Gebannt warten die Schüler auf die Befehle ihres Lehrers  (Foto: Constantin)"13 Tzameti" ist ein moderner Film noir und ein eiskalter Suspence-Thriller  (Foto: Weltecho)Die Geheimnisse der Spiderwicks” ist für PC, PS2, Xbox 360 und Wii erhältlich (Foto: Vivendi Universal)Take That – "Beautiful World Live 2007 – At The O2 Arena"  (Foto: Universal)Wer sein Abi schafft, darf mit Recht stolz auf seine Leistung sein. Doch das Abitur ist nicht Alles (Foto: Public Address)Mary (Scarlett Johansson) und Anne Boleyn (Natalie Portman, v.l.) pendeln zwischen schwesterlicher Liebe und dem Hass von Rivalinnen  (Foto: Alex Bailey/2007 Universal Studios)Nur die Polizistin Emily (Charlize Theron) unterstützt Hank (Tommy Lee Jones) bei seinen Nachforschungen  (Foto:Concorde)

Dennis Gansel im Interview

"Diese Frage stellt sich jeder"

published: 16.03.2008

Dennis Gansel ist Drehbuchautor und Regisseur von "Die Welle"  (Foto: Constantin Film Verleih GmbH ) Dennis Gansel ist Drehbuchautor und Regisseur von "Die Welle" (Foto: Constantin Film Verleih GmbH )

Drehbuchautor Dennis Gansel sorgte bereits mit seinem ersten Film "Napola - Elite für den Führer" für viel Aufmerksamkeit. Auch in seinem aktuellen Kinofilm "Die Welle" beschäftigt er sich mit dem Phänomen der Verführung und dem System des Faschismus.

Der Streifen beruht auf dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker von Morton Rhues - auf einem Roman, aber nicht auf einer Fiktion: Der an der Filmproduktion beteiligte Geschichtslehrer Ron Jones unternahm 1967 an einer Highschool in Kalifornien das Experiment, bei dem sich aus einem harmlosen Projekt eine Bewegung mit Grundwerten wie Gehorsam und Disziplin entwickelt, die kurz darauf außer Kontrolle gerät.

Scoolz traf Gansel, der bei "Die Welle" für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet, zum Interview.

* In "Die Welle" geht es um ein Experiment, um Verführung und Faschismus. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit in den 60er Jahren in Amerika. Wie kamst Du auf die Idee, die Geschichte in der deutschen Gegenwart zu platzieren?
Dennis Gansel: "'Die Welle' ist in Deutschland, Skandinavien und vielen Teilen Europas ein sehr bekanntes und ein viel gelesenes Werk. In Amerika kennen das erstaunlicherweise wenig Menschen. Als wir es dort beim 'Sundance Festival' präsentierten, waren viele Amerikaner sehr überrascht, dass 'Die Welle' ursprünglich aus den USA kommt. Umso mehr waren sie beeindruckt, dass sich eine deutsche Mannschaft des Themas angenommen hatte - vor dem Hintergrund unserer Geschichte empfanden das viele als mutig. Ich persönlich interessiere mich sehr für das System des Faschismus. Nach 'Napola' ist 'Die Welle' nun der zweite Film zu dem Thema."

* Einer der Schauspieler fragt in einer Szene "Ist das heutzutage noch möglich, könnte so etwas im Deutschland des neuen Jahrtausends passieren"...
"Diese Frage stellt sich doch jeder einmal. Und diese Frage ist es, die man sich stellen muss! Die man sich vielleicht nicht zu stellen traut - aber man muss es wagen. Wir haben natürlich im Geschichtsunterricht alle viel über das Dritte Reich gelernt und wissen, wie falsch und gefährlich dieses System ist und war - aber trotzdem gab es viele Menschen, die sich verführen ließen. Da stellt sich doch die Frage, wie diese Verführung funktioniert und ob wir uns selber verführen lassen würden..."

* Hast Du Dir diese Frage schon beantwortet?
"Das ist natürlich sehr schwer. Anfangs war ich mir immer ganz sicher, dass ich bestimmt im Widerstand gewesen wäre. Ich hatte Geschichte als Leistungskurs und habe mich dadurch sehr intensiv mit dem Faschismus und seinen Folgen beschäftigt. Aber natürlich war ich auch mal unsicher und wusste nicht, ob ich es tatsächlich geschafft hätte, mich diesem perfiden System zu entziehen. Doch ich muss sagen, ich wäre wahrscheinlich im Widerstand gewesen."

* Wie kann man sich die Recherchearbeit zum Film vorstellen?
"Wir hatten die Originalprotokolle des Lehrers Ron Jones, der damals das Experiment durchgeführt hat. Dadurch, dass wir Rons Aufzeichnungen hatten, konnten wir uns ein gutes Bild davon machen, wie der Versuch damals ablief. Aber natürlich liegen 40 Jahre zwischen der damaligen 'Welle'-Bewegung und unserem Film. Von daher haben Peter Thorwarth, der mit mir am Buch gearbeitet hat, und ich überlegt, dass wir einfach die Schule beschreiben, auf die wir selber gegangen sind - viele Charaktere sind also an Menschen angelehnt, die tatsächlich mit uns in der Schule waren. Daraus haben wir dann die Geschichte entwickelt."

* Habt ihr auch mit Leuten gesprochen, die momentan zur Schule gehen?
"Ja. Und das war uns eine große Hilfe. Wir sind oft mit unserem Drehbuch zu Schülern gegangen und haben sie nach ihrer Meinung gefragt. Sie konnten dann Anmerkungen machen, wenn sie etwas nicht verstanden hatten oder haben uns gesagt 'So würde ich nie sprechen, mich nie ausdrücken'. Dann haben wir mit ihnen an den Ausdrücken gefeilt. In 'Die Welle' soll es ja auch um die Schüler gehen, um ihre Sicht der Dinge, da war es notwendig, genau diese Menschen auch mit einzubeziehen."

* Sieht man sich unsere Gesellschaft an, ist Individualismus nichts mehr, für das man großartig kämpfen muss. Trotzdem fehlt vielen Jugendlichen eine Identifikationsfigur...
"Als ich zur Schule ging, habe ich mir immer gewünscht, dass es irgend etwas gibt, womit ich mich identifizieren kann. Ich bin in den 80er und 90er Jahren groß geworden und da gab es viele Gruppen, aber überhaupt keine politische Richtung mehr. Etwas, für das es sich zu kämpfen oder engagieren gelohnt hätte. Umso mehr habe ich meine Eltern beneidet, die 68er waren und gemeinsam das Ziel verfolgten, die Gesellschaft zu verändern. Ich glaube, vielen Jugendlichen geht es heute so wie mir zu meiner Schulzeit. Sie wollen sich nicht nur über Musik und Mode definieren, sondern suchen nach Inhalten. Dieser Drang zur oberflächlichen Individualisierung von verschiedensten Gruppen kann meiner Meinung nach keine Zukunft haben. Irgendwann entsteht ein Vakuum. Und genau da besteht die Gefahr, dass irgendein -ismus wieder kommt und versucht, dieses Vakuum zu füllen."

* Ohne zu viel zu verraten, kann man sagen, dass Dein Film ein drastisches Ende hat, drastischer als beim tatsächlichen Experiment. Warum?
"Ich wollte einfach eindeutig sagen, dass Faschismus falsch ist, dass er gefährlich ist und das man nicht damit spielen darf. Und daher gibt es, was das angeht, in meinem Film keinen Platz für Interpretationen, sondern ein klares Statement."

[Sonja]

Links

www.dennisgansel.com
www.welle.film.de

Das könnte dich auch interessieren:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung