"Da Da Da"

Sido im Interview

published: 21.05.2010

Sido hat seine Maske gegen eine Brille getauscht (Foto: Public Address) Sido hat seine Maske gegen eine Brille getauscht (Foto: Public Address)

Seit seinem Bestehen steht das Label "MTV Unplugged" für eine Reihe besonders exklusiver Konzerte bekannter Musiker. Meist im Rahmen eines gemütlichen Clubkonzerts dürfen ausgewählte Megastars der Musikszene ihr Programm spielen. Allerdings gilt: Stecker raus, alles wird ohne den Einsatz elektronischer Instrumente eingespielt. Die Unplugged-Konzerte von Nirvana oder Eric Clapton haben zweifelsohne längst Kultstatus erreicht.

Wer hätte gedacht, dass unter wenigen deutsche Künstlern jetzt ausgerechnet Sido diese Ehre zuteil wird? Seinen Beitrag zur steckerlosen Musikgeschichte liefert er natürlich aus Berlin, aus seinem Block. Scoolz trifft einen ziemlich entspannten Sido zum Interview im Universal Gebäude über den Dächern von Berlin. Während er an der ein oder anderen Weintraube knabbert, gibt Sido bereitwillig Auskunft über sein neustes Projekt "Sido MTV Unplugged – Live aus'm MV".

Es gab bisher nur sechs deutsche Künstler, die ein "MTV Unplugged"-Konzert aufnehmen durften. Jetzt gehört auch Sido zu diesem erlauchten Kreis. Wie kam es dazu?
Sido: "Die MTV-Leute haben bei Universal nachgefragt, ob ich das machen will. Ob ich das machen will - was ist das für eine Frage?! Bei Universal kommen öfter Anfragen herein, aber manchmal springen die Leute dann wieder ab. So habe ich das gesehen, ich habe es nicht wirklich geglaubt."

Dann wurde es aber doch relativ schnell in die Tat umgesetzt?
"Ich wurde gefragt, welche Songs ich spielen will. Ich habe dann eine Trackliste abgegeben und gesagt: 'Ich will 'Da Da Da' mit Stephan Remmler machen.' Ich habe einfach ganz utopische Sachen aufgeschrieben und nie gedacht, dass das so stattfinden wird. Irgendwann hat mich dann einer aus meiner Band angerufen und gesagt: 'Ich probe schon für den 'Unplugged'. Da habe ich gedacht: 'Ach du Scheiße!'."

Sido (14 Bilder)

Sido
Sido
Sido
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Hast Du in der Tracklist alle Songs untergebracht, die Du bei dieser Gelegenheit spielen wolltest? Oder gab es auch etwas, das Du gerne spielen wolltest, MTV aber abgelehnt hat?
"Nein, ich durfte alles so machen. Jeder Song, der auf meiner Tracklist stand, durfte auch gespielt werden. Sie haben sich auch keinen gewünscht. Es gibt von MTV-Seite natürlich ein paar Auflagen: wie man sitzen muss, dass das Publikum sitzen muss, dass man mindestens einen Feature-Gast dabei haben muss. Man braucht einen komplett neuen Song und einen Coversong. Das sind die Auflagen, die man von MTV kriegt, und die habe ich alle erfüllt."

Würdest Du sagen, dass es so etwas wie ein Ritterschlag in Musikerkreisen ist, ein "MTV Unplugged"-Konzert aufzunehmen?
"Wie lange gibt es MTV jetzt? Vielleicht 20 Jahre. In dieser Zeit haben es sieben deutsche Leute zum 'MTV Unplugged' gebracht. Und davon bin ich einer. Das ist eine große Nummer. Auch wenn man ehrlich sagen muss, dass MTV kaum noch Videos spielt. Wenn man sein Video bei Youtube hat, sehen es mehr Leute als bei MTV. Aber es ist immer noch eine Prestige-Sache, dass dein Video da läuft und MTV dich mag. 'MTV Unplugged' hat allen Künstlern, die das bis jetzt gemacht haben, einen Schritt nach vorne geholfen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber mit den Sportfreunden Stiller war es nach ihrem Fußball-Hit ja eigentlich vorbei. Dann haben sie das 'MTV Unplugged' gemacht und auf einmal sind sie wieder extrem im Gespräch - und das Ding verkauft sich gut."

Neben Berliner Kollegen wie K.I.Z. und Kurt Krömer hast Du auch Stephan Remmler von Trio eingeladen. Der ist jüngeren Sido-Fans nicht unbedingt mehr ein Begriff. Wie kam es dazu, dass Du mit ihm "Da Da Da" singen wolltest?
"Meine Mutter erzählt gern die Anekdote, dass ich mit zweieinhalb oder drei Jahren mit Windeln um und Kopfhörer auf dem Kopf vor dem Radio stand und die ganze Zeit 'Da Da Da' gesungen habe. Jedes Mal, wenn dieses Lied kam, bin ich wohl extrem abgegangen. Das muss mit zwei, drei Jahren mein Lieblingslied gewesen sein. Und es hat sich über die Jahre gehalten, es war ein Song, der mich immer begleitet hat. Ich habe mich immer mehr dafür interessiert, wie dieses Lied gemacht wurde und wer die Leute sind. Bei Trio und besonders Stephan Remmler kenne ich mich ziemlich gut aus. Ich bin ein großer Fan."

"Live aus'm MV", also dem Märkischen Viertel, lautet der Untertitel des "MTV Unplugged" Konzerts. Dabei geht es um Deine Wurzeln: wo Du herkommst, Dein Leben, Dein Ursprung. War das Konzert deshalb persönlicher als andere Konzerte? Deine Mutter war da und auch Deine Freundin Doreen kam auf die Bühne und hat mit Dir gesungen...
"In Berlin sind meine Mutter und die anderen privaten Leute von mir öfter da. Aber das Konzert war mir besonders wichtig, weil ich noch nie im Märkischen Viertel aufgetreten bin, also bei mir im Viertel. Wenn ich ein 'Unplugged' mache, dann da, wo ich herkomme, das ist für mich gar keine Frage. Ich habe die Fahne für mein Viertel seit 'Mein Block' hoch gehalten. Ich habe es mir auch tätowiert. Man weiß einfach, von wo in Berlin Sido kommt. Eigentlich wollte ich das "MTV Unplugged" auf dem Dach machen."

Auf einem Hochhausdach?
"Ja. Ich habe mir das so vorgestellt: Die Leute kommen gegen 18 Uhr und es wird immer dunkler. Irgendwann siehst Du die Lichter angehen und man sieht die Skyline. Das wäre cool gewesen! Aber wohl zu gefährlich. Erstmal ging es darum, dass die Gäste nicht runterfallen. Und es ging auch vom Ton her nicht. Dann wollte ich es in meinem Hof machen, in dem ich immer rumgehangen habe, aber da wäre es wegen der Echos nicht gegangen. Also haben wir es dann in einen Theatersaal im Märkischen Viertel verlegt. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich darin nur einmal eine Dinosaurier-Ausstellung gesehen mit so zwei, drei Plastikdinosauriern. Mehr war da nicht los. Aber großartig, dass es den Saal gibt. Vielleicht dachten die damals schon: 'Wir brauchen so ein Ding bestimmt, da wird eines Tages ein großer Junge hier aus dem Viertel kommen'. In dieser Halle haben wir dann die Situation nachgebaut, dass wir bei mir auf dem Hof sitzen."

Wie war die Zusammenarbeit mit dem New Yorker Künstler Ray King, der auf leeren Farbeimern trommelt?
"Ich wollte diesen Typen unbedingt haben - den aus dem U-Bahnhof, von dem man immer redet, wenn man aus New York wiederkommt. Mehr HipHop als Ray geht nicht. Auch wenn der einen Technobeat auf seinem Eimer spielt, ist das für mich HipHop, einfach Straße. Zu den Eimern gehört eine spezielle Technik, das können auch gelernte Schlagzeuger nicht. Weißt du, der sitzt jahrelang am New Yorker U-Bahnhof auf seinen Eimern, spielt und verdient damit sein Geld... Für mich ist das HipHop pur. Ich feiere den auch krass."

Bekommt Deine Musik durch die vielen anderen Instrumente, zum Beispiel die Geige, eine andere Qualität?
"Die Songs, in denen wir die Geige benutzt haben, haben im Original auch eine Geige. So etwas wie ein Orchester benutze ich schließlich ganz gerne mal für Songs. Ich wollte es im Konzert aber so organisch wie möglich machen: Für ein Orchester hätte man mehrere Geigen gebraucht, ich habe nur eine Geige da. Wir haben auch nur zwei Bläser. Im Orchester gibt noch viel mehr Instrumente, aber auf so was haben wir verzichtet. Ich wollte es so roh wie möglich."

[Pia]

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Links

www.sido.de

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