Hape Kerkeling - "Ich bin dann mal weg" (Foto: Roof Music)Glänzt in der Rolle des ehemaligen Preisboxer Red Pollard -Tobey Maguire (Foto: Public Address)Wird er sich solo behaupten können? - Giovanni Zarrella  (Foto: Public Address)Hui Buh (Bully Herbig) und König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst).  (Foto: Constantin Film)Ihre Kleider entwirft eine junge, südafrikanische TV-Moderatorin und Schauspielerin - Simphiwe Dana (Foto: Public Address)Liv Kristine - "Enter My Religion" (Foto: Roadrunner Records)Collective Soul - "From The Ground Up"  (Foto: rough trade)

MIA.

Dieses "Ü" muss man "mügen"!

published: 25.07.2006

Die Berlinerin Mieze ist Stimme und Gesicht von MIA (Foto: Public Address) Die Berlinerin Mieze ist Stimme und Gesicht von MIA (Foto: Public Address)

Jemand zieht eine Spieluhr auf, leise erklingen die ersten Töne, die Uhr setzt sich vor dem inneren Auge langsam in Bewegung. Vielleicht ist es ja eine, die aussieht wie ein Karussell. Eine mit verschnörkelten Borten, ineinander geschlungenen Stangen und tänzelnden Pferden, die stolz Schweif und Kinn heben.... Passen würde es zumindest, denn - Tataaa - so beginnt MIA.s aktuelles Album "Zirkus".

Ein Jahr vor dem zehnjährigen Jubiläum der Band kommt die sonst doch eher hektische Sängerin Mieze mit einer Scheibe daher, die tatsächlich so etwas wie Reife und Versiertheit zeigt. Relaxt, ruhig und bisweilen etwas dramatisch erzählt sich die Berlinerin durch das Album und unterlässt es weitestgehend, den Hörer mit schrillen, stechenden Stimmlagen in Panik zu versetzen. Im Gegenteil: Fast schlüpft sie in die Rolle einer einfühlsamen Erzählerin, die es je nach Geschichte schafft, ihrer Intonation den passenden Beigeschmack zu verleihen. Schön macht sie das, und so bewahrheitet sich Miezes Idee vom schönen Augenblick des ersten Songs "Uhlala" und steht für das gesamte Album.

Das schon bekannte "Tanz der Moleküle" reiht sich schlüssig in seine Umgebung ein und erklärt sich mithilfe des kompletten Albums wesentlich leichter als die allein stehende Singleauskopplung. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man sich nicht - wie bei dem aktuellen Videoclip - stärker auf Miezes gewöhnungsbedürftige Klamotte als auf ihre Musik konzentriert. Poppig, bunt und abwechslungsreich präsentieren sich die Songs und widmen sich, um es mit MIA.s Worten zu sagen: "Menschen, Liebe, Sensationen".

Besonders der Titelsong "Zirkus" eröffnet ein phantasievolles Stück Leben, in dem Mieze die Hauptrolle spielt. Mal auf dem Trapez, mal als Harlekin nimmt sie eine Scheinwelt aufs Korn und springt gekonnt zwischen unterschiedlichen Sing- und Erzählweisen hin und her, wodurch sie den Perspektivwechsel zwischen einzelnen Figuren vollzieht.

MIA. - MIA. - "Zirkus" (Foto: Sony BMG)

Die ungewöhnlich üppige Instrumentierung des Albums reicht vom einfachen Glockenspiel über Vibraphon, Horn, Trompete bis hin zum Becken. Durch passenden Gebrauch gelingt es MIA., jeden Song seinem Charakter entsprechend zu inszenieren. So begibt sich "Floss" mit seinen Bläsern, Halleffekten und der reduzierten Melodie schon fast in theatralische Sphären, während "Je dis aime Ich sag Liebe" durch ein von Mieze gespieltes Akkordeon eher chansonmäßig wirkt.

Neben diesen bunt durcheinander gewürfelten Klängen und Stilen stehen "Engel" und "S.O.S." für die etwas härtere, fast schon rockige Variante in MIA.s Repertoire. Gitarreneinlagen, durchaus kritische Texte und rotzige, trotzige Töne der Sängerin könnten eher von einer mürrischen Garagenband stammen als von der durch Molekülbällchen hüpfenden Mieze.

"Dann war das wohl Liebe" ist das wohl lässigste Stück der Scheibe - eine flapsige Gitarre unterstützt die resignierte, fast androgyne Stimmlage, mit der Mieze vorerst achselzuckend das scheinbare Ende einer Beziehung besingt. Endlos lang gezogene Worte erinnern an eine auf dem Klavier liegende Marlene zurück und bewirken erstaunlicherweise auch bei Mietze so etwas wie erwachsenes Sexappeal.

Bis hin zum gelungenen hidden Track, in dem sich die Band mit Akustikgitarre und Blasmusik auf dem Kamm verabschiedet, ist MIA. ein stimmiges, leichtes Sommeralbum gelungen. Zu empfehlen sowohl auf dem Rücken liegend, die Wolken beobachtend als auch in Gesellschaft. Durch Miezes besondere Art, Sprache zu betonen, nutzen sich die Songs nicht ab. Und: Niemand singt ein "Ü" so charmant wie sie, man achte auf das nette "amüüüsiert" aus "Dann war das wohl Liebe". Punktum, dieses "Ü" muss man "mügen"!

[Franzisca]

Amazon

Das könnte dich auch interessieren:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung