Max von Thun im Interview

Schlangen-Fan mit Harley Davidson

published: 31.05.2007

Charmanter Gesprächspartner - Max von Thun (Foto: Public Address) Charmanter Gesprächspartner - Max von Thun (Foto: Public Address)

Mit 30 Jahren ist Max von Thun, Sohn des Schauspielers Friedrich von Thun, im Fernsehen längst so erfolgreich, dass er sich ansonsten entspannt zurücklehnen könnte. Stattdessen bringt der Tausendsassa am 1. Juni seine erste Musik-CD heraus – von ihm allein getextet, komponiert und produziert. Der charmante Schlacks, der nach einer Karriere als MTV-Moderator jetzt regelmäßig in öffentlich-rechtlichen Produktionen, wie dem Dreiteiler „Die Flucht“ zu sehen ist, hat sein Debüt selbstbewusst „Greatest Hits Vol. 1“ genannt. Dumm nur, dass eine Single-Auskopplung – üblicherweise die Voraussetzung für einen Chartbreaker – seitens der Plattenfirma nicht gewünscht ist. Somit gibt es auch kein Video – vorerst. Denn Max von Thun wäre nicht der, der er ist, wenn er das auf sich beruhen ließe…

* Gibt es eine Textzeile von deinem Album, die dir besonders am Herzen liegt?
„Im Hidden Track gibt es die Zeile ‚Ich weiß nicht wie ich es machen soll, es ist auch scheißegal. Ich weiß nur, dass ich leben will, denn alles andere ist egal.’“

* Trifft das auch deine Lebenseinstellung?
„Es trifft insofern, dass ich nicht alles hundertprozentig durchkalkuliere. Einfach mal machen und schauen, was passiert. Ich befinde mich in einer sehr privilegierten Situation, in der ich mich austoben darf. Ich habe das große Glück, dass ich als Schauspieler mittlerweile erfolgreich genug bin, um ein finanzielles Polster zu haben und um mir zwischen den Dreharbeiten die Zeit zu gestalten, wie ich will: mit Musik und mit Motorrad fahren.“

* Was hast du für eine Maschine?
„Das ist eine Dyna Super Glide, eine mittlerweile sehr umgebaute Harley Davidson. Eine rote mit einer 77 auf dem Tank.“

* Mit dieser Zahl hast du es ein bisschen, nicht wahr?
„Ja, ich habe auf allen meinen Fahrzeugen, auf allen meinen Autos immer eine 77-Rennnummer drauf gehabt. Ich bin 1977 geboren. Charlie Chaplin, Bruce Lee, Elvis Presley und Marc Bolan sind alle 77 gestorben. Es ist das Jahr der Schlange im chinesischen Kalender und ich bin Schlangen-Fan. Die Sieben ist eine Glückszahl in vielen Kulturen - und ich hab gleich zwei davon.“

* Manchmal wird man bei deinen Songs ein bisschen an den frühen Marius Müller-Westernhagen erinnert. Hast du damals seine Musik gehört?
„Ich bin kein großer Westernhagen-Fan. Die einzigen beiden Platten, die ich von Westernhagen mag, sind ‚Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz’ und ‚Sekt und Selters’. Die ganz alten Sachen von ihm haben eine wahnsinnige Energie und sind super instrumentiert. Das ist einfach guter deutscher Rythm&Blues, Funk oder Soul.“

Friedrich von Thun ist der Vater von Max und gehört zu den beliebtesten deutschsprachigen Schauspielern. (Foto: Public Address)Friedrich von Thun ist der Vater von Max und gehört zu den beliebtesten deutschsprachigen Schauspielern. (Foto: Public Address)

* Wenn du singst, sei es auf der Bühne oder im Studio, fühlst du dich da manchmal wie ein Schauspieler, der einen Sänger spielt?
„Nein, ich kann das sehr gut trennen. Ich mache Musik, die mir etwas bedeutet und die ist dadurch authentisch und persönlich, ohne ein Seelen-Striptease für sich zu sein.

* Der Titel deines Albums lautet „Greatest Hits Vol.1“. Bist du generell so ein selbstbewusster Typ?
„Also, ja ich glaube schon, dass ich ein gewisses Selbstbewusstsein habe, das auch gerne mal als Arroganz ausgelegt wird, aber das ist nicht ein Problem, das ich für mich habe, das haben dann andere Leute, die mich arrogant finden. Dieser Titel ist mit einem Augenzwinkern zu sehen, das ist nicht absolute Überheblichkeit. Es ist in meinem kleinen Rahmen insofern zutreffend, weil es die bisher besten Lieder sind, die ich geschrieben habe. Das rechtfertigt für mich persönlich den Titel und ich finde ihn originell.“

* Das Lied „Ich und du“ handelt von etwas oder jemandem, von dem du nicht genug bekommst. Gibt es zurzeit eine Frau, von der du nie genug kriegst?

„Nein, im Moment kriege ich von Frauen allgemein nicht genug, es gibt keine bestimmte. Aber es gibt immer wieder Frauen, von denen ich nicht genug kriegen kann.“

* Das hört sich ja wie ein richtiger Casanova an…
„Mir fehlt die Energie, um jeden Abend auf die Pirsch zu gehen und zu schauen, was passiert, aber natürlich ist das ein bisschen frequentierter alles, wenn man Single ist. Aber prinzipiell finde ich den Zustand in einer intakten Beziehung zu sein, wesentlich angenehmer, als ein Vagabunden-Dasein führen zu müssen.“

* Aber du bist zurzeit Single?
„Ja.“

* Was spricht dich an einer Frau an?
„Ich mag es, wenn Frauen etwas Einzigartiges haben, wenn Frauen ihr eigenes Ding machen und nicht blind irgendwelchen Trends folgen, wenn sie ihren eigenen Stil haben. Das geht gar nicht um das Äußere, sondern um die Art, wie sie denken, was sie sagen, was sie interessiert. Ich mag gerne Frauen mit einem starken Charakter, das brauche ich auch, sonst führe ich mich auf, wie ich will, und das ist schlecht. Und ich mag Frauen, die ich auf das Motorrad setzen können und die nicht Angst haben, dass ihre Frisur dann vom Helm im Arsch ist.“

* Worum geht es in deinem „Huren-Song"?
„Ursprünglich ging das als Liebeslied los und irgendwann war es mir zu kitschig. Ich wollte das brechen und habe einfach dieses Lied vergewaltigt und ihm eine neue Wendung gegeben, indem diese Frau, die so lieblich in der ersten Strophe besungen wird, in der zweiten Strophe schon wesentlich wilder dargestellt wird und mit sehr vielen zweideutigen Bildern. Dann gibt es einen Teil, in dem ganz klar vom Zuhälter die Rede ist. Es geht um die unerwiderte Liebe zu einer Prostituierten, die nicht mit mir durchbrennen will, sondern lieber bei ihrem Zuhälter bleibt und weiter gutes Geld verdient.“

* Hast du Erfahrungen mit Prostituierten?
„In welcher Hinsicht?“

* Sexuell.
„Das Lied ist nicht autobiografisch: Es gibt keine Chantal oder so, die auf der Reeperbahn arbeitet und mir mein Herz gebrochen hat. Aber ich wollte mal ein Buch über Prostituierte schreiben und habe mich oft mit Prostituierten unterhalten, bis ich festgestellt hab, die erzählen nicht viel und wollen dafür Geld haben (lacht). Dann habe ich dieses Projekt abgebrochen. Nein, ich bin prinzipiell kein großer Freund von der Tatsache, dass ich für etwas wie Liebe bezahlen muss. Da finde ich, gibt es genug andere Wege. Als ich das letzte Mal in Hamburg war, ist ein Mädchen einen ganzen Block mit mir mitgegangen und hat mir eine Preisliste heruntergerattert: was sie alles macht und was das kostet. Ich verstehe nicht, wie man da in irgendeiner Weise erregt sein kann. ‚Ja, was war das in der Mitte? Angebot drei - das nehme ich, hier sind 80 Euro.’ Nicht so mein Ding.“

Hat sein komplettes Album allein getextet, komponiert und produziert - Max von Thun. (Foto: Public Address)Hat sein komplettes Album allein getextet, komponiert und produziert - Max von Thun. (Foto: Public Address)

* Noch ein Erlebnis?
„Ich war mal Produktionspraktikant beim Film und habe Brote geschmiert und Kaffee gekocht. Da haben wir zwei Wochen in einem Bordell gedreht, in einem Puff in München. So nach zwei, drei Tagen hat das ganze Team angefangen zu jucken und sich zu kratzen. Da waren so plüschige Wände, die am Abend mit Desinfektions-Spray eingesprüht wurden. Das hatte alles irgendwie so einen Beigeschmack, der einfach komisch war. Ich habe es lieber bei mir zuhause, wo ich die Musik aussuchen kann und wo die Beleuchtung nett.“

* Gibt es jemanden, den du gerne als Gast für ein Stündchen in dein Studio bitten würdest?
„Ich würde wahnsinnig gerne eine Rythm&Blues-Platte mit Keith Richards aufnehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob Keith Richards da genauso denkt, aber das fände ich sehr cool.“

* Was ist cool an ihm?
„Keith Richards ist für mich der letzte lebende Rock’n’Roller. Das ist eine Spezies, die völlig ausgestorben ist. Wenn ich heute eine junge Band sehe, die Bier aus der Dose trinkt und in die Kamera rülpst, dann ist das noch nicht Rock’n’Roll. Keith Richards ist auch ein begnadeter Komponist, immer schon unterschätzt, da er für die meisten Hits der Stones verantwortlich ist. Er ist nicht der beste Gitarrist, aber die Art, wie er spielt, macht ihn einzigartig. Und ich finde gut, was er so sagt. Er ist einfach ein tierisch cooler Hund.“

[Heike]

Links

www.maxvonthun.de

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