TV-Tipp

„Neger, Neger, Schornsteinfeger"

published: 28.09.2006

Bertha Baetz (Veronica Ferres) kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Hans-Jürgen (Luka Kumi).  (Foto: ZDF/Maria Krumwiede) Bertha Baetz (Veronica Ferres) kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Hans-Jürgen (Luka Kumi). (Foto: ZDF/Maria Krumwiede)

Mit der bewegenden ZDF-Produktion „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ verfilmt der Sender die gleichnamige Autobiografie von Hans-Jürgen Massaquoi. Der Film erzählt die Geschichte eines dunkelhäutigen Jungen – sein Vater ist Liberianer die Mutter Deutsche - der während des Nazi-Regimes in Deutschland aufwächst. Trotz zahlreicher rassistischer Anfeindungen und lebensbedrohlicher Situationen überlebte Massaquoi das Dritte Reich.

Für die Rolle der Mutter wurde Veronica Ferres ausgesucht, die die ZDF-Redaktion die ideale Besetzung nannte. Auch Hans-Jürgen Massaquoi selbst zeigte sich begeistert von Ferres' Darstellung und sagte, sie spiele die Rolle seiner Mutter authentisch und sensibel. Ferres ist aber nicht die Einzige, die durch hervorragende schauspielerische Leistung brilliert.

Um Hans-Jürgen Massaquoi in verschiedenen Altersstufen darzustellen, wurde das Trio der Jungschauspieler Luka Kumi, Steve-Marvin Dwumah und Thando Walbaum engagiert. Mit hohem Einfühlungsvermögen verkörpern sie den tapferen und gutgläubigen Jungen, dem im Laufe der Zeit eine zunehmende Anzahl an rassistischen Anfeindungen und Drohungen begegnen. Besonders frappierend ist der Wunsch des Jungen, wie alle anderen zu sein und somit auch zu den Nazis zu gehören. Die menschenverachtende Ideologie des NS-Regimes nimmt Massaquoi erst als junger Erwachsener wahr. In dieser Hinsicht veranschaulicht der Film, wie unterschwellig Hitler seine Propaganda den Menschen eingeflößt hat. Viele andere Charaktere stellen ebenfalls naive Mitläufer dar, die es nicht schaffen, die eigentlichen Ziele der Nazis zu entlarven.

Und dennoch hat Massaquoi alle Gefahren des dritten Reichs überlebt. Es gab immer wieder Menschen, die dem aufgeweckten, intelligenten Jungen zur Seite standen: seine Freunde, sein Kindermädchen (Petra Kelling), die Lehrerin (Sabine Wolf), der Boxtrainer (Tim Wilde). Nicht zuletzt rettet ihm der Blockwart der Nachbarschaft (Jürgen Tarrach) das Leben. Allen voran kämpft aber seine Mutter mit geballter Kraft für das Wohl ihres Kindes. Sie verlässt ihren Lebensgefährten (Götz Schubert), weil ihm als NSDAP-Mitglied der Kontakt zu dem dunkelhäutigen Jungen peinlich ist. Mit den authentischen Kulissen und den überzeugenden Schauspielern gelingt es dem Regisseur Jörg Grünler, die Alltagswelt der einfachen Leute im dritten Reich zu illustrieren. Schließlich vergisst die Filmbiografie nicht den Optimismus und die Anekdoten darzustellen, die Massaquoi durch die harte Zeit begleiten.

Wegen seiner Hautfarbe soll Hans-Jürgen (Steve-Marvin Dwumah) nicht in die Hitlerjugend aufgenommen werden. (Foto: ZDF/Maria Krumwiede)Wegen seiner Hautfarbe soll Hans-Jürgen (Steve-Marvin Dwumah) nicht in die Hitlerjugend aufgenommen werden. (Foto: ZDF/Maria Krumwiede)

Mit der TV-Produktion „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ setzt das ZDF ein Zeichen gegen Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Am Drehort in Wittenberge erlebten zwei der drei dunkelhäutigen Darsteller rassistische Äußerungen und Handgreiflichkeiten von ansässigen Jugendlichen sowie Erwachsenen. Diese Erfahrungen beweisen, dass die Themen des Films nicht der Vergangenheit angehören, sondern noch immer präsent sind. Der Regisseur Grünler erhofft sich, dass sein rührender Film die Zuschauer nicht nur mitreißt, sondern sie auch zu gemeinsamer Zivilcourage bewegt. Wie Veronica Ferres es ausdrückt, versucht der Zweiteiler, auf der emotionalen Ebene still und leise aufzuklären. Es bleibt nur noch zu hoffen, dass die grandiose Produktion ihre Ziele erreichen wird und für mehr Menschlichkeit unter den Mitbürgern sorgt.

„Neger, Neger, Schornsteinfeger“
Teil 1: Sonntag, 1.10.2006, 20.15, ZDF
Teil 2: Montag, 2.10.2006, 20.15, ZDF

[Judith]

Links

www.zdf.de

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung