbereitet. Soweit möglich, gibt es im Bereich der Audio-Streams immer einen Song der Bands zum Reinhören.

Amber
Anfangen wollen wir mit der berühmten Ausnahme, welche die Regel so oft bestätigt. An Amber ist vieles ein wenig anders als an anderen Mittelalterbands, vor allem aber das: Amber hat eine Sängerin. Genauer gesagt ist Amber eigentlich eine Sängerin, Musikerin und Autorin in Personalunion: Martina Sofie Noeth. Angefangen hat ihre musikalische Karriere auf Mittelaltermärkten und bei Liverollenspielen, wo sie mit ihrer Gitarre als Bänkelsängerin debütierte. Zusammen mit musikalischen Freunden nahm sie dann ihre erste CD „Bardensang“ auf, eine bunte Mischung aus besinnlichen, aber auch fröhlichen Liedern - selbstverständlich mit mittelalterlichen Instrumenten und Harmonien, und einem ausgesprochenen Sauflied, dem "Lied vom Zwerg" nämlich. Laut Amber entstand es „aus einer Laune heraus" und ist "ein eeeecht langes Trinklied (…), das man schnell mitgrölen kann“.

Nachdem Amber es dann schaffte, eine reguläre Band um sich zu versammeln, erschien auch die aktuelle CD „Rabenflug“ (aus der wir „Ich vermisse dich“ gestreamt haben). Zu Ambers wundervoller Altstimme gesellen sich nun auch Schlagzeug (Sven Seibert), Gitarre (Mike), Bass (Marcus Hautz) und Querflöte (Florian Don Schauen). Stilistisch hat sie sich damit deutlich weiterentwickelt - leichte Gothic-Einflüsse sind unüberhörbar, aber getragen wird die Musik weiterhin von Ambers Stimme und den Besonderheiten mittelalterlicher Harmonien.

Leider ist Amber dieses Jahr nicht mehr so häufig live zu sehen, hier die derzeit bestätigten Termine:

03.06.2006 Wave Gotik Treffen Leipzig/Schauspielhaus)
05.06.2006 Brot und Spiele Würzburg (unplugged)
04.08.2006 Brot und Spiele Würzburg (unplugged)
05.08.2006 Bensheim (privat)
20.08.2006 Rat-Con Dortmund (unplugged)
10.11.2006 Fulda, RingCon
11.11.2006 Fulda, RingCon

Corvus Corax

Die selbsternannten „Könige der Spielleute“ sind seit vielen Jahren aus der Mittelalter-Szene nicht mehr weg zu denken. Getreu dem Motto „Inter deum et diabolum semper musica est“ (für die Nicht-Lateiner: „Zwischen Gott und Teufel ist immer und überall Musik“) ziehen die Musiker seit 1989 durch deutsche und internationale Lande. In dieser Zeit änderte sich bei Corvus Corax (für die Nichtlateiner: Kolkrabe) eine Menge, sowohl aus personeller als auch musikalischer Sicht. Die ersten Alben vermittelten viel von dem, was wir musikalisch aus Filmen wie „Der Herr der Ringe“ oder „Braveheart“ kennen und als Mittelaltermusik einordnen. Spätestens aber seit dem Album „Viator“ (hört doch mal rein) (1998) begannen Corvus Corax immer stärker zu experimentieren. Vielleicht hing das auch mit der Gründung des Bandprojekts Tanzwut zusammen, in dem sie ihren Gelüsten zu etwas drastischeren Klängen erstmals freien Lauf ließen (doch zu Tanzwut später mehr).

Corvus Corax arbeiten bis heute zwar nur mit akustischen Instrumenten, die sie größtenteils selber bauen, aber die Rhythmen und Melodien wurden im Laufe ihrer Karriere immer eingängiger und vor allem druckvoller. Dieser Druck wird nicht zuletzt von den mannstarken Schlagzeugern verursacht, die sich gleich zu dritt auf der Bühne tummeln. Neben Patrick dem Kalauer an der Pauke beschäftigen sich Hatz (Percussions) und Harmann der Drescher (tiefe Trommeln) sehr intensiv damit, ein dichtes Rhythmusgeflecht zu schaffen. Vor diesem können sich die Bandgründer Wim und Castus Rabensang nebst Ardor vom Venushügel und Teufel dann austoben. Wer glaubt, dass Instrumente wie Dudelsack, Schalmei, Drummscheid oder Drehleier ein bisschen langweilig und angestaubt klingen, den können Corvus Corax schnell eines besseren belehren

Den derzeitigen Höhepunkt der Band stellt wohl die noch laufende „Cantus-Buranus-Tour“ da. Wie schon für frühere Alben hatten Wim und Co. in alten Liederschriften nach Anregungen für ihre Musik gesucht. Dabei stießen sie auf die um 1230 geschriebene „Carmina Burana“, von der sich schon Carl Orff für sein gleichnamiges Werk inspirieren ließ. Im Gegensatz zu Orff hatten Corvus Corax aber den Anspruch, mit möglichst authentischen Melodien zu arbeiten. Dies führte dann weiter als die Band wahrscheinlich anfangs selber dachte: Für die Vertonung gewannen sie Dirigent Jörg Iwer, das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus, den Opernchor des Staatstheaters Cottbus, das Vocal-Ensemble Psalteria aus Prag, den Chor Ivan Pl. Zajc aus Zagreb und die Mittealterband Potentia Animi. Summa summarum standen bei der Uraufführung am 19.8.2005 rund 160 Musiker auf der Bühne. Und die standen nicht nur, wie man auch gut auf der zugehörigen DVD sehen kann.

Als besonderes Schmankerl hat Scoolz von der im Juli erscheinenden neuen CD den Song "Venus Vina Musica" gestreamt.



Corvus Corax im Canuts-Buranus-Outfit (Foto: Tobias Seeliger)Corvus Corax im Canuts-Buranus-Outfit (Foto: Tobias Seeliger)

Wer Corvus Corax live erleben möchte, hier sind die Tourdaten:

02.06.2006 Neuruppin/Open Air zur 750 Jahrfeier der Stadt (Cantus Buranus)
03.06.2006 Freyburg/Unstrut
05.06.2006 Leipzig/Wave Gotik Treffen 2006 (Cantus Buranus)
10.06.2006 Wittenberg/Lutherhochzeit
01.07.2006 Delitzsch/Stadtfest
06.07.2006 Burghausen/Burg
07. – 09.07.2006 Kaltenberg/Kaltenberger Ritterturnier
14. – 16.07.2006 Kaltenberg/Kaltenberger Ritterturnier
18.07.2006 Wäschenbeuren/Wäscherschloss
19.07.2006 Wäschenbeuren/Wäscherschloss
20.07.2006 Kaltenberg/Gauklernacht
21.07.2006 Kaltenberg/Gauklernacht
22.07.2006 Kaltenberg/Gauklernacht
28.07.2006 Goslar/Kaiserpfalzgarten
29.07.2006 Wertheim/BURG - OPEN AIR
30.07.2006 Regensburg/Thon Dittmer Palais
05.08.2006 Berlin/Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau (Cantus Buranus)
11.08.2006 Schwerin/Schloss - Gothische Nacht
19.08.2006 Dinkelsbühl/Summer Breeze
06.12.2006 Hamburg/Markthalle
07.12.2006 Leer/Zollhaus
08.12.2006 Bochum/Matrix
09.12.2006 Herford/X
10.12.2006 Dresden/Alter Schlachthof
11.12.2006 München/Muffathalle
12.12.2006 Wien/Planet Music
13.12.2006 Nürnberg/Hirsch
14.12.2006 Mainz/KuZ
15.12.2006 Braunschweig/Meier Music Hall
16.12.2006 Ottweiler/Schlosstheater
17.12.2006 Ludwigsburg/Rockfabrik
18.12.2006 Aschaffenburg/Colos-Saal
19.12.2006 Bad Salzungen/Pressenwerk
20.12.2006 Amsterdam/Melkweg
22.12.2006 Berlin/Passionskirche
23.12.2006 Berlin/Passionskirche

In Extremo

Neben den vielen Bands, die Mittelaltermusik spielen, gibt es natürlich auch die Vertreter der etwas härteren Fraktion: die Mittelalterrocker. Und die haben seit sieben Jahren eine Band, die Zeichen setzt: In Extremo. Statt mittelalterliche Klänge ein wenig durch moderne Sounds aufzupeppen, gehen In Extremo einen genau gegensätzlichen Weg. Sie spielen einen absolut gradlinigen Rock auf der Basis von Gitarre, Bass und Schlagzeug. Hierfür zeigen sich Van Lange, der Morgenstern und Lutter verantwortlich. Darauf können dann Das letzte Einhorn, Dr. Pymonte, Flex der Biegsame und Yellow Pfeiffer aufbauen. Mit Schalmai, Davul, Harfe, Sitar, Klangbaum, Sackpfeife und vielen anderen Instrumenten schaffen sie einen äußerst extravaganten Sound, der einen ständig zwischen dem 12. und 21. Jahrhundert hin und her wirft. Diesen multimusikalischen Klangteppich nutzt Sänger Das Letzte Einhorn, um mit seiner eindrucksvoll rauen Stimme Akzente zu setzen. Passend zu den vielfältigen Musiken singt er dabei mit vielfältiger Zunge: Mit Deutsch, mittelalterlichem Latein, Französisch und Rotwelsch nutzt er ein großes sprachliches Spektrum, um seine Gedanken an den Hörer zu bringen.

Als ganz besonderen Service bieten In Extremo auf ihrer Homepage eine interessante und informative Flash-Card, mittels derer sie ihre ungewöhnlichen Instrumente erklären. Den Link dazu gibt es auf der Linkliste.

Hier gibt es die derzeit bestätigten Live-Termine:

16.06.06 CH Interlaken/Greenfield Festival
17.06.06 Dischingen/Rock am Härtsfeldsee
23.06.06 LUX Luxemburg/Open Air
24.06.06 Abenberg/Burg Abenberg Feuertanzfestival
01.07.06 Leipzig/With Full Force
04.08.06 Wacken/Festival
05.08.06 A-Lustenau/Szene Festival
06.08.06 CH-Pratteln/MetalDayz Open Air
13.08.06 Hildesheim/Mera Luna Festival
25.08.06 Steinbach/Open Air Naturtheater
26.08.06 Wuppertal/Waldbühne Feuertalfestival
08.12.06 Wien/Gasometer
09.12.06 Ravensburg/Oberschwabenhalle
10.12.06 Köln/Palladium
12.12.06 Bielefeld/Ringlokschuppen
13.12.06 Pahlen/Eiderlandhalle
14.12.06 Magdeburg/AMO
16.12.06 Stuttgart/Congresscentrum
17.12.06 München/Zenith
19.12.06 Frankfurt/Hugenottenhalle
20.12.06 Zürich/Volkshaus
21.12.06 Fulda/WartenbergOval
22.12.06 Fürth/Stadthalle
26.12.06 Bremen/Pier 2
27.12.06 Erfurt/Thüringenhalle
28.12.06 Leipzig/Haus Auensee
29.12.06 Hannover/AWD Hall

Schandmaul

Kann eine Band in ein Genre rutschen, ohne das eigentlich zu wollen? Schandmaul haben es jedenfalls geschafft. Als sich die Band um Frontmann Thomas Lindner 1992 gründete, war Schandmaul eigentlich nur für einen Auftritt geplant. Die interessante Mixtur aus Rock, Folk und mittelalterlichen Einflüssen war dann aber so erfolgreich, dass die Band weiter machte. Oder wie Thomas es ausdrückt: „Wir wären bescheuert gewesen, nicht mit Schandmaul weiter zu machen“. Mit ihrer immer stärkeren Popularität wurden sie dann immer mehr in die Schublade „Mittelalterrock“ eingeordnet. Ihren ganz eigenen Stil haben sich die Schandmäuler aber immer beibehalten und weiter entwickelt. Kam „Wahre Helden“ (1999) noch sehr traditionell und etwas brav daher, so wurden Schandmaul im Laufe der letzten Jahre musikalisch immer mutiger und interessanter. Einen Höhepunkt fand ihr musikalisches Engagement auf der „Kunststück-Tour“, bei der sie sich von einem Streicherensemble begleiten ließen und so ihre Klassiker in ein neues musikalisches Gewand brachten.

Schandmaul sind an folgenden Tagen live zu erleben:

17.06.2006 Königstein/Burg Königstein
02.07.2006 Augsburg/Open Air Messeplatz
21.07.2006 Weissenburg/Wülzburg Open Air
22.07.2006 Neuhaus/Pegnitz – Burg Veldenstein/Festival
23.07.2006 Köln/Amphi Festival
05.08.2006 Friedberg/Soundgardenfestival
12.08.2006 Rotenburg o.T/Taubertal Festival
19.08.2006 Cuxhaven/Deichbrand Festival
03.09.2006 Trier/Amphitheater Trier
22.10.2006 Stuttgart/LKA Longhorn
24.10.2006 Bielefeld/Ringlokschuppen
25.10.2006 Bremen/Aladin
26.10.2006 Kassel/Musiktheater
27.10.2006 Hannover/Capitol
28.10.2006 Pahlen bei Heide/Holstein– Eiderlandhalle
29.10.2006 Oberhausen/Luise Alberts Halle
30.10.2006 Leipzig/Werk 2
31.10.2006 Nürnberg/Löwensaal
02.11.2006 Berlin/Huxleys
03.11.2006 Dresden/Alter Schlachthof
04.11.2006 Magdeburg/Factory
05.11.2006 Köln/LMH
07.11.2006 Neu Isenburg/Hugenottenhalle
08.11.2006 Fulda/Wartenberg Oval
09.11.2006 Kaiserslautern/Kammgarn
10.11.2006 Erfurt/Gewerkschaftshaus
11.11.2006 Ulm/Roxy

Saltatio Mortis

Sie lassen uns zwar gerne an ihrer Musik teilhaben, aber irgendwo einordnen lassen sie sich nicht. Saltatio Mortis gehen ihren ganz eigenen künstlerischen Weg und begeben sich dabei gerne auf eine musikalische Gratwanderung zwischen Tradition und Innovation. Für die Freunde gradliniger Mittelaltermusik können Saltatio Mortis mit ihren Alben „Tavernakel“ und „Heptessenz“ aufwarten. Ganz andere und erfreulich neue Wege gingen sie mit „Das zweite Gesicht“ und „Erwachen“. Hier legen Dominor der Filigrane, Die Fackel, Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, Ungemach der Missgestimmte, Lasterbalk der Lästerliche und Thoron Trommelfeuer (diese Namen wollten wir euch einfach nicht vorenthalten) einen heftigen musikalischen Background hin, auf dem sich Sänger Alea der Bescheidene so richtig austoben kann. Wohl kaum eine andere Band der großen mittelalterlichen Familie wagt bei ihren Ausflügen in die Moderne so große stilistische Sprünge. Sehr deutlich sind Einflüsse aus dem Bereich Gothic/Dark Wave zu hören, ohne das Saltatio Mortis dabei irgendwie melancholisch oder untanzbar werden. Bei ihrem Zug durch die verschiedensten Stile schrecken SaMo auch vor den ungewöhnlichsten Adaptionen nicht zurück. Den Kiss-Klassiker „God Gave Rock 'n' Roll To You“ mit Sackpfeife und Schalmei neu zu interpretieren, kann man schon als gewagt bezeichnen.

Dass es sich wirklich lohnt die Mittelalterrocker live zu sehen, könnt ihr vielleicht nach einem der folgenden Konzerte bestätigen:

04.06.06 Neunkirchen/Mittelalterlich Spectaculum
05.06.06 Leipzig/WGT
10.06.06 Weil am Rhein/Mittelalterlich Spectaculum
11.06.06 Weil am Rhein/Mittelalterlich Spectaculum
17.06.06 Königsstein/Taunus Mittelalter rockt die Burg
25.06.06 Dortmund/Mittelalterlich Spectaculum
01.07.06 Aurich/Mittelalterlich Spectaculum
02.07.06 Aurich/Mittelalterlich Spectaculum
07.07.06 Wäschbeuren/Wäscherschloss
21.07.06 Tambach bei Coburg/Burg Open Air
22.07.06 Neuhaus/Veldenstein-Festival
23.07.06 Weißensee/Runneburg
29.07.06 Bückeburg/Mittelalterlich Spectaculum
04.08.06 Blieskastel/Festival
05.08.06 Köln/Mittelalterlich Spectaculum
11.08.06 Blieskastel/Festival
12.08.06 Singen/Mittelalterlich Spectaculum
13.08.06 Singen/Mittelalterlich Spectaculum
18.08.06 Dinkelsbühl/Summer Breeze Festival
19.08.06 Mülheim a. d. Ruhr/Burgfolk
20.08.06 Telgte/Mittelalterlich Spectaculum
26.08.06 Karlsruhe/Mittelalterlich Spectaculum
27.08.06 Karlsruhe/Mittelalterlich Spectaculum
02.09.06 Hamburg/Mittelalterlich Spectaculum
08.09.06 Dreieichenhain/Hayner Burgfest
09.09.06 Neuburg an der Kammel/Mittelalterlich Spectaculum
10.09.06 Neuburg an der Kammel/Mittelalterlich Spectaculum
16.09.06 Erbach/Mittelalterlich Spectaculum
17.09.06 Erbach/Mittelalterlich Spectaculum
23.09.06 Tuntenhausen/Mittelalterlich Spectaculum
24.09.06 Tuntenhausen/Mittelalterlich Spectaculum
30.09.06 Bad Schussenried/Mittelalterlich Spectaculum
01.10.06 Bad Schussenried/Mittelalterlich Spectaculum

Schelmish

Das sagt die Band selber über sich: Die musikalische Entführung auf eine Reise durch die Zeit, die Phantasie und in vieler Herren Länder. Diesem hohen Anspruch stellen sich die Schelme nunmehr seit sechs Jahren und werden ihm auch gerecht. Als Hörer fühlt man sich von Schelmish an die Hand genommen und durch einen bunten musikalischen Strudel geführt. Hierbei konzentrierten sich Dextro, Rimsbold, DesDemonia, Luzi, Fragor, Sakepharus, Naj-O. der Reine und Marqui de Guis lange Zeit sehr an der reinen Lehre der Mittelaltermusik. Aber auch ohne die Verstärkung moderner Instrumente wie E-Gitarre oder Syntheziser konnten sie überzeugende und vor allem tanzbare Musik präsentieren.

Das erste Mal erlebten wir Schelmish auf einem der größten Mittelaltermärkte Europas in Horsens (Dänemark). Als Headliner oblag den Schelmen die verantwortungsvolle Aufgage, das Publikum nach zwei anstrengenden Markttagen noch mal so richtig in Schwung zu bringen. Und das gelang! Wie kaum einer anderen Band des Genres gelingt es Schelmish, von der ersten Minute an eine bunt gemischte Schar von Zuhörern in den Bann zu Schlagen. Dabei ist es gleich, ob sie es mit „professionellen“ Mittelalterfans oder völlig normalen Menschen von der Straße zu tun haben. Nach kürzester Zeit tanzt eine enthemmte Masse vor der Bühne, die sehr deutlich macht, das Headbanging keine Erfindung des Hardrock ist. Darüber hinaus sind Schelmish die wohl einzige Mittelalterband mit eigener Strip-Show, ein weitere Beweis, dass Tradition und Moderne auf einer Bühne zusammen existieren können.

An dieser Stelle dachten wir eigentlich, es wäre das Wesentlichste zu Schelmish gesagt, aber da hat uns der neuste Silberling aus dem Haus Schelmish dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn mit „Mente Capti“ haben die sieben Musiker ein Album eingespielt, welches der Erwähnung bedarf. Denn auch Schelmish gehen jetzt Richtung Rock und streifen dabei schwungvoll noch andere Stile. So wird der Hörer beim „Letzten Kuss“ mit einer Rap-Einlage überrascht, dagegen kommen „Die Sieben Kostbarkeiten“ rein instrumental daher und entführen in eine völlig sphärische Welt. Wer die Schelme auf „Freigang“ lässt, wird mit einer extrem rockigen Gitarre und einem völlig abgedrehten Text belohnt, den Neusänger Rimsbold druckvoll interpretiert. Bei „Tanz mit mir“ kommt echte „Tanzwut“ auf. Die beiden wohl ungewöhnlichsten Songs sind „Pank!“ und „22 Jahre“. Statt sie hier lange zu beschreiben, haben wir sie dir auf die Streaming-Liste gesetzt und wünschen viel Spaß.

An folgenden Tagen gibt es Schelmish live:

02.06.06 Haderslev DK/Hertzug Hansfest
03.06.06 Haderslev DK/Hertzug Hansfest
05.06.06 Leipzig/WGT
10.06.06 Feldkirch/Montfort Markt
11.06.06 Feldkirch/Montfort Markt
15.06.06 Koblenz/MA Markt auf Ehrenbreitstein
16.06.05 Lennestadt/Elbenwaldparty auf Burg Bilstein
17.06.06 Koblenz/MA Markt auf Ehrenbreitstein
18.06.06 Koblenz/MA Markt auf Ehrenbreitstein
24.06.06 Abenberg/Feuertanzfestival auf Burg Abenberg
01.07.06 Baddeckenstedt/MA Markt auf Schloss Oelber
02.07.06 Baddeckenstedt/MA Markt auf Schloss Oelber
28.07.06 Wäschenbeuren/Konzert auf dem Wäscherschloss
12.08.06 Strullendorf/MA Markt
13.08.06 Strullendorf/MA Markt
19.08.06 Mülheim a.d. Ruhr/Burgfolk Festival
20.08.06 Brande/Hörner Festival
26.08.06 Bad Langensalza/Mittelalterfest
27.08.06 Bad Langensalza/Mittelalterfest
08.09.06 Dreieichenhain/Burgfest
09.09.06 Dreieichenhain/Burgfest
10.09.06 Dreieichenhain/Burgfest
24.09.06 Duisburg/Bankett im Pulp
07.10.06 Ottweiler/Konzert im Club Schulz
10.11.06 Fulda/Ring Con 06
11.11.06 Fulda/Ring Con 06
12.11.06 Fulda/Ring Con 06
02.12.06 Leipzig/Aggramessehalle Mittelaltermarkt
03.12.06 Leipzig/Aggrarmessehalle Mittelaltermarkt
08.12.06 Bedburg-Hau/Konzert auf Schloss Moyland
09.12.06 Bitburg/Weihnachtsmarkt in Bitburg
10.12.06 Bitburg/Weihnachtsmarkt in Bitburg

Tanzwut

Die Musik von Tanzwut zu beschreiben ist eine echte Herausforderung, da einfach die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ein Versuch wäre vielleicht die Kombination aus Marilyn Manson und Riverdance, aber auch das trifft es nicht ganz präzise. Die von der Band selbst definierte Richtung „Mittelalter-Industrial-Rock“ kommt der Sache da schon näher.
Entstanden ist Tanzwut 1996 als das moderne Alter-Ego von Corvus Corax. Nach verschiedenen Umbesetzungen herrscht jetzt auch personelle Übereinstimmung. Hier hören aber auch die meisten Parallelen auf, außer der Tatsache, dass beide Bands absolute Live-Kracher sind. Um sich von Corvus Corax musikalisch abzusetzen, greifen Tanzwut zu anderen Instrumenten und (man staune) teilweise anderen Namen. Wim und Patrick stellen ihre Dudelsäcke meist in die Ecke und greifen dafür heftig in Bass und E-Gitarre. Hatz trommelt etwas weniger auf alle möglichen Percussions ein, sondern bedient Keyboard und E-Drums. Norri (von Corvus Corax als Harmann der Drescher bekannt) wechselt vom tiefen Schlagwerk zum modernen Schlagzeug und agiert dort mit der gleichen Mobilität wie „Das Tier“, der angekettete Schlagzeuger der Muppets Show. Teufel wechselt zum ersten Sänger der Band und beschäftigt sich ansonsten mit derartig intensivem „Auf-und-Nieder-Hüpfen“, dass das Publikum schon vom Zusehen außer Puste kommt. Für mittelalterliche Klangmomente sorgen Castus Rabensang und Ardor vom Venushügel. Dabei ist Ardor nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ein Knüller. Glaubt man seine Kostümierung bei Corvus Corax schon als phantasievoll bezeichnen zu können, so wird man bei Tanzwut eines Besseren belehrt. Und eines noch Besseren, wenn man mit dem guten Ardor noch eine Begegnung bei der After-Show-Party hat. Schlüpfen die anderen Musiker in bequeme Klamotten, brezelt sich Ardor noch weiter auf. Zweifellos eine der spannendsten, aber auch liebenswertesten Figuren der deutschen Musikszene. Und wahrscheinlich der einzige Musiker, der auf die Idee kommen konnte, den Billy Idol-Klassiker "White Wedding" mit Dudelsack neu zu interpretieren.

Bei allen musikalischen Extremen bleibt Tanzwut aber immer sehr angenehm zu hören (am besten gleich jetzt) und gleitet nicht in solchen Lärm ab, dass der Hörer nur noch in Unglauben erstarrt. Nicht zuletzt liegt das daran, dass Castus und Ador mit ihren Dudelsäcken und Flöten immer wieder sehr harmonische Melodien über das Industrial-Fundament legen (So zum Beispiel beim Song "Schattenreiter"). Und auch weiteren Experimenten zeigen sich die Spielleute von Tanzwut immer aufgeschlossen. Mit ihrem aktuellen Song „Im tiefen Gras“ haben sie einen Stil kreiert, der sich nur mit Mittelalter-Rockabilly beschreiben lässt. Wer glaubt, dass zwei so weit voneinander entfernte Musikstile unvereinbar sind, kann sich entweder auf der aktuellen CD „Schattenreiter“ eines besseren belehren lassen oder am besten gleich live.

Teufel in Aktion (Foto: Public Address)Teufel in Aktion (Foto: Public Address)

Hier habt ihr die Gelegenheit:

04.06.2006 Leipzig/WGT
17.06.2006 Königstein/Taunus/Mittelalter rockt die Burg-Festival
02.09.2006 Klettwitz/Breaker Festival - EuroSpeedway Lausitz
10.09.2006 Halbemond/Nebelmoor-Festival


[Volker]

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Links

www.amber.de
www.corvuscorax.de
www.inextremo.de
www.schandmaul.de
www.saltatio-mortis.com
www.schelmish.de
www.tanzwut.com
www.vom-venushuegel.de

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