Mario Adorf im Interview

"Es liegt an den Menschen selbst"

published: 29.01.2008

(Foto: Public Address)(Foto: Public Address)

Seit dem 24. Januar läuft der Abenteuerstreifen "Die rote Zora" von Regisseur Peter Kahane in den Kinos: eine Verfilmung des Jugendbuches von Kurt Kläber alias Kurt Held. Der Film erzählt von einem rothaarigen Mädchen und seiner Bande, das in einem kroatischen Städtchen den Bürgermeister und den Fischgroßhändler zum Narren hält. Mario Adorf spielt den Fischer Gorian, der sich für die Kinder einsetzt.

Scoolz sprach mit dem verschmitzten 77-Jährigen über seine Rolle, die Dreharbeiten und die Situation von Kindern und Jugendlichen.

* Sie spielen im Kinderfilm "Die rote Zora" mit. Haben Sie lange gezögert, als Sie gefragt wurden, diese Rolle zu übernehmen?
"Nein, eigentlich gar nicht. Das liegt allerdings daran, dass der erste Regisseur, der den Film machen sollte, Ben Verbong war, mit dem ich schon "Es ist ein Elch entsprungen" gemacht hatte. Als er mich fragte, ob ich gerne 'Die rote Zora' machen würde, sagte ich spontan 'ja'. Als dann doch Peter Kahane den Film machte, war meine Zusage schon gesichert."

*Wie war es für Sie, in vielen Szenen gemeinsam mit Kindern zu spielen?
"Ich habe das schon häufig gemacht und es ist immer wieder schön. Für mich ist es etwas Besonderes, mit Kindern zu spielen. Das ist nicht so eingefahren, so professionell und zementiert, sondern jung, frisch und lebendig."

*Welche Botschaft können Kinder und Erwachsene aus dem Film "Die rote Zora" mitnehmen?
"Die Botschaft des Filmes ist wohl, dass die Gesellschaft an der Not der Kinder schuld ist. An der Situation, dass sie stehlen müssen und überhaupt auf die schiefe Bahn gekommen sind. Die Botschaft ist also an die Erwachsenen gerichtet: 'Tut etwas für die Kinder!' Letztendlich ist es aber ein Film, der Spaß machen soll, eben weil die Kinder ein bisschen aus dem Rahmen fallen."

Mario Adorf gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielern (Foto: Public Address)Mario Adorf gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielern (Foto: Public Address)

* Heutzutage wird verstärkt darauf aufmerksam gemacht, dass es Kinder gibt, die in Familien aufwachsen, die nicht so viel Geld haben, und dass diese Kinder nicht die gleichen Chancen im Leben haben wie sozial besser gestellte Kinder. Haben Sie Vorschläge, welche für Maßnahmen man da ergreifen könnte?
"Man kann die sozialen Gegebenheiten nicht von heute auf morgen ändern. Wenn ich das jetzt sage, ist es vielleicht nicht so glaubhaft, aber meiner Meinung nach ist die Familie eine sehr wichtige Institution. Die Eltern müssten die Kinder so formen, so beeinflussen, dass diese später kein Defizit empfinden und an Drogen geraten oder kriminell werden. Das liegt jetzt nicht unbedingt am Reichtum oder der sozialen Schicht, sondern an den Menschen selbst: an den Kindern und vor allem an den Eltern. Ich war jetzt gerade in Indien. Wenn man sieht, wie glücklich die Kinder dort sind, kommt man ins Grübeln. Die haben so wenig und sind trotzdem glückliche Kinder. Hier werden die Kinder schon sehr anspruchsvoll gehalten. Ich frage mich, ob es gut ist, dass es häufig um noch mehr Spielzeug und noch mehr Technik geht."

[Heike]

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