TV-Tipp

„Less is more - Jil Sander”

published: 08.06.2006

Jil Sander steht für puristisches Design. (Foto: NDR/Jil Sander AG)Jil Sander steht für puristisches Design. (Foto: NDR/Jil Sander AG)

Weniger ist mehr. Auf wohl keine Modemacherin trifft dieser Satz so sehr zu wie auf Jil Sander. Sowohl in ihrer Mode wie auch in ihrem Leben ist die medienscheue Designerin aus Hamburg ihrem Motto stets treu geblieben. Als scheue Ikone des Designs steht die Grande Dame der deutschen Modewelt heute da, ihr Verdienst ist es, dass Minimalismus und Understatement heute salonfähig sind. Während geschwätzige Kollegen wie Lagerfeld und Joop zu alles und jedem ihre Meinung kund tun, macht Sander um jede Kamera einen großen Bogen. Die Designerin aus der norddeutschen Hansestadt hatte sich 2000 sogar schon ganz aus der Modewelt zurückgezogen. Nach drei Jahren im Ruhestand wusste die Modemacherin offenbar wenig mit ihrer neu gewonnen Freizeit anzufangen und entschloss sich zu einem Comeback. Ihre erste Frühjahr/Sommerkollektion für Damen, die sie wie üblich detailbesessen entwarf, wurde in Mailand 2003 bejubelt. Trotz ihrem Mode-Comeback beurteilt Sander rückblickend ihre drei Jahre des vorzeitigen Ruhestandes als sehr wichtige Erfahrung. Sie habe in dieser Zeit ein Leben kennen gelernt, das sie vorher nicht kannte, sagt sie. Das Leben genießen, Freunde treffen, ohne Firmenverantwortung sein, sei vorher nicht möglich gewesen. Entsprechend hat sich auch die Mode von ihr verändert. Die Modespezialisten beurteilten die erste neue Kollektion als leicht, transparent, emotional und charmant und sahen eine neue reifere Jil Sander.
Die Kreative führt das auf ihre Auszeit zurück. Dort sei sie erwachsener geworden und sehe nicht mehr alles so streng. Dennoch habe es zur Rückkehr für sie keine Alternative gegeben. Denn die Firma, ihr Lebenswerk, schrieb rote Zahlen, das neue Sander-Design hatte mit ihrem klaren, puristischen Stil nichts mehr zu tun. Den Niedergang ihres eigenen Namens zu erleben, wäre für die perfektionistische Designerin undenkbar gewesen.

Für ihren Dokumentarfilm gelang es Nicola Graef und Istvan Bury nach über zehn Jahren, die scheue Designerin Jil Sander für eine Fernsehdokumentation wieder vor eine Kamera zu bekommen. Neben der ersten Kollektion nach ihrer Pause erzählt der Film auch den Werdegang der Hamburgerin. Dabei kommen auch alte Freunde zu Wort wie der Verpackungsdesigner Peter Schmidt. Der langjährige Freund von Sander entwarf den berühmten Jil-Sander-Schriftzug und die Flakons für ihre Parfüms. Er beschreibt die Modemacherin als besessen, faszinierend und verrückt, aber leidenschaftlich.

„Less is More – Jil Sander” 11.6., 17.45 Uhr; Arte

[Jörg]

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