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„Nackt ist die Kunst“

published: 30.08.2006

"Die Geburt der Venus" hat Sandro Botticelli 1486 gemalt.  (Foto: SWR/Disse) "Die Geburt der Venus" hat Sandro Botticelli 1486 gemalt. (Foto: SWR/Disse)

In der Kunst ist Nacktheit seit jeher kein Tabu. Auch in Zeiten, in denen der Moralkodex deutlich strenger war, als das heute der Fall ist, war die Darstellung des unbekleideten menschlichen Körpers keine Seltenheit. Zur Not wurde über allzu deutliche Details eben ein Feigenblatt gemalt, auch wenn der Künstler schon längst verstorben war. Das war bei Hieronymus Boschs legendärem "Garten der Lüste", um 1500 entstanden, nicht der Fall. Das Bild, das eigentlich als christliche Darstellung der ewigen Verdammnis gilt, soll auch auf geheime Lehren und sexuelle Praktiken hinweisen. Dafür finden sich in dem dreiteiligen Kunstwerk, einem so genannten Triptychon, einige Indizien. Außerdem wird die Ikone aller Orient-Bilder, das "Türkische Bad" des Franzosen Ingres, vorgestellt. Zudem ein frühes Zeugnis der Medien-Kunst: "Heuschrecken" - eine acht Meter breite Raum-Installation des deutschen Happening-Pioniers Wolf Vostell. Sie besteht aus 20 Monitoren und macht den Zuschauer selbst zum Teil des Kunstwerks. Vostells Werk bringt die Darstellung lesbischer Liebe mit dem Prager Aufstand von 1968 in Verbindung.

An seiner Skulptur "David" arbeitete Michelangelo knapp drei Jahre. (Foto: SWR/Disse)An seiner Skulptur "David" arbeitete Michelangelo knapp drei Jahre. (Foto: SWR/Disse)

Die vierteilige Dokumentation "Nackt ist die Kunst" von Rudij Bergmann zeigt, dass die Geschichte der Menschheit immer auch die Geschichte ihrer Nacktheit ist. Von der Renaissance bis in die Gegenwart werden skandalträchtige oder ungewöhnliche Bilder rund um das Thema vorgestellt. Dabei geht es nicht um eine reine Fleischbeschauung, sondern um den Hintergrund der Künstler und die Entstehung ihrer Werke.

In der nächsten Folge, die ein Woche später zur gleichen Zeit läuft, wird Botticellis berühmtes Gemälde "Die Geburt der Venus" aus dem Jahr 1485 vorgestellt. Das Werk des Italieners gilt als erste Darstellung der reinen Nackten - vorher war Nacktheit in der Malerei gleichbedeutend mit Sünde und Verderbtheit. Die weiteren Folgen laufen unter dem Motto "Die Enthüllung" und "Die Unschuld". Interpretiert werden Werke von Künstlern wie Goya, Magritte, Picasso und Yves Klein, Eugène Delacroix sowie Gustave Courbet.

„Nackt ist die Kunst” 02.09., 20.15 Uhr; Arte

[Jörg]

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