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CD-Tipp

AWOL One - "The War Of Art"

published: 24.07.2006

AWOL One - "The War Of Art" (Foto: Cornerstone R.A.S)AWOL One - "The War Of Art" (Foto: Cornerstone R.A.S)

Mit "The War Of Art" liefert AWOL One ein Album ab, das zwar nicht die Lizenz zum Töten, mindestens aber das Potenzial zum Polarisieren hat. Der nicht gerade massenkompatible HipHop des Underground-Künstlers braucht Zeit. Erst um gehört zu werden und dann, um zu wirken. Wer es durch die 13 Tracks der Scheibe schafft, ist entweder ein wissender, liebender Fan oder wahnsinnig geduldig.

AWOL One, der früher auf den Namen Tony Martin hörte, ist das wohl bekannteste Mitglied des Westcoast-HipHop-Kollektivs The Shapeshifters. Außerdem gehört er den L.A.´s Mass Men des Indie-Labels Project Blowed an. Der aktive Songwriter, DJ und Rapper nutzt in seinem Soloprojekt die Chance, eigene, ernstere Gedanken zum Ausdruck zu bringen.

Der Titel und inhaltliche Aufhänger des Albums spielt auf die derzeit vorherrschende Diskussion um das Sein oder Nichtsein von Kunst an und erinnert als Umkehrung an den Kriegs-Strategie-Bestseller von Sun Tzu, "The Art Of War". Vielleicht ein Aufruf zur Öffnung des künstlerischen Horizontes innerhalb des Metiers? Vielleicht aber auch eine Art Kriegserklärung an musikalische Blindgänger des Blink-Blink-Universums.

Bei AWOL One findet sich glücklicherweise nicht die Spur von prahlerischen, sexistisch anekelnden Texten, die viel zu häufig in dieser Szene gang und gäbe sind. Erfreulich geistreiche Lyrics beschäftigen sich mit so zahmen Themen wie Familienbande und Standhaftigkeit. Ebenso streifen sie auf ironisch-satirische Weise genrespezifische Unarten wie Gewaltverherrlichung und, wie in "Evil Prevails", aufgeblasenes Protzertum: "Spending money, it doesn´t make you cool".

Beim Klang der lässigen Stimme des in L.A. lebenden Rappers drängt sich das eine oder andere Mal zwar die Sorge auf, er könnte noch vor Ende des Songs einfach einschlafen, allerdings färbt eben dieser schleppende Sound den angenehm lakonischen Charakter des Albums.

Ein riesiger Pluspunkt ist der abwechslungsreiche Einsatz klangtechnischer Elemente, der einen langweilig-einheitlichen Stempel verhindert. Während zum Auftakt bassige Synthesizer und verzerrte Vocals die psychedelische Natur von "The War Of Art" unterstützen, mischen sich nach und nach schnelle, mal spitze, mal dumpfe Percussion-Einlagen in die Songs, die sich hin und wieder mit Hilfe von Streichern und arienmäßigen Background-Gesängen sogar zu einem anmutigen Old-School-Sound aufschwingen.

Trotz aller Vielfalt zieht sich ein dunstiger, verschwommener Sound als roter Faden durch die gut 47 Minuten, die den Hörer gedanklich in die Leere einer lahmgelegten Industriehalle versetzen. Nebenbei bevölkern Gaststars wie Jizzm, der auch als Produzent einiger Nummern auftritt, Riddlore und Eyedea die Scheibe. Keine Geringeren als 2Mex und KRS One erschaffen mit "Underground Killz" eine inhaltliche Weiterführung des Klassikers "Video Killed The Radio Star", ein weiteres Pop-Element findet sich in dem melodisch an Herbie Hancocks "Rockit" angelehnten "Get You". Hier gibt AWOL One übrigens auch ganz deutlich zu verstehen, was er von den Battle-Allüren seiner "Kollegen" hält: "Music Is An Expression, Music Is Not A Competition."

Der letzte Track verwundert dann ein wenig, entpuppt er sich doch als waschechter Punkrock, den man nach dem gerade Gehörtem vermutlich als allerletztes erwartet. "Bloody Shoes" scheint nach der Geburt verwechselt worden zu sein, schmerzhaft, wenn so etwas zu spät auffällt. Ein bisschen lindernd wirkt der Hiddentrack, der in guter alter HipHopmanier zum Muttertier zurückkehrt.

Das Album weist keine Hintergrundqualitäten auf. Der HipHop-Fan, der sich musikalische Untermalung seines Alltages wünscht, wird schnell genervt die Off-Taste betätigen. Wer allerdings Lust hat, sich mit Songs auseinanderzusetzen, die ähnlich wie reifender Käse mit zunehmendem Alter besser werden, dürfte mit "The War Of Art" das Richtige gefunden haben.

[Franzisca Teske]

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