Game-Kritik

"Monopoly"

published: 15.11.2008

"Monopoly" ist für PS3 erhältlich. (Foto: EA)"Monopoly" ist für PS3 erhältlich. (Foto: EA)

In Zeiten der Weltwirtschaftskrise ist dieses Spiel vielleicht unpassend, oder aber ironisch betrachtet gerade das richtige Werkzeug, um sich mit den Mechanismen des Kapitalismus vertraut zu machen. Denn hier geht es ganz klar um all das, was die Herren Ackermann und Co. da draußen so machen. Wenn Ihr noch nie "Monopoly" gespielt habt, und ich meine die Brettspiel-Variation, dann solltet ihr das dringend mal nachholen.

Interessant ist, dass das Spiel von einem Arbeitslosen zu einer Zeit erfunden wurde, die der unsrigen ähnelt, aber zum Glück noch nicht gleicht. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Welt vom Kapitalismus gebeutelt – 1929 hatte einen großen Absturz der Börsen gesehen und die Wirtschaft lag brach. Niemand hatte Arbeit und Not macht bekanntlich erfinderisch. Doch die Erfindung des Charles Darrow – ein Brettspiel, bei dem man schnell viel Geld machen konnte – war so weit weg von der Realität der Leute, dass sie es liebten, sich in die Fantasie des Spiels zurück zu ziehen. Seit dieser Zeit hat eigentlich jede Familie ein "Monopoly"-Spiel zu Hause und gibt das Wissen um Märkte, Monopole und Bankrott an die nächste Generation weiter.

Das Prinzip ist klar: Möglichst viel Immobilienbesitz anhäufen, möglichst Monopole – also den alleinigen Besitz eines bestimmten Gebiets – erreichen und dann Häuser und Hotels bauen, um horrende Mieten von anderen Spielern zu verlangen. So wird man schnell zum Millionär und hängt die Konkurrenz ab. Dabei sollte man aber dringendst keine Rücksicht auf die anderen Spieler nehmen, die sind nur Ballast des Systems. Klingt bekannt, oder? Ok, die offensichtliche Kritik am Spiel ist der brutale Kapitalismus, den es versinnbildlicht. Dem kann man aber heute nicht entgehen und es wäre sinnlos, das Spiel daran zu messen. Im Gegenteil, wer das Spiel begreift, lernt eine wahre und teure Lektion des Lebens, nämlich wie Kapitalismus funktioniert. Übermäßig simplifiziert, aber sehr effektiv.

Was man aber kritisieren kann, und muss, an "Monopoly" von EA ist, dass "Monopoly" für die Videospiel-Konsole dem ganzen Spaß von "Monopoly" als Brettspiel entgegensteht. Ich kann zwar mit mehreren Spielern gleichzeitig spielen, aber alle schauen auf den Fernseher, keiner schaut sich in die Augen. Die ganze Geselligkeit geht flöten. Und das Spiel ist langweilig. Immer die selben Soundbits, ständig wiederholt der "Monopoly"-Millionär die gleichen Phrasen. Und es dauert, alles ist animiert, wird wiederholt, wiederholt und wiederholt. Und so ein normales Spiel dauert ein paar Stunden – mit den zehn gleichen Sprüchen zum tausendsten Mal. Gähn! Und da hilft dann auch nicht das Krösus-Spiel, bei dem man statt mit Geld zu handeln die Immobilien per Minispiel erobert. Denn die Minispiele sind auch langweilig, stumpfsinnig und redundant. Und als Belohnung dürft ihr neue Spielbretter freispielen. Ok, die sind nett animiert und optisch aufpoliert. Aber das war es auch. Das wirklich nervigste an "Monopoly" ist jedoch, dass man die Quizshow-Musik nicht abstellen kann und nach spätestens drei Stunden den Fernseher auf lautlos stellt oder durch das Fenster befördern möchte. Eine Option im Soundmenü und alles wäre erträglicher geworden – aber so: welch eine Tortur.

Darum: wenn ihr die Freuden und Leiden des Kapitalismus erlernen wollt, dann bitte – inständigste Bitte! – nehmt euch ein paar Freunde und das BRETT-Spiel, schaut euch dabei in die Augen und genießt die Interaktion.

[Lars]

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www.monopoly.de

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