Rock am Ring

Auch dieses Jahr ein tolles Festival

published: 29.05.2006

Absoluter Headliner: Metallica  (Foto: Public Address) Absoluter Headliner: Metallica (Foto: Public Address)

Seit dem Rock am Ring-Festival sind jetzt ein paar Tage ins Land gezogen, und auch die Scoolz-Redaktion ist wieder komplett abgerückt. Aus unseren Redaktionsräumen möchten wir aber nicht versäumen, ein Resümee für euch zu ziehen.

Über 100 Bands spielten dieses Jahr auf dem Festival, als Headliner waren Guns n` Roses, Metallica und Depeche Mode dabei. Anhand dieser Bands kann man auch in etwa die stilistische Verteilung festmachen: zwei Drittel Rock und ein Drittel etwas ruhigere Töne. Wobei die beinharten Acts hauptsächlich auf der Centerstage vertreten waren.

So eröffneten dort auch am Freitag die wahrlich kompromisslosen Bloodsimple. Es war ein beeindruckender Anblick, als noch vor der ersten Note über 50.000 Fans vor der Bühne standen, eine Riesenparty abzogen und sich schon mal selbst feierten. Als sich dann Sänger Tim Williams auch nur in die Nähe des Mikrophons wagte, sah er sich einem Meer aus Armen und Pommesgabeln gegenüber. Und dieses Meer entwickelte nach den ersten Riffs in eine solche Brandung, dass einem Angst und Bange werden konnte. Der Begriff „Pogo“ muss wirklich nach jedem Rock am Ring neu definiert werden.

Mit quietschbunter Gitarre: Nelly Furtado (Foto: Public Address)Mit quietschbunter Gitarre: Nelly Furtado (Foto: Public Address)

Erfreulicherweise ist aber laut Aussage des verantwortlichen Polizeidirektors Gerd Bertram während des gesamten Festivals niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Das ist auch nicht zuletzt den Bands zu verdanken, die manchesmal das Publikum an Fair-Play erinnerten. So unterbrach Deftones-Sänger Chino Moreno sogar für einige Minuten den Set, damit Fans, die auf dem Boden lagen, wieder aufstehen konnten. Ansonsten galt die Regel: Wer nicht mehr konnte, konnte sich jederzeit als Crowd-Surfer in die Arme der Security tragen lassen.

Als Special-Guest ließen sich dann Guns n` Roses ab zwei Uhr nachts feiern. Auch wenn sie brav einen zweistündigen Set ablieferten, hielt sich die Begeisterung der Fans in erkennbaren Grenzen. Zu viele neue Stücke brachte Axl mit seiner neuen Band, auch wenn die Pflichtübungen „November Rain“, Paradise City“ und „Knocking On Heaven´s Door“ abgespult wurden. Aber es waren nicht die Guns n` Roses, auf die zehntausende von Fans 13 Jahre gewartet hatten. Sollte Axl sich auch weiterhin weltweit als internationaler Superstar feiern lassen wollen, sollte er vielleicht auch mehr auf die Bedürfnisse der Fans eingehen.

Der zweite Ring-Tag schloss stilistisch nahtlos mit Trivium, Avenged Sevenfold und Bullet for my Valentine an den ersten Tag an. Unser Graphiker Martin fasste diesen Teil passend mit den Worten zusammen: "Laut, Lauter, Rock am Ring". Danach brachte die britische Glam-Rock Band The Darkness eine angenehme Abwechslung. Wurde sie aufgrund ihres deutlich ruhigeren und melodiöseren Stils von den Fans erst mit etwas Zurückhaltung angenommen, wurde die Stimmung immer besser. Sänger Justin Hawkins spielte viel mit dem Publikum und es wurde miteinander ausgelassen gefeiert. Hierzu bemerkte unser Kollege Martin wieder sehr passend: "Hey, die muss man gar nicht anschreien, die feiern ja auch so."

Heftiger Auftritt von Dir En Grey (Foto: Public Address)Heftiger Auftritt von Dir En Grey (Foto: Public Address)

Dafür fiel der folgende Act Reamonn ziemlich durch. Auch wenn die Band für ihre Verhältnisse ein recht flottes Set lieferte, war sie an dieser Stelle des Festivals zu soft. Ein Fan brachte dies drastisch zum Ausdruck, als er Sänger Reamonn mit einer Plastikflasche bewarf und sogar traf. Über die gelbliche Füllung dieser Flasche soll an dieser Stelle nicht weiter nachgedacht werden. Absoluter Hauptact des gesamten Festivals waren danach Metallica. Es lagen Spannung und Euphorie in der Luft, die bei den ersten Klängen von James Hetfield zu wahrer Fan-Exstase führten. Metallica spielten einen knochentrocknen Set, für den sie auch tief in ihre musikalische Vergangenheit griffen. Auf das unvermeidliche „Nothing Else Matters“ folgte dann ein furioses Finale. Unterstütz von einer beeindruckenden Pyro-Show schlossen Metallica mit dem Mega-Klassiker „Enter Sandman“ die Show. Schlafsand wurde so allerdings keinem der 90.000 Fans in die Augen gestreut.

Mit der Gitarre beim Ring: Martin Gore von Depeche Mode (Foto: Public Address)Mit der Gitarre beim Ring: Martin Gore von Depeche Mode (Foto: Public Address)

Der dritte Tag war dann eher ein Chill-Out-Tag ohne Heavy-Metal. Die Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand brachten jeweils ein sehr durchdachtes und gut gebrachtes Brit-Rock-Set. Die Sportfreunde Stiller kamen sehr gut an. Als einzige Band hatten sie sich auf der Centerstage eine eigen kleine Bühne aufbauen lassen, so dass die drei Freunde nicht so verloren auf der 60-Meter-Bühne wirkten, wie viele Bands vorher. Um 22.20 Uhr kamen dann pünktlich die Synthipopper Depeche Mode auf die Bühne. Die Band erlebte an diesem Abend ihre Live-Taufe auf MTV, und vor allem Gitarrist Martin L. Gore war sichtlich nervös. Depeche Mode, die vor dem Zwillingsfestival Rock am Ring/Rock im Park noch nie auf einem Festival spielten, lieferten eine routinierte Show. Einige Spielchen zwischen Frontman Dave Gahan und dem Publikum funktionierten ganz gut, aber das Publikum überschlug sich auch nicht vor Begeisterung. Sehr positiv wurde die erste Zugabe „Judas“ aufgenommen, bei der sich Gore alleine mit seiner Gitarre auf die Bühne traute. Getreu dem Motto „Es ist nicht schön, aber mal was anderes“ wurde er begeistert gefeiert. Der Klassiker „Never Let Me Down Again“ beendete dann den diesjährigen Rock am Ring auf der Centerstage.

Für uns als Redaktion war es ein tolles Festival mit vielen positiven Eindrücken. Trotz aller Härte waren die Fans nie aggressiv, sondern haben eine gigantische Party gefeiert. Die Organisation klappte so reibungslos wie es bei einem solchen Großevent nur möglich ist. Die Anzahl der Dixi-Klos allerdings sollte auch nächstes Jahr weiterhin erhöht werden, aber diese Feststellung gehört zum Rock am Ring wohl seit Bestehen des Festivals.

[Nico]

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