Giovanni im Interview

"Ziemlich dicke Luft"

published: 24.07.2006

Wird er sich solo behaupten können? - Giovanni Zarrella  (Foto: Public Address) Wird er sich solo behaupten können? - Giovanni Zarrella (Foto: Public Address)

Der Ex-Bro`Sis-Sänger Giovanni Zarrella hat gerade seine erste Solo-Single "Ticket To The Moon" veröffentlicht. Das Album "Coming Up" folgt bereits am 4. August.
Mit Scoolz sprach Giovanni im Interview über Musik, Liebe und darüber, wie es um die Zukunft von Bro`Sis bestellt ist.

• Haben Bro´Sis sich getrennt?
Giovanni Zarrella: "Bro`Sis haben letztes Jahr im August ihren letzten Auftritt gehabt und sich erst einmal entschlossen, getrennte Wege zu gehen oder jeder einmal ein bisschen für sich alleine zu machen. Es war am Ende auch ziemlich dicke Luft. Ich glaube, es war gut für uns alle, dass wir uns dazu entschieden haben, erst mal nicht mehr gemeinsam weiterzumachen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es wieder weitergehen könnte, aber mittlerweile... Ich bin wirklich so zufrieden mit meinem Leben gerade. Ich habe eine Frau, die ich über alles liebe, ich habe eine tolle Familie - die hatte ich vorher auch schon übrigens - und in meinem Job läuft alles gut. Ich habe einen guten Moderationsjob beim DSF, der macht mir Spaß. Zum ersten Mal habe ich jetzt endlich die Möglichkeit, mich draußen solo zu präsentieren. Ich vermisse es gerade nicht. Es war eine unglaublich schöne Zeit, die Musik, die wir damals gemacht haben, hat wirklich super zu der Zeit gepasst. Das ist aber nicht die Musik, die ich als Produzent mit Bro´Sis gemacht hätte. Ich bin schon recht glücklich mit der Musik, die ich jetzt mache."

• Bist Du der Erste der Band, der solo zu hören ist?
"Der Faiz hat es auch schon mal solo probiert, aber die Single lief damals nicht so gut. Man weiß ja nie, warum es nicht läuft. Wenn man das wüsste, wären wir ja alle Plattenchefs. Deswegen bin ich der Zweite sozusagen, der es probiert, aber ich bin der Erste, der es richtig probiert, mit allem, was dazu gehört.

• Bei Beginn der Single sagst Du etwas über die ´Good Old Nineties`, was war so toll an denen?
"In den Neunzigern war einfach alles unkompliziert. Ich hatte ein Alter, in dem ich noch auf der Schule rumgehangen bin, mittags um zu Hause war, die Mama hat mir einen Teller Nudeln auf den Tisch gestellt und ich hab ein Dach über dem Kopf gehabt, für das ich nicht bezahlen musste. Ich hatte gar keine Sorgen, da war alles unkompliziert. Alles, woran ich denken musste, war Hausaufgaben zu machen und abends um Sieben zum Fußballtraining zu gehen. Und der Rest war Freizeit. Wenn du älter wirst, merkst du schon, wie Tag für Tag die Verantwortung wächst. Erst kam die Phase, wo ich eine Ausbildung gemacht habe. Dann bin ich ins Arbeitsleben eingestiegen, da habe ich schon gemerkt, dass ich, wenn ich jetzt ausziehe, meine Miete selber bezahlen muss oder den Eltern zumindest ein bisschen etwas geben, als Entschädigung. Die Lebensversicherung etc. muss ich jetzt alles selber bezahlen, wenn ich ein Handy habe und das kostet mich was, das muss ich zahlen. Die Verantwortung wächst, Tag für Tag. Und jetzt habe ich vor einem Jahr geheiratet und trage auch mit Verantwortung für meine Frau. Wenn sie nächstes Jahr schwanger werden sollte, was wir auch fest planen, da trage ich die Verantwortung, dass ich eine Familie durchbringen muss, weil meine Frau da nicht arbeiten können wird. Das heißt, einen kleinen Hund Thysson, meine Frau und unser Baby dann. In den Neunzigern war alles noch so easy. Manchmal würde ich mir wünschen, wenigstens ein, zwei Wochen noch mal 15 zu sein. Doch, das war schon alles easy."

Giovanni Zarrella (Foto: Public Address)Giovanni Zarrella (Foto: Public Address)

• Ist es das, wovon der Song "Ticket To The Moon" handelt?
"Ja, so ein bisschen. Ein bisschen Revue passieren lassen, was passiert ist. Wir hatten mit Bro´Sis ja auch ein ´Ticket To The Moon`, sage ich mal, was auch leider oft kritisiert wurde. Eine Passage in dem Song ist: ´Fly To A Troubled Sky`. Wir sind wirklich geflogen mit der Band. Das ging am Anfang unglaublich schnell. Wir haben alles abgeräumt, was man abräumen kann. Wir haben Hallen gefüllt und es war ein Flug. Aber es war ein sehr bewölkter Flug durch einen sehr bewölkten Himmel, weil ständig Kritik kam. Von anderen Bands, die sich auf einen normalen Weg begeben haben, oder auch von Medien, die uns daran gemessen haben, dass wir ein Casting-Act sind. Da musst du dir Sachen anhören wie: ´Ihr habt diesen Preis nicht verdient`. Das waren Sachen, die mich gekränkt haben, die mich auch depressiv gemacht haben. Ich habe dann auch mal zum Alkohol gegriffen oder Sachen ausprobiert, die ich jetzt nicht mehr machen würde, einfach weil man sich ungerecht behandelt fühlt und nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Das war schon eine harte Zeit für mich. Als dann die ganze Kritik kam, das erste halbe, dreiviertel Jahr, hatte ich schon hart damit zu kämpfen."

• Wenn Du sagst, dass Du depressiv warst, meinst Du dann im klinischen Sinne?

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