CD-Tipp

P!nk mit "I'm Not Dead"

published: 18.04.2006

P!nk - "I′m Not Dead" (Foto: Sony BMG) P!nk - "I′m Not Dead" (Foto: Sony BMG)

Wer hat eigentlich geglaubt, dass die provokante Pop/Rock-Göhre tot sei? Es gab Schlagzeilen über freche Äußerungen oder flegelhaftes Verhalten der streitbaren 26-Jährigen, aber von Verschwinden war noch nie die Rede. Umso stärker wirkt ihr Albumtitel "I'm Not Dead" wie eine Hilfeschrei aus der Versenkung, der die Hälse ihrer Kritiker drei Jahre nach "Try This" mit neuem Material zu füttern versteht.

Die Message ihrer Musik steht deshalb auch unter dem Titel: Hört mich an - Totgeglaubte leben länger als man will! Auch wenn P!nk die meisten Texte vom Produzenten Billy Mann (Celine Dion, Ricky Martin) auf den Leib geschneidert wurden, kann man nicht sagen, dass sie diese Nachricht unglaubwürdig verbreitet. Ihr Album ist eine überzeugende Mischung aus qualitativ gutem Pop mit ein paar E-Gitarren und mindestens drei Highlights.

Der Opener "Stupid Girls", der auch die vorangegangene Single war, besticht als Persiflage auf alle Paris Hiltons der Prominentenwelt. Das zweite Highlight ist der Song "Dear Mr. President", den Alecia Beth Moore - so heißt P!nk bürgerlich - mit den Indigo Girls aufgenommen hat. Er überrascht mit Zeilen, die während einer fiktiven Zweisamkeit von George W. Bush und P!nk bei einem Spaziergang gesprochen werden, wie "How do you sleep while the rest of us cry" (Wie kannst du schlafen, während der Rest von uns weint?) und "What kind of father would take his own daughter's rights away? / And what kind of father might hate his own daughter if she were gay?" (Was für ein Vater würde die Rechte seiner eigenen Töchter wegnehmen und was für ein Vater würde seine Tochter hassen, wenn sie homosexuell wäre?). Der Text fällt durch die reine Akustikgitarren-Begleitung besonders ins Gewicht. Die massive Kritik am amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten ist keineswegs für die Massentauglichkeit geschrieben.

Das dritte Highlight ist der Hidden-Track mit dem Titel "I Have Seen The Rain". Hierbei wird die rotzige Pink richtig schön ruhig und persönlich. Der Song existiert bereits, seitdem P!nk noch Kinderschuhe trug, jedoch wurde er bisher nur von ihr und ihrem Vater James T. Moore auf verschiedenen Kriegsveteranentreffen gespielt. Nun hat sie ihn als Bonbon für dieses Album eingespielt. Er berührt durch die warme Atmosphäre.

Wer da so laut vom Cover zu brüllen scheint, hat sogar noch mehr von der ruhigen Seite zu bieten. Mit "Nobody Knows" präsentiert sich die Grammy-Preisträgerin von ihrer emotionsgeladenen Seite und haucht mit rauchiger Stimme "Nobody knows that I sometimes cry", unterlegt von Pianoklängen.

"Leave Me Alone (I'm Lonely)" klingt wie ein erfolgreicher Hit der Spice Girls. Ob da ein wenig geklaut wurde? Vielleicht birgt der Song ja das selbe Hitpotential. Super ist auf jeden Fall "The One That Got Away" – eine toll gesungene Ballade, die nur von der Gitarre begleitet wird.

P!nk sollte sich von ihrem ihr vorauseilenden Image befreien und ihre Qualitäten mit solchen Stücken in den Vordergrund rücken. Vielleicht beweist sie dann mit dem nächsten Album "Quality is not dead"!

[Alexandra Lauck]

Amazon

Links

www.pink-music.de

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung