Lang Lang im Porträt

Klassik aus dem Reich der Mitte

published: 01.11.2006

Lang Lang grüßt Deutschland - vor der Drachenskulptur, mit der Hamburg China seine Referenz erweist (Foto: Public Address) Lang Lang grüßt Deutschland - vor der Drachenskulptur, mit der Hamburg China seine Referenz erweist (Foto: Public Address)

Die Biographie des chinesischen Star-Pianisten Lang Lang klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein. Nach eigenen Angaben hat eine Folge der Cartoon-Serie „Tom und Jerry“ die Liebe des damals Zweijährigen zur klassischen Musik und speziell zum Klavier geweckt. In dieser Folge beeindruckte Kater Tom den jungen Lang Lang mit der Interpretation der Zweiten Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt. Ein Eindruck, der das Schicksal Lang Langs zu besiegeln schien.

Geboren am 14. Juni 1982, nahm Lang Lang bereits im Alter von fünf Jahren an seinem ersten Klavierwettbewerb teil. In den folgenden Jahren verwies er eine Reihe hochbegabter junger Pianisten bei internationalen Wettbewerben auf die Plätze, tourte mit seinen Interpretationen von Werken hochgeschätzter Komponisten um die ganze Welt und schaffte in seiner Heimat, was hierzulande lediglich Künstlern wie Robbie Williams gelang – gleich mehrere Generation Frauenherzen liegen dem sympathischen Künstler zu Füßen.

Es ist ein sonniger Tag in Hamburg, an dem Lang Lang auf einem Alster-Boot sein neues Album „Dragon Songs“ der Presse vorstellt. Anders als bei seinen bisherigen Veröffentlichungen, sind auf dieser CD ausschließlich chinesische Klänge zu vernehmen. „Mit dieser Musik bin ich aufgewachsen,“ erklärt der Pianist. „Und jetzt, nach all den Jahren und etlichen Aufnahmen der großen europäischen Komponisten, sah ich den passenden Zeitpunkt gekommen, ein Album mit chinesischer Musik zu produzieren.“

Die Feuilletons deutscher Zeitungen überschlagen sich bereits seit geraumer Zeit vor Begeisterung für den jungen Chinesen. Kaum ein Musikredakteur, der nicht in die Lobgesänge über Lang Langs Interpretationen der Musik von Chopin und Rachmaninov einstimmt. Umso mutiger ist es da von ihm, an diesem vielversprechenden Punkt seiner Karriere ein komplettes Album mit ausschließlich chinesischen Werken herauszubringen.

Unterhielt auf dem Alsterdampfer musikalisch - der chinesische Pianist Lang Lang (Foto: Public Address)Unterhielt auf dem Alsterdampfer musikalisch - der chinesische Pianist Lang Lang (Foto: Public Address)

Was im ersten Augenblick noch plausibel erscheint, klingt für denjenigen, der sich schon einmal chinesische Fünftonmusik zu Gemüte geführt hat, nach einer großen Herausforderung. Denn das bedeutet es für europäisch-geprägte Ohren, die an diese Art von Musik herangeführt werden. Lang Lang ist sich dieses Risikos durchaus bewusst: „Das Problem für mich bestand darin, eine Verbindung zwischen diesen beiden völlig unterschiedlichen musikalischen Stilen herzustellen, um sie für beide Seiten interessant zu machen. Allerdings wollte ich es nicht so wie die chinesischen Restaurants in Europa oder den USA machen. Die haben Pommes Frites auf ihrer Speisekarte und verkaufen das als chinesisches Menü - das ist dann wirklich nicht mehr authentisch,“ lacht der 24-Jährige.

Entstanden ist das Werk „Dragon Songs“ auf seiner Tour durch China, bei der Lang Lang mit mehreren Orchestern auftrat und ebenfalls mit traditionellen chinesischen Instrumenten experimentierte. „Ich habe auf dieser Tour viel über meine Wurzeln gelernt,“ so Lang Lang, der bereits im Alter von 14 Jahren in die USA gezogen war, um dort am renommierten Curtis Institute in Philadelphia zu studieren. „Durch diese Eindrücke finden sich die kulturellen Einflüsse der beiden extremen Gegensätze unweigerlich in meiner Musik wieder.“

Nun lässt Lang Lang Taten sprechen und die Anwesenden können sich live von dem Ergebnis seiner neuesten Arbeit überzeugen. Auf einem extra angelieferten Steinway-Flügel gibt Lang Lang eine beeindruckende Kostprobe von seiner neuen CD, während das Boot an verwunderten Rudersportlern vorbei über die Alster schippert.

Tourdaten
30.11.2006 Stuttgart/Liederhalle
02.12.2006 Baden-Baden/Festspielhaus
07.12.2006 Berlin/Philharmonie
08.12.2006 Berlin/Philharmonie
09.12.2006 Berlin/Philharmonie
16.12.2006 Bremen/Die Glocke
17.12.2006 Hamburg/Laeiszhalle
18.12.2006 Essen/Philharmonie
19.12.2006 Hannover/Funkhaus
21.12.2006 Leipzig/Gewandhaus
22.12.2006 Leipzig/Gewandhaus
16.06.2007 Hanau/Schloss Philippsruhe
17.06.2007 Stuttgart/Schlossplatz
20.06.2007 Salem/Schloss Salem
21.06.2007 Köln/Roncalliplatz
22.10.2006 Köln/Roncalliplatz
23.06.2007 Berlin/Waldbühne
27.06.2007 Berlin/Staatsoper unter den Linden
28.06.2007 Berlin/Staatsoper unter den Linden

[Franziska Zölzer]

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