Virginia Jetzt!

Keine rosarote Brille mehr

published: 21.12.2006

Setzen nicht auf Trends, sondern auf eigenen Stil - Virginia Jetzt!  (Foto: Public Address) Setzen nicht auf Trends, sondern auf eigenen Stil - Virginia Jetzt! (Foto: Public Address)

Wenn am 19. Januar 2007 das neue Album „Land unter“ von Virginia Jetzt! erscheint, erwartet die Fans eine Überraschung. „Wir möchten uns in der Musik nicht wiederholen. Bei den Songs haben wir den positiven Ausblick, das Hoffnungsmoment, bewusst weggelassen, um den Schmerz nicht zu relativieren“, erklärt Songschreiber Thomas Dörschel die eigentümliche Wandlung der Band hin zu düsteren, pessimistischen Stücken.



Durch die Texte zieht sich im Gegensatz zu der rosarot gefärbten Attitüde vorheriger Alben ein melancholischer Faden. Und auch was klanglich recht schwungvoll powerpoppig mit „Weit weg“ oder „Bitte bleib nicht, wenn Du gehst“ beginnt, wird spätestens ab dem Titeltrack „Land unter“ zu einer Scheibe, die das Herz ein wenig schwerer macht.

Die vier Jungs sitzen im Hinterzimmer einer Konzertlocation und plaudern über ihr neues Album, ihre gerade gespielte Tour durch Deutschlands abgelegenste Jugendzentren und die Frage, ob die Wiedervereinigung ihnen als Brandenburgern Bezugspunkte der Jugend genommen hat oder nicht. Mit der Zeit wird immer offensichtlicher: VJ! ist ein als Quartett ge-tarntes Trio – zumindest was ihre außermusikalischen Aktivi-täten angeht. Drummer Angelo Gräbs sitzt dabei und schweigt, schaut, schweigt. Schweigt hauptsächlich, eigentlich durchgängig. Eigentlich...

Vor kurzem machte sich VJ! auf, um die Jugendzentren der
Metropolen Worpswede, Schmalkalden oder Nünchritz mit ihren neuen Songs zu beglücken. „Da kamen ganz unterschiedliche Leute bis hin zu Korn-T-Shirt-Trägern. Das macht die Sache so spannend: Zu sehen, ob man es trotzdem schafft, die Leute zu kriegen“, beschreibt Sänger Nino Skrotzki die Motivation der Band. „Immer klappt es nicht, aber wenn, ist es viel befriedigender als bei einem normalen Konzert.“ Bassist Mathias Hielscher fügt hinzu: „Es waren die kleinen Momente, die nicht abschätzbar waren, die es so besonders gemacht haben.“ Angelo bleibt still...

Als sich das Gespräch langsam dem Ende zuneigt, hat ihn immer noch nichts dazu bewegen können, sein Schweigen zu brechen. Vielleicht gehört das zum Drummer-Dasein dazu, denke ich mir gerade, und stelle nichts ahnend die zündenden Fra-gen: "Habt ihr die Popstars-Staffel verfolgt? Gefallen Euch die Mädels?"

Angelo richtet sich auf, holt tief Luft und spricht (!): „Ich bin zufrieden mit der Band!“ Das wars. Ein einziger kleiner Satz, der mehr verrät als ein ganzes Interview. Die Illusion des etwas kauzigen, wortkargen aber coolen Drummers zerplatzt, übrig bleibt schnöde Realität. Wie passend äußert sich da Nino in der anschließenden Diskussion um Menschenwürde und Musik- und Unterhaltungswert einer Castingshow: „Jeder Mensch, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, lässt über sich richten. Das ist doch bei uns genauso.“ Nun denn, wer richten möchte, soll es tun…

[Franzisca]

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www.virginiajetzt.de

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