Lucry im Interview

Reggaeton auf Deutsch

published: 26.06.2006

Lucry mischt HipHop, Latin-Sound und Pop (Foto: Public Address) Lucry mischt HipHop, Latin-Sound und Pop (Foto: Public Address)

Er geht noch zur Schule, ist intelligent, nett und sieht super aus: Lucry. Und er steht vor einer großen Karriere. Wenn er Glück hat. Seine Ohrwurm-Single "Ayayay", ein Dancefloor-Kracher, steht ab Mitte Juli in den Läden, das goovige Album "El Latino Alemán" folgt im August. Das Besondere an Lucrys Musik ist die Mischung. Das, was in Amerika als Fusion von Latin und HipHop zu Reggaeton wurde, hat der 16-Jährige mit deutschen Texten und etwas mehr Pop-Appeal versehen. Damit nimmt der Berliner mit kubanischen Wurzeln Kurs auf die deutschen Charts. Vielleicht ist Lucry bald ein Superstar. Die Weichen sind alle gestellt – jetzt muss der Zug nur noch drüber fahren.

In Jennifer Lopez' Film "Reggaeton" hat Lucry eine Gastrolle (Foto: Public Address)In Jennifer Lopez' Film "Reggaeton" hat Lucry eine Gastrolle (Foto: Public Address)

Reggaeton - was ist das überhaupt?
Lucry: „Reggaeton ist eine Mischung zwischen HipHop, Dancehall, Reggae und verschiedenen Elementen aus der lateinamerikanischen Musik wie Salsa, Bachata, Merengue. Und das ist eine sehr aufregende Mischung.“

Wie ist Dir das begegnet?
„Begegnet ist mir das in einem von meinen jährlichen Urlauben in Kuba. Da ist Reggaeton schon seit Jahren sehr groß und wird von allen Leuten gefeiert - von Kiddys bis zu den Erwachsenen und zu den Opas. Das ist echt krass. In ganz Lateinamerika ist das schon so und jetzt ist es auch in die USA geschwappt. Dadurch, dass ich jedes Jahr in Kuba bin, um meine Familie zu besuchen, bin ich dann auch darauf gestoßen und habe mich sozusagen in die Musik verliebt.“

Bist Du dort oder in Berlin geboren?
„Ich bin in Berlin geboren.“

Was gefällt Dir besonders gut am Reggaeton?
„Das ist die Mischung. Ich wollte nicht so sein wie andere, sondern die Musik auf ein nächstes Level bringen. Und das habe ich in der Reggaetonmusik entdeckt, weil die verschiedene Stile gemischt hat und etwas Gutes dabei herausgekommen ist. Es ist eine sehr positive Energie, die dabei rüberkommt und ich war fasziniert, wie daraus schon eine Kultur entstanden ist, wie die Leute dazu tanzen und so. Das ist echt schön.“

Wie passen deutsche Texte dazu?
„Dazu kann alles passen. Und weil ich einer bin, der immer versucht, etwas Neues zu machen, habe ich mir gedacht: `Okay, wenn ich jetzt Reggaeton auf Spanisch mache, ist das natürlich gut, weil ich damit auch die anderen erreiche.’ Aber um etwas Neues zu schaffen, wollte ich es dann auf Deutsch machen. Und dann habe ich eine Mischung aus HipHop und Reggaeton gefunden und mit meinem eigenen Stil gemischt - auf Deutsch.“

Was ist mit dem Vorurteil, dass die Deutschen nicht tanzen wollen und können? Wie sind die Reaktionen in Deutschland auf Deine Musik?
„Die Reaktion war bisher positiv. Die Leute bekommen endlich einmal positive Musik ab, zu der sie tanzen und abfeiern können. Ich glaube schon, dass die Musik hier eine Chance hat.“

Inwieweit hast Du an den Songs auf Deinem Album mitgearbeitet?

„Eigentlich habe ich an dem Album so gut wie überall mitgearbeitet. Alle Texte sind von mir selber geschrieben, ich habe die Tracks auch mit produziert. Darin steckt auf jeden Fall mein ganzes Herz und meine ganze Seele.“

Worum geht es bei Deiner neuen Single?
„´Ayayay` ist ein klassischer Partysong, der alle Leute auf der ganzen Welt vereinen will. Da ist eine neue Musik, die besteht aus Reggaeton, HipHop und Lucry und mit der möchte ich die ganze Welt verbinden.“

Auf Deinem Album sind noch viele weitere Songs. Auf was bist Du besonders stolz?
„Generell stolz bin ich einfach, weil ich glaube, dass ich eine ganz gute Brücke geschlagen habe zwischen beiden Kulturen: der HipHop-Kultur und der lateinamerikanischen Musik an sich, der anderen Kultur. Es ist ein sehr buntes Album und ich glaube, da ist alles abgedeckt.“

Lucry will Reggaeton mit deutschen Texten populär machen (Foto: Public Address)Lucry will Reggaeton mit deutschen Texten populär machen (Foto: Public Address)

Gibt es in Berlin schon eine richtige Szene oder bist Du der Erste, der in diese Richtung geht?
„Ich bin, glaube ich, der Erste, der den Schritt wagt, damit nach außen zu treten. Aber besonders in Berlin gibt es auf jeden Fall eine sehr große Latinoszene. Da habe ich schon früh gemerkt, dass es gut ankommt. Deshalb glaube ich, dass in diese Richtung noch mehr Sachen kommen werden.“

Du warst als Support von Chris Brown auf der Bühne. Wie war das für Dich?
„Es war echt schön, dass das Publikum abgegangen sind, obwohl ich ja nur der Support von Chris Brown war. Ich konnte ihn auch kennen lernen, habe kurz mit ihm geredet. Das ist ein großes Ereignis, wenn man sich einmal mit den Großen austauschen kann. Es ist eine schöne Erfahrung gewesen.“

Was ist er für ein Typ?
„Das sind alles ganz normale Menschen. Er ist genauso alt wie ich und wir haben viele Gemeinsamkeiten. Ich mag seine Musik auch und von daher hat das gut zusammengepasst.“

Was ist das für eine Geschichte mit Jennifer Lopez?
„Genau: Vor zwei Wochen war ich in Puerto Rico und habe eine kleine Rolle in dem Film gespielt, der von Jennifer Lopez produziert wird, mit dem Namen ‚Reggaeton’. Da habe ich eine Rolle als DJ von einem der Reggaetonkünstler. Das war eine sehr schöne Erfahrung, weil ich die Künstler auch kennen lernen konnte und das erste Mal als Schauspieler vor der Kamera stand."

Wie kam es dazu, dass Du diese Rolle bekommen hast?
"Das kam durch die Plattenfirma. Weil das Album auch auf Spanisch produziert wird, ist das ein guter Einstieg in
die Szene von drüben."

Würdest Dich das Schauspielen auch in Zukunft interessieren?
"Jetzt liegt der Fokus erst einmal voll auf meiner Musik. Jetzt soll die erste Single herauskommen, dann das Album. Und natürlich möchte ich so viel wie möglich machen und weiter künstlerisch aktiv sein. Natürlich würde ich mich freuen, wenn es dann auch in die Richtung noch weitergehen würde."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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