Interview

Schweighöfer über "12 Meter ohne Kopf"

published: 10.12.2009

Matthias Schweighöfer genoss den Dreh zu "12 Meter ohne Kopf" (Foto: Public Address) Matthias Schweighöfer genoss den Dreh zu "12 Meter ohne Kopf" (Foto: Public Address)

Zwölf Meter soll der legendäre Klaus Störtebeker nach seiner Enthauptung noch zurückgelegt haben. Verwegene Geschichten wie diese machten den Ostfriesen zur Legende. Mit Sven Taddickens "12 Meter ohne Kopf" kommt jetzt ein Film in die Kinos, der den Mythos Störtebeker von einer neuen Seite beleuchtet. Matthias Schweighöfer verkörpert darin Gödeke Michels, Störtebekers treuen Wegbegleiter. Scoolz traf den Schauspieler, um mit ihm über den Film zu sprechen.




Du hast "12 Meter ohne Kopf" heute das erste Mal ganz gesehen. Wie war das für Dich?
"Ich habe mich total gefreut, dass der Film so ist, wie er geworden ist. Ich war ja selbst sehr gespannt, weil es sehr anstrengende Dreharbeiten waren. Ich dachte, ‚erst mal gucken, was das wird’, aber jetzt bin ich sehr stolz. Ich würde das mit ‚Fluch der Karibik’ vergleichen. Die Amerikaner stecken viel Geld rein und machen einen Film wie ‚Fluch der Karibik’. Für einen deutschen Piratenfilm ist ‚Störtebeker’ aber super, muss ich sagen. Alleine schon das erste Bild: Ein einzelnes Schiff auf diesem Teich von Ostsee - das fand ich irgendwie gut."

Du spielst Störtebekers Freund und Wegbegleiter Gödeke Michels. Wie nahe ist Dir diese Figur im realen Leben?
"In allem, was ich spiele, steckt immer auch ein realer Teil, sonst muss man so viel nachkramen und dazuerfinden. Das Schöne an Michels war aber gerade auch, dass man so viele Sachen dazu erfinden konnte. Solche Kraftrollen finde ich einfach immer gut, weil man soviel Energie im richtigen Leben gar nicht hat."

Mit welcher Charaktereigenschaft Michels kannst Du Dich am meisten identifizieren?
"Wut. Wut und Hass sind schon ein paar große Themen. Man würde zwar merken, wenn ich wütend bin, aber ich würde jetzt nicht gleich jedem, der was Blödes sagt, direkt in die Fresse hauen. Irgendwie macht das in so einem Genre-Film aber auch Spaß."

Die Dreharbeiten fanden auf See und auf echten Schiffen statt. Was war denn das Anstrengendste während dieser Zeit?
"Das Wasser. Man war eben immer mit 80 Leuten auf dem Boot. Du hattest nie Raum für dich, außer wenn du dann abends nach Hause gekommen bist. Aber es war trotzdem sehr schön. So was macht man ja schließlich nicht oft."




Nicht nur in diesem, sondern auch in Deinem anderen neuen Film "Friendship" steht die Freundschaft im Mittelpunkt. Hat das einen bestimmten Hintergrund?
"Naja, bei ‚Friendship’ geht es mehr um eine gewisse Lebensfreiheit. Es geht um das, was die Mauer bedeutet hat und was es heißt, aus dem Knast in die wirkliche Freiheit zu kommen. ‚12 Meter ohne Kopf’ hat viel mit Freundschaft zwischen zwei Männern zu tun, aber es war für mich immer mehr ein Beispiel von zwei unterschiedlichen Lebenswegen. Einer sucht die Freiheit, der andere entscheidet sich für die Familie. Der Film stellt für mich eher die Frage: Wie trifft man erwachsenere Entscheidungen?"

In "12 Meter ohne Kopf" hast Du eine Nacktszene. Als Du das Skript gelesen hast…
"… da liest man so etwas nicht."

Als Du wusstest, dass Du die Szene spielen musst, hast Du da noch ein paar Gewichte mehr im Fitnesscenter gestemmt?
"Nein. Ich bin eigentlich immer sehr entspannt, weil ich mich mittlerweile in so ziemlich jedem Film ausziehe. Mich wundert das selbst. Ich denke aber auch nicht viel darüber nach. Das habe ich an der Volksbühne in Berlin gelernt. Wenn du es schaffst, dich in Unterhose vor 1200 Leuten live auf die Bühne zu stellen, dann verlierst du auch in der Figur generelle Eitelkeiten. Bei ‚12 Meter ohne Kopf’ fand ich das in dem Moment auch einfach lustig. Da badet ein Typ auf Deck, ballert erst Detlef Buck weg und steigt dann aus der Badewanne. Der dicke, große Bär Störtebeker angezogen und der kleine Käse Michels daneben."

Das kannst Du Dir dann auch so locker selbst angucken?
"Ja klar. Warte mal ‚Zweiohrküken’ und ‚Friendship’ ab! Dagegen ist das ein Spaß."




Mit "Zwölf Meter ohne Kopf", "Zweiohrküken" und "Friendship" starten drei Filme mit Dir direkt nacheinander. Hast Du selbst einen Favoriten oder schlägt das Herz für alle Filme gleich?

"Es sind alles meine Kinder, aber der Verleih entscheidet eben auch einfach, wann die Filme starten. Als ich erfahren habe, dass alle drei hintereinander starten, war das für mich auch erst mal überraschend. Zum Glück sind bei ‚Zweiohrküken’ Til Schweiger und Nora Tschirner die Hauptpersonen, aber ‚Friendship’ und ‚Zwölf Meter ohne Kopf’ lagen eigentlich auf einem anderen Startdatum. Es ist dann eben auch mein Job, dafür zu sorgen, dass alle Filme gleichwertig bleiben. Das hatte ich aber wirklich auch noch nie."

Kannst Du das denn überhaupt noch genießen?
"Ich muss mich damit abfinden. Ab jetzt bin ich jeden Tag irgendwo in einer anderen Stadt. Bis zum 22. Januar ist es einfach absurd. Das Absurdeste ist eigentlich, dass es immer um meine Person geht. Ich bin dann immer sehr froh, wenn ich meine Tochter sehe. Der ist das alles egal."

Tritt die Karriere nach diesem Premieren-Marathon erst einmal etwas kürzer oder geht es danach in dem Tempo weiter?
"Ich drehe ab Januar wieder einen Film in Österreich und für nächstes Jahr stehen auch schon ein paar Projekte an, die ich gerne machen würde. Mittlerweile haben wir uns aber auch darauf geeinigt, dass die Familie mitreisen kann. Das ist ganz gut."

Gödeke Michels entscheidet sich im Film bewusst für die Freiheit und möchte nicht in Strukturen und Familie eingebunden werden. Wie ist das Dir, wolltest Du schon immer eine Familie gründen oder kam das erst mit der richtigen Frau?
"Na ja, richtige Frau ist immer schwierig. Die richtige Frau oder den richtigen Mann gibt es glaube ich nicht. Ich wusste einfach, dass ich Vater werden wollte. Das Leben ist grundsätzlich sehr schnell und basiert auf Glück, Erfolg und Arbeit. Irgendwann verliert man sich vielleicht auch ein bisschen, weil man ständig mit anderen Leuten zusammen ist und nicht mehr weiß, wer man selber ist. Seit die Kleine auf der Welt ist, weiß ich, dass da das Leben ist und alles Schöne drumherum ist nur das I-Tüpfelchen."

Inzwischen gehörst Du zu den bekanntesten deutschen Schauspielern und hast viele Fans. Nutzt Du diese Promikarte manchmal im wahren Leben?
"Nein, nie. Mir ist das auch gar nicht so bewusst. Die Promikarte machen ja immer andere. Ich nutze so etwas grundsätzlich nicht, weil ich mich eher ein bisschen da raus halten will. Für ‚German Garments’ arbeite ich schon mit meinem Namen, wenn es hilft, bestimmte Sachen zu finanzieren. Da sage ich dann: Klar, das ist großartig, wenn mein Name das ermöglicht. Aber privat würde ich das nicht tun."




Wie häufig wirst Du auf der Straße erkannt?
"Es wird schon krasser. Komischerweise erlebe ich das mittlerweile jeden Tag, sogar beim Einkaufen im Supermarkt. Man versucht den Leuten dann auch gerecht zu werden, die freuen sich ja natürlich."

Im Film fristet Gödeke Michels eine Zeit lang als Bauer. Du besitzt auch einen eigenen Bauernhof. Was baust Du da an?
"Wir haben Quitten, Pflaumen, Äpfel und Walnüsse. Das Haus ist ein Vier-Seiten-Hof, so ein kleiner Bauernhof direkt hinter Spandau, und ist eigentlich für meine Tochter gedacht. Sie soll lernen, dass es neben der Friedrichstraße auch Wald, Spinnen, Vögel, Pferde und Kühe gibt und dass es stinkt. So was finde ich wichtig für die Entwicklung."

Was ist das Besondere am Leben auf dem Land?
"Dass das Leben sozial ist. Das hätte ich nicht gedacht, aber es ist wirklich so. Zu Halloween stehen dann wirklich lauter Kinder vor der Tür, die nach Süßigkeiten fragen. Und dann kommen noch die 70-jährigen Nachbarn rüber, die sich auch verkleidet haben. Die haben dann einen Korb mit zehn Quittensäften und fünfzehn Marmeladen dabei, die sie aus den Quitten selbst gemacht haben. Wir haben wirklich ganz tolle Nachbarn, für die ich sehr dankbar bin. An dem Haus hängt schon ein Stückchen Land mit dran und mein Nachbar kümmert sich um den ganzen Garten. Sie sind wie Ersatzgroßeltern."

In "Zwölf Meter ohne Kopf" gibt es eine sehr romantische Szene mit einer venezianischen Badewanne am Strand. Bist Du privat auch ein romantischer Mensch?
"Na ja, das kommt drauf an, wie man romantisch definiert. Ich denke, ich bin schon romantisch, aber mittlerweile werde ich doch praktischer. Sagen wir mal so, wir haben Lavendel im Garten und wenn einer von uns mal Frühstück macht, pflückt der dann auch Lavendel und legt ihn auf den Tisch. Das erzählt schon viel…"

[Svenja]

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