Alain Morel im Interview

"Ich bin kein Klischee"

published: 27.09.2007

Alain Morel in seiner ersten Rolle als "Leroy" (Foto: David Baltzer)Alain Morel in seiner ersten Rolle als "Leroy" (Foto: David Baltzer)

Zwar hatte Alain Morel mit seinem Kurzfilm "Leroy räumt auf" schon einen kleinen YouTube-Hit. Auf der Kinoleinwand war der 21-Jährige aber bisher noch nicht zu sehen. Dort spielt er den Afro-Deutschen "Leroy", der sich ausgerechnet in die Tochter einer Neonazi-Familie verliebt. Auch wenn die Schüler-Komödie mit Morel vielversprechend ist, lässt sich der 21-Jährige davon nicht beeindrucken. Statt der Schauspielschule macht der Gelegenheits-Musiker und DJ im Augenblick lieber ein Freiwilliges Soziales Jahr. Mit Scoolz sprach der sympathische Sohn einer Deutschen und eines Afrikaners über die aufregende Arbeit an seinem ersten Film und seine Erfahrungen mit Rassismus.

* Wie war die Arbeit für Dich an Deinem ersten Filmprojekt?
"Ich hatte das Gefühl, dass es sehr professionell war. Einmal weil ich wirklich Verantwortung getragen habe. Das war für mich eine neue und gute Erfahrung. Ich habe sehr viel Spaß gehabt. Insofern war es eine schöne Erfahrung, die mir vermittelt hat: `Hey, ich kann was`. Das gibt mir Selbstbewusstsein, ich bin stolz darauf, was ich gemacht habe."

* Was konntest Du persönlich aus dem Film ziehen?
"Einmal die Auseinandersetzung damit, dass ich als schwarzer Mensch deutsch bin, dass ich ein Afro-Deutscher bin. Das ist mir noch einmal richtig klar geworden. Der Film schafft es atmosphärisch - mit der Musik und den Texten - das sehr gut zu tragen. Er trägt dieses Gefühl. Und dieses Gefühl und diese Stimmung trage ich jetzt gerade mit mir."

* Du hast gerade Abitur gemacht?
"Ja, ich mache jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr an meiner Schule. Ich bin dafür da, um zu gucken, wie demokratisch die Schule ist. Ich gebe den Leuten eine Plattform, um Veranstaltungen zu machen. Anti-Rechts-Veranstaltungen, Gedenkfahrten oder ein Theaterstück. Und um eine Kunstplattform zu bieten."

* Warum hast Du Dich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden?
"Was mich fasziniert, ist, wenn man kulturelle Arbeit mit Sozialarbeit verbindet. Ich habe mir früher auch immer gewünscht, dass es eine Plattform gibt, um Kunst zu machen. Das will ich machen und das kann ich machen, glaube ich... . Ich bin nicht scharf darauf, in einem Betrieb zu arbeiten und ganz viel Geld zu verdienen."

* Wie ist Dein Erfolg in Deinem Freundeskreis angekommen?
"Die Leute freuen sich für mich und albern auch die ganze Zeit herum. Wenn ich zu sehen bin, sagen sie: `Den kenn ich`. Die nehmen das alle sehr witzig und locker auf und merken auch, dass ich noch nicht abgehoben bin... . Von Neid habe ich bisher noch nichts gemerkt."

* Der Film spielt sehr schön mit Klischees. Es gibt auch diese typisch deutschen Klischees von Sauberkeit, Pünktlichkeit und Ordnung. Was ist an Dir deutsch?
"Ich bin pünktlich. Doch diese Tugend setze ich nicht in die Extreme um."

* Was sind Deine Erfahrungen mit Klischees?

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