Dr. Karina Dubois im Interview

Gaming und Gesundheit

published: 16.09.2007

Bruno Kollhorst (TK) und Dr. Karina Dubois beim Gespräch auf der Games Convention (Foto: Techniker Krankenkasse)Bruno Kollhorst (TK) und Dr. Karina Dubois beim Gespräch auf der Games Convention (Foto: Techniker Krankenkasse)

Viele Computerspiele sind neuerdings bewegungsorientiert. Sie simulieren Situationen, in denen die Spieler manchmal heftig ins Schwitzen kommen, wenn sie beispielsweise einen virtuellen Gegner beim Boxen bekämpfen, simulierte Tennisbälle übers Netz schlagen oder die Fußballmannschaft ins Finale kicken. Die Techniker Krankenkasse wollte wissen, ob die Spiele tatsächlich die Fitness ihrer Spieler fördern, und hat mit der Sportwissenschaftlerin Dr. Karina Dubois gesprochen.

Wirken sich Bewegungsspiele positiv auf die Fitness der Spieler aus?
Karina Dubois: "Ja, man kann davon ausgehen. Allerdings ist die Vielfalt der Bewegungsabläufe im Gegensatz zum echten Sport eingeschränkt."

Beeinträchtigen die einseitigen Bewegungen die Gesundheit?
"Das ist wie mit allen anderen Bewegungsarten auch. Wenn ein Leistungssportler nur einseitig trainiert, muss er mit einer Sehnenscheidenentzündung rechnen. Wenn kein gesundes Maß eingehalten wird und keine Ausgleichsbewegung erfolgt, kann sich das negativ auswirken."

Können gesundheitsorientierte Spiele den Sport ersetzen?
"Davon gehe ich nicht aus und hoffe, dass das nicht passiert. Bewegung und Sport im Freien sind gerade für Kinder ein Muss - täglich zwischen 20 und 60 Minuten. Eine Stunde Bewegung an der frischen Luft ist meiner Meinung nach die Voraussetzung für ein gesundes Wachstum."

Animieren Bewegungsspiele Jugendliche, die sonst keinen Sport machen?
"Jugendliche, die nur drinnen sitzen, werden sicher durch die Spiele angeregt. Vielleicht bewegen sie sich sogar draußen oder in der Sporthalle und probieren einmal etwas im realen Leben aus. Und wenn nicht, bewegen sie sich zumindest beim Computerspiel."

Welche Fähigkeiten werden durch Bewegungsspiele gefördert?
"Bewegungsspiele haben einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem und auf die Kraftfähigkeit. Bei einigen Spielen, wie dem Heimtrainer, geht es ja darum, wirklich eine Bewegung auszuführen, beispielsweise das Radfahren. Die Effekte sind dann ganz genau so, als würde man wirklich trainieren. Kraftfähigkeit, Konzentration, Ausdauer und vielleicht sogar die Merkfähigkeit können sich durch ein gewisses Maß an Spielen erhöhen."

Helfen in Computerspielen erworbene Fähigkeiten im realen Leben?
"Jein. Ich denke, Spiele verzerren die Realität. Wird beispielsweise simuliert, dass man einen Berg herunterfährt, ist ja keine wirkliche Gefahr da. Wenn die Kinder dann einen realen Berg runterfahren, ist es sehr schwierig für sie, das richtig einzuschätzen. Auf einmal ist es doch gefährlicher oder schwieriger als erwartet. Aber Grundfähigkeiten für manche Dinge kann man sicherlich erwerben."

Welche zum Beispiel?

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