Revolverheld im Interview

"Mal poppig, mal rockig und mal scheiße"

published: 12.03.2010

Jakob Sinn, Florian Speer, Johannes Strate, Kristoffer Hünecke und Niels Grötsch (v.l.n.r.) sind Revolverheld (Foto: Public Address)Jakob Sinn, Florian Speer, Johannes Strate, Kristoffer Hünecke und Niels Grötsch (v.l.n.r.) sind Revolverheld (Foto: Public Address)

Die Hamburger Band Revolverheld ist schon lange kein Geheim-tipp mehr. Für ihr Debüt "Revolverheld" erhielten sie eine Goldene Schallplatte, das Album "Chaostheorie" erreichte den zweiten Platz der Charts. Eine große Ehre wurde Johannes, Kristoffer, Niels, Jakob und Florian 2008 zuteil - die Jungs durften mit "Helden 2008" den offiziellen Song zur Fußball-Europameisterschaft beisteuern.

"In Farbe", der dritte Longplayer von Revolverheld, ist gerade auf den Markt gekommen, die Single "Spinner" ist bereits erschienen. Ab April gehen Revolverheld dann auf Deutschlandtour. Wir trafen Sänger Johannes Strate und Gitarrist Kristoffer Hünecke zum Gespräch.

Mit dem Titel "In Farbe" und dem bunten Artwork kommt euer Album sehr fröhlich daher. Hattet ihr ein Konzept beim schreiben?
Johannes: "Es hat sich bei uns in den letzten zwei Jahren so ergeben, dass Kris und ich wahnsinnig viele Songs mit positiven Aussagen geschrieben haben. Wir waren genervt von dem Trend, dass jeder in seinem Selbstmitleid versinkt und rumheult, wie schlecht es ihm geht. Wenn du es nicht ändern kannst, dann bringt es auch nichts, dich fallen zu lassen und rumzuheulen. Die Uhren werden wieder auf null gestellt und dann muss man sich aufraffen, seinen Arsch hochkriegen und was tun. Es ist ja auch immer wieder eine Chance. Daher sind wahnsinnig viele Aufbruch-Songs mit positiven Aussagen entstanden."

"Spinner" heißt eure erste Single. Wieso viel die Wahl ge-rade auf diesen Song?
Johannes: "'Spinner' ist ein Song, der maßgeblich für das Album steht. Spinner ist in unseren Augen auch kein negativer Begriff, sondern das sind für uns Leute, die auch mal was wagen und ihren Traum leben. Leute, die für ihre Ideen mit dem Kopf durch die Wand gehen, die auch mal Mut haben, ein Risiko einzugehen. Außerdem steckt eine niedliche, kleine persönliche Geschichte von Kris dahinter…"
Kristoffer: "…ja, der Song ist zustande gekommen, weil meine Freundin den Traum hat, ein Café aufzumachen. Sie ist schon seit Jahren dabei und traut sich aber nicht so richtig. So langsam nimmt das jetzt auch konkrete Formen an und aus diesen Diskussionen ist dann 'Spinner' entstanden."

Revolverheld - live (24 Bilder)

Revolverheld - live
Revolverheld - live
Revolverheld - live
Revolverheld - live


Für die Aufnahme-Sessions habt ihr zwei Wochen in Dänemark verbracht. Wie war es dort?
Johannes: "Das war wahnsinnig entspannt. Du musst dir vorstellen, die ganze Band macht zwei Wochen lang Urlaub in Dänemark und liegt auf der Wiese, spielt Tennis und Golf, geht joggen oder springt in den Pool. Das ganze während der Schlagzeuger drinnen einen Song nach dem anderen malocht. Danach waren wir aber in Köln und wir mussten ran. Da hatte er dann frei."

Auf Myspace können sich Fans bei euch bewerben, um einen Tag lang Roadie für Revolverheld zu sein. Wie kamt ihr auf diese Idee?
Johannes: "Ach, wir fanden die Idee ganz niedlich. Wenn ich mir vorstelle, dass ich mit der Band, die ich cool finde, auf der Bühne stehen und denen die heiligen Gitarren geben kann, da würde ich komplett ausrasten. Wir konnten uns vorstellen, dass sich Menschen darüber freuen, weil wir uns darüber freuen würden und deswegen läuft das jetzt. Ich bin mal gespannt, wer mir dann auf der Bühne die Gitarre reicht."
Kristoffer: "Ich glaube, das ist eine ganz gute Chance, ein Konzert auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Von der Bühne aus ins Publikum zu gucken – ich glaube, das ist ein ganz anderes Ding, als im Publikum zu stehen."

In Internet-Foren wird hitzig über eure Stilrichtung diskutiert. Mal seid ihr zu Indie, mal zu sehr Pop oder generell zu Mainstream. Was haltet ihr von diesen Debatten?

Johannes: "Das ist eine lustige Diskussion, aber da kann man nur diesen klassischen Satz sagen: Warum muss man immer in eine Schublade gesteckt werden? Natürlich machen wir Musik, die ein bisschen Mainstream ist, aber was ist schon Mainstream. Bloc Party verkaufen wahnsinnig viele Platten, sind die jetzt noch Indie oder Mainstream? Wir machen ein-fach die Musik, auf die wir Bock haben und das ist mal pop-pig, mal rockig und mal scheiße."
Kristoffer: "In solchen Foren spielen viele Leute darauf an, dass das, was wir machen, nicht echt ist. Man muss ja auch sagen, von Beginn dieser Band an hat es uns irgendwie Spaß gemacht, in gewisser Weise auch zu polarisieren und Meinun-gen zu bilden. Wir wollten es nie jedem recht machen. Muss man ja auch nicht."

Über die Jahre habt ihr schon zahlreiche Konzerte gegeben - sowohl vor großem, als auch vor kleinem Publikum. Was war bisher der beeindruckendste Auftritt für euch?
Kristoffer: "Wir hatten ein paar wahnsinnig coole Auftritte, an die wir uns ewig erinnern werden. Eins unserer größten Highlights war auf jeden Fall am Tag der Deutschen Einheit vor fast einer Millionen Leute am Brandenburger Tor zu spie-len. Rock am Ring und Rock im Park war die Erfüllung unserer Jugendträume. Wir waren auf derselben Bühne wie Velvet Revolver. Mit Scott Weiland, Slash, Matt Sorum von Guns N’ Roses, das war schon echt krass, muss man sagen. Wir haben auch ein Foto mit Scott Weiland gemacht, der allerdings ganz schön zugedröhnt war. Aber er sah echt verdammt cool aus, mit Poncho, Hut und Sonnenbrille, wie ein Cowboy."

Wenn ihr auf Tour seid, hängt ihr ständig aufeinander. Geht ihr euch auch mal auf die Nerven?
Kristoffer: "Nee, eigentlich überhaupt nicht. Das ist jetzt so gewachsen, wir sind ja alle gute Freunde. Das sage ich jetzt nicht nur, das ist tatsächlich so. Wir wissen ganz genau, dass man Abstand lassen muss, wenn man auf so engem Raum zusammen ist und jemand mal genervt ist. Man weiß auch ganz genau, wann dieser Punkt bei den Leuten ist, weil man sich einfach so gut kennt und dann klappt das echt gut. Ob-wohl wir uns so oft sehen, machen wir sogar noch zusammen Party, wenn wir zuhause in Hamburg sind."
Johannes: "Einmal im Monat machen wir Diskussionsrunden, dass wir uns treffen und einmal die emotionalen Themen besprechen. Dann stauen sich nicht so große Sachen auf."

Revolverheld beim EM-Fan-Fest in Hamburg 2008 (21 Bilder)


Macht ihr euch Gedanken, was passiert, wenn es mit der Karriere mal nicht mehr so gut läuft?
Johannes: "Nö, im Moment nicht. Bei uns hat im letzten Jahr irgendwie die große Entspanntheit Einzug gehalten. Das ist alles gerade so selbstverständlich. Und wenn das Album jetzt nicht läuft, dann ist das halt so. Wir hatten echt super Jahre und ich glaube total an dieses Album und glaube auch, dass wir damit noch eine gute Tour spielen können. Im Ernst, uns macht das so viel Spaß, wenn es jetzt irgendwann ein bisschen kleiner wird – ok, dann ist das halt so. Und wenn es noch größer wird, ist das auch in Ordnung."
Kristoffer: "Es gibt keinen wirklichen Plan B. Das ist einfach unser Leben. Wir haben alles dafür gegeben, Musik machen zu können und wir wollen nichts anderes machen." (Svenja Mertens)

Die Tourdaten:

13.04.2010 Hannover/Musikzentrum
14.04.2010 Dresden/Beatpol
17.04.2010 Görisried/Festival
18.04.2010 München/Backstage
20.04.2010 A-Wien/Szene
21.04.2010 Stuttgart/Röhre
22.04.2010 Köln/Live Music Hall
23.04.2010 Berlin/Lido
25.04.2010 Hamburg/Große Freiheit

[Svenja]

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www.revolverheld.net

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