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"Jung und verzogen"

published: 20.02.2008

Die unglückliche Anna (Claire Labarbe) (l.) hegt Selbstmordgedanken (Foto: Arte)Die unglückliche Anna (Claire Labarbe) (l.) hegt Selbstmordgedanken (Foto: Arte)

Ihre Eltern arbeiten den ganzen Tag, hören nicht richtig zu oder stellen zu hohe Forderungen. Die Mütter sind alkoholkrank oder überarbeitet, die Väter derb oder teilnahmslos, die Kinder sich selbst überlassen. Der Film, der dem Titel nach vor allem nach ungehorsamen, verwöhnten Bengeln klingt, erzählt eigentlich von traurigen Kindern und unfähigen Erwachsenen. "Jung und verzogen" (Originaltitel: "Pas sages") verfolgt den Alltag verschiedener Kinder und Jugendlicher in der französischen Kleinstadt Vitry-sur-Seine, in der auch Regisseurin Lorraine Groleau aufgewachsen ist.

Ein schöner Ort, um sich zurückzuziehen: In ihrem Baumhaus sortiert und notiert Paulette (Nolimé Pettier) ihre Gedanken und beobachtet das Geschehen in der Nachbarschaft (Foto: Arte)Ein schöner Ort, um sich zurückzuziehen: In ihrem Baumhaus sortiert und notiert Paulette (Nolimé Pettier) ihre Gedanken und beobachtet das Geschehen in der Nachbarschaft (Foto: Arte)

Da ist zum Beispiel die achtjährige Paulette, die die Erwachsenen nicht versteht und deren Verhalten kritisch beobachtet. Im Haus gegenüber wohnt der gleichaltrige Simon bei seiner Großmutter. Als Simon sich mit dem afrikanischen Mädchen Fatou anfreundet, ist Paulette eifersüchtig. Die 15-jährige Anna und ihr kleiner Bruder Remi wiederum beschließen eines Tages zu sterben. Die Mutter der Geschwister ist alkoholabhängig, der Vater grob. Auch Pierre, ebenfalls im Teenie-Alter, kommt nicht mit seiner überarbeiteten Mutter aus. Weil er in der Schule schwächelt, setzt sie ihn unter Druck. Er flieht in seine eigene Welt aus Musik und Breakdance.

Groleau erzählt in ihrem episodenhaften Drama von Enttäuschungen, Verzweiflung, aber auch von Wünschen und Glücksmomenten. Nicht die Jugendlichen sind das Problem, sondern die von sich selbst eingenommenen Erwachsenen, die die Sorgen ihrer Kinder nicht bemerken. "Jung und verzogen" stellt die gängige Perspektive auf den Kopf: Die Kinder denken und handeln erwachsen, während sich die Erwachsenen unreif und kindisch verhalten.

"Jung und verzogen" (Originaltitel: Pas sages), 23.2., 15.30 Arte

[Marlene]

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