CD-Tipp

The Killers - "Sam's Town"

published: 03.10.2006

The Killers - "Sam′s Town" (Foto: Universal) The Killers - "Sam′s Town" (Foto: Universal)

Im Jahre 2004 veröffentlichten die Jungs aus Las Vegas ihr Debut-Album „Hot Fuss“ und konfrontierten überraschte Hörer mit Hits wie „Somebody Told Me“ oder „Mr. Brightside“. Indie-Rock gepaart mit Synth-Pop-Einlagen und verfremdetem Gesang sorgten bei Fans und Kritikern gleichermaßen für Aufsehen. Das Auftreten von Sänger Brandon Flowers, der versuchte, Rosa-Lipgloss und Eye-Liner für Männer zu etablieren, tat sein übriges.
Wo wir gerade bei Äußerlichkeiten sind: Schon auf der Rückseite des Covers ihres Albums „Sam's Town“ ist eine Veränderung der Band nicht von der Hand zu weisen. Mann trägt jetzt Bart statt Make-Up, an Stelle weißer Jacketts ist nun Western-Look angesagt.

Zurück zur Musik: „Sam's Town“ wird nach dem gleichnamigen Titel-Track durch ein „Enterlude“ eröffnet. Kopfkino an – Alltag raus. So oder so ähnlich könnte das Konzept der Killers zu diesem Album ausgesehen haben. Am Ende des Trips steht, logisch, ein „Exitlude“, das den Hörer wieder in die Wirklichkeit entlässt.
Highlights des Albums sind das eingängige „When You Were Young“, das auch die erste Singleveröffentlichung ist und „Bones“. Hier wird das musikalische Instrumentarium sogar um Bläser erweitert. So kennen und mögen wir die Killers. „Read My Mind“ bietet einige der selteneren Pop-Momente auf dem sonst eher rockigen Album. Die durchgängig präsenten melodischen Gitarrenriffs treten hier ausnahmsweise in den Hintergrund und dienen fast ausschließlich der musikalischen Untermalung.

Wurde von Kritikern bei „Hot Fuss“ der zu technische und kühle Sound moniert, bietet „Sam's Town“ keine Angriffsfläche für Nörgeleien dieser Art. Der Gesang ist immer noch charakteristisch, nun aber zweifellos „menschlich“, der Sound klingt erdiger und einige Gitarrenriffs, unter anderem bei „This River Is Wild“, erinnern stark an U2. Dieser Eindruck ist schnell erklärt: Produziert wurde das Album von Flood und Alan Moulder, die schon an dem legendären Album „Joshua Tree“ von U2 mitgearbeitet haben. Trotz dieser kleinen Anlehnung verleihen die vier ihrem Album eine ganz persönliche Note: In alter Killers-Manier konnte natürlich nicht auf ausladende Synthesizer-Passagen verzichtet werden.

Während auf ihrem Erstling beinahe jeder Song das Potential zur Single-Auskopplung hatte, sind die Tracks auf „Sam's Town“ weniger ohrwurmgefährlich und bedürfen mehrmaligen Hörens, bevor sie sich dem Hörer erschließen. Seltsam bleiben auch nach öfterem Genuss einige Synthi-Sünden (Teile von „Read My Mind“)und beinahe komische Männerchöre auf dem sonst schönen „Bones“. Niemandem, abgesehen vielleicht von Queen und Meat Loaf, kann man so etwas durchgehen lassen, ohne darüber schmunzeln zu müssen. Denjenigen, die sich dadurch nicht entmutigen lassen und sich das Album trotzdem weitere Male zu Gemüte führen, wird „Sam's Town“ mit Sicherheit einige schöne Momente bereiten.

[Franziska Zölzer]

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