Teriyaki Boyz - "Beef Or Chicken" (Foto: Universal)Bertha Baetz (Veronica Ferres) kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Hans-Jürgen (Luka Kumi).  (Foto: ZDF/Maria Krumwiede)Veronica Ferres glänzt als tapfere Mutter (Foto: Public Address)DJ Shadow - „The Outsider“  (Universal)Fergie - "The Dutchess"  (Foto: Universal)Elton John - "The Captain And The Kid" (Foto: Mercury)Der Sänger Herbert Grönemeyer gab am Donnerstag in Berlin seine Stadion-Tour 2007 bekannt  (Foto: Public Address)

Reeperbahn-Festival

"Musik ohne Schubladen"

published: 01.10.2006

Ließ sich als Wahl-Hamburger einen Auftritt beim Reeperbahn-Festival nicht nehmen - Sasha (Foto: Public Address) Ließ sich als Wahl-Hamburger einen Auftritt beim Reeperbahn-Festival nicht nehmen - Sasha (Foto: Public Address)

Als Tomte-Chef Thees Uhlmann vor einigen Tausend Zuschauern das erste Hamburger Reeperbahn-Festival mit den Worten „Da vorne habe ich gewohnt“ eröffnete, war alles klar: Das hier ist eine sehr persönliche Veranstaltung. Die Köpfe der Menge drehten sich weg von der Bühne auf dem Spielbudenplatz und folgten dem Arm von Uhlmann, der auf das Gebäude einer Jeans-Kette und in den spätsommerlichen Sonnenuntergang des 22. Septembers zeigte. Kurze Zeit später sang die Band von „Buchstaben über der Stadt“, lächelnde Musikfans weit und breit. Der Eindruck von persönlicher Atmosphäre blieb dann auch über das gesamte Drei-Tages-Festival bestehen. Zum einen weil viele Topacts wie Tocotronic, Blumfeld, Deichkind oder Die Sterne aus der Hansestadt kommen, aber auch weil die lauschige Clubatmosphäre der einzelnen Konzertsäle schnell Stimmung herstellen. Das Konzept, vom 21. - 23. September über 200 Bands in den dicht beisammen liegenden Clubs rund um das Amüsierviertel am Hafen auftreten zu lassen, ist aufgegangen. Das „Festival ohne Schubladen, wo man auch mal was anderes hört“, wie Mitorganisator Alexander Schmidt sagt, kam gut an. Dazu trugen neben der Reeperbahn-Atmosphäre natürlich auch die Musiker bei, die teilweise spezielle Auftritt vorbereitet hatten. Sasha etwa trat ohne große elektronische Unterstützung im ehrwürdigen Saal von Schmidts Tivoli auf und spielte vor sitzendem Publikum Unplugged-Versionen seiner Hits. Während zur gleichen Zeit die Schwedenrocker von Sugarplum Fairy den Kellerclub Molotov zerlegten, genoss Kultursenatorin Dr. Karin v. Welck den Jazz-Funk von Nils Landgren im Operettenhaus.

Auch der nächste Tag stand ganz unter dem Motto „Vielfalt“. Im Grünspan feuerten die britischen Rifles bei ihrem Hamburg-Debüt eine rockige Gitarrensalve nach der anderen ab, während die Deutsch-Newcomer von Fotos im Mandarin Casino mit deutschen Texten überzeugten. Kurz danach sorgten Tocotronic mit ihrem rappelvollen Konzert vor heimischem Publikum für einen der Höhepunkte des Festivals. Dicht gedrängt standen die Leute nicht nur vor der Bühne sondern auch dahinter. Dort baten die Rifles reihenweise junge Mädchen in den Backstagebereich. An der Stimmung auf der Bühne änderte das nichts. Seit Rick McPhail fester Bestandteil der Tocos ist, hat die Band live spürbar dazu gewonnen. Das Quartett überzeugte das Publikum auf ganzer Linie und konnte es sich sogar leisten, auf Hits wie „Let There Be Rock“ zu verzichten.

Neue Helden aus dem britischen Königreich gabs am Samstag zu hören und zu sehen: The Bishops rockten in der winzigen Prinzenbar und der schottische Singer-Songwriter Paolo Nutini bestätigte die Unkenrufe der britischen Musikpresse, die besagen, dass sich demnächst wohl jeder fragen wird, wer zum Teufel noch mal James Blunt war.

Bald bestimmt kein Geheimtipp mehr - Paolo Nutini. (Foto: Public Address)Bald bestimmt kein Geheimtipp mehr - Paolo Nutini. (Foto: Public Address)

Dass die Veranstaltung nicht nur mit etlichen Indie-Bands überzeugen konnte, sondern auch Platz für Neuentdeckungen bot, zeigte die bezaubernde Sängerin Eliana Cuevas aus Venezuela. Die Musikerin, die in Toronto lebt, spielte ihr leider viel zu wenig besuchtes Konzert im Schmidts Tivoli zu später Stunde und trat nicht nur das erste Mal in Deutschland auf, sondern absolvierte ihren ersten Europabesuch überhaupt. Mit dem zarten Jazz von Norah Jones in der Stimme und dem südamerikanischen Temperament von Gloria Estefan im Blut, könnte hier mal etwas Großes entstehen. Gerade solche Entdeckungen sind es, die das Reeperbahn Festival von anderen unterscheiden.

„Es braucht eben immer zwei Männer und eine Bar“, verriet Thees Uhlmann bei der Eröffnung noch über die Entstehung des Festivals. Und weil sich so mancher bei der Vielfalt des Angebots über die ein oder andere verpasste Band ärgern wird, gibt es beim nächsten Reeperbahn Festival genügend Gründe zum Wiederkommen.

[Jörg]

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung