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Virginia Jetzt! im Porträt

Von Drummern und Popstars

published: 03.12.2006

Virginia Jetzt! melden "Land unter" (Foto: Public Address) Virginia Jetzt! melden "Land unter" (Foto: Public Address)

Im Hinterzimmer einer Konzertlocation sitzen die vier Jungs von Virginia Jetzt! und plaudern über ihr neues Album "Land unter", das am 19. Januar 2007 in die Läden kommt. Das Gespräch dreht sich um ihre eigentümliche Wandlung hin zu düsteren, schmerzhaften Songtexten, ihre gerade gespielte Tour durch Deutschlands abgelegenste Jugendzentren und die Frage, ob die Wiedervereinigung ihnen als Brandenburgern Bezugspunkte der Jugend genommen hat oder nicht.

Mit der Zeit entpuppt sich VJ! als als Quartett getarntes Trio – zumindest, was ihre außermusikalischen Aktivitäten angeht. Drummer Angelo Gräbs sitzt dabei und schweigt, schaut, schweigt. Schweigt hauptsächlich, eigentlich durchgängig. Eigentlich...

„Wir möchten uns in der Musik nicht wiederholen. Bei den Songs haben wir den positiven Ausblick, das Hoffnungsmoment bewusst weggelassen, um den Schmerz nicht zu relativieren“, erklärt Songschreiber Thomas Dörschel. Durch die Texte zieht sich im Gegensatz zu der rosarot gefärbten Attitüde vorheriger Alben ein melancholischer Faden der Hoffnungslosigkeit. Und auch, was klanglich recht schwungvoll powerpoppig mit „Weit weg“ oder „Bitte bleib nicht, wenn Du gehst“ beginnt, wird spätestens ab dem Titeltrack „Land unter“ zu einer Scheibe, die das Herz ein wenig schwerer macht. Die Songs fließen wütend und traurig vorüber, selbst der stumme Angelo schaut bei diesem Thema etwas betroffen.

Vor kurzem machte sich VJ! auf, um die Jugendzentren der Metropolen Worpswede, Schmalkalden oder Nünchritz mit ihren neuen Songs zu beglücken. „Da kamen ganz unterschiedliche Leute, bis hin zu Korn-T-Shirt-Trägern. Das macht die Sache so spannend: Zu sehen, ob man es trotzdem schafft, die Leute zu kriegen“, beschreibt Sänger Nino Skrotzki die Motivation der Band, „Immer klappt es nicht, aber wenn, ist es viel befriedigender als bei einem normalen Konzert.“ Bassist Mathias Hielscher fügt hinzu: „Es waren die kleinen Momente, die nicht abschätzbar waren, die es so besonders gemacht haben.“ Angelo bleibt still...

Als sich das Gespräch langsam dem Ende zuneigt, hat ihn immer noch nichts dazu bewegen können, sein Schweigen zu brechen. Vielleicht gehört das zum Drummer-Dasein dazu, denke ich mir gerade, und stelle nichts ahnend die zündenden Fragen: "Habt ihr die Popstars-Staffel verfolgt? Gefallen Euch die Mädels?"

Angelo richtet sich auf, holt tief Luft und spricht (!): „Ich bin zufrieden mit der Band!“ Das war´s. Ein einziger kleiner Satz, der mehr verrät als ein ganzes Interview. Die Illusion des etwas kauzigen, wortkargen aber coolen Drummers zerplatzt, übrig bleibt schnöde Realität. Wie passend äußert sich da Nino in der anschließenden Diskussion um Menschenwürde, Musik- und Unterhaltungswert einer Castingshow: „Jeder Mensch, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, lässt über sich richten. Das ist doch bei uns genauso.“ Nun denn, wer richten möchte, soll es tun.

[Franzisca Teske]

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