"Ich bin" und "Leben wir jetzt" sind bis jetzt als Singeauskopplungen des neuen Albums erschienen (Foto: Public Address) "Ich bin" und "Leben wir jetzt" sind bis jetzt als Singeauskopplungen des neuen Albums erschienen (Foto: Public Address)
Comeback mit Afro

Interview mit LaFee

LaFee startet eine Comeback: im Sommer 2011 wurde diese Meldung von vielen Fans begeistert aufgenommen. Doch "huch, wer ist denn das?", fragte man sich, als die ersten Fotos der "Virus"-Sängerin veröffentlicht wurden. Der Grufti-Gothic-Look war sexy Outfits gewichen. Das LaFee-Tattoo an der Schläfe war verschwunden, dafür befand sich plötzlich ein blonder Afro auf dem Kopf der Sängerin. Die freche Teenagerin hatte sich zu einer selbstbewussten Frau entwickelt.

LaFees Karriere hatte 2006 mit jungen 14 Jahren begonnen. Als Rockgöre mit frechen Texten schaffte sie es in Deutschland, Österreich, und der Schweiz erfolgreich zu sein. Nach drei veröffentlichten Alben kündigte sie 2009 überraschend eine Pause an. Jetzt ist die 20-Jährige zurück - mit ihrem neuen Album "Frei".




Die neue LaFee unterscheidet sich äußerlich sehr von der alten. Wie kommts?
"Ich brauchte einfach mal eine kleine Renovierung an mit selber. Ich musste etwas anderes machen, was neues ausprobieren."

Warum ein blonder Afro?
"Ich habe mich gefragt, 'hey, was gab es an mir selber und allgemein in Deutschland noch nicht' und mir ist aufgefallen, dass es noch keinen blonden Afro gab. Ich habe so viele Freunde um mich herum, die einen Afro tragen. Deshalb war dieser Gedanke für mich gar nicht so abwegig."

Wo ist das LaFee-Tattoo?
"Das ist verschwunden, weil ich der Meinung war, wenn ich schon mein komplettes Aussehen verändere, kann ich auch das verändern. Für mich war diese neue LaFee wie ein neuer Lebensabschnitt."

Inwiefern hattest Du Angst, dass deine Fans die Veränderung nicht mögen?
"Keine. Natürlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht,was meine Fans denken und dass es ihnen hoffentlich gefällt. Ich bin nicht mit einer scheiß-egal Haltung aufgetreten aber ich bin, wer ich bin und auch, wenn ich in der Öffentlichkeit stehe, bin ich trotzdem ein Mensch wie du und jeder andere, der einfach mal Bock hat, sich die Haare kurz zu schneiden oder blond oder pink zu färben. Und deshalb verstehe ich nicht, dass ich mir mehr Gedanken machen sollte als jeder andere.
Ich bin einfach ein Mädchen, das Bock hat, Sachen auszuprobieren und wem es nicht gefällt, der soll weggucken."

Wieso hast Du diese Pause gemacht?
"Ich brauchte einfach ein bisschen Zeit für mich, um es ganz kurz zu machen. Ich wollte Abstand nehmen, die Zeit für mich nutzen."

Wurde Dir damals zu viel zugemutet?
"Ne, aber es war natürlich schon ein ziemlich straffer Zeitplan. Natürlich habe ich nur Sachen gemacht, die ich machen wollte und ich habe mich nicht irgendwo hineindrängen lassen, das war schon meine eigene Entscheidung. Hätte ich irgendetwas nicht machen wollen, hätte ich das auch gesagt 'So Leute, das ist mir jetzt zu viel, das mache ich nicht'. Aber zu diesem Punkt ist es nie gekommen, weil ich von Natur aus ein ziemlich ehrlicher und direkter Mensch bin. Deshalb war alles eher entspannt. Ich habe mir einfach gesagt: 'So, ich habe das lange genug gemacht, jetzt will ich mir ein bisschen Zeit für mich nehmen, für meine Familie und nach der Pause weitermachen."

Es war Dir also von vornherein klar, dass Du wiederkommen wirst?
"Mir war es von Anfang an klar, dass ich nach der Pause weitermachen werde. Ein normales Leben, wie es beispielsweise meine Eltern haben, mit einem normalen Job, kommt für mich gar nicht mehr in Frage. Ich liebe das, was ich mache. Wenn irgendwann der Punkt kommt, an dem ich kein Album mehr veröffentliche und man nichts mehr von mir hört, würde es mich als Künstlerin trotzdem immer geben. Musik ist mein Leben, das gehört einfach dazu."

Während Deiner Pause hast Du Klavier spielen gelernt und angefangen Songs zu schreiben. Warum?
"Mir war es für meine künstlerische Weiterentwicklung wichtig. Mit 15 machst du natürlich nicht so viele Sachen wie mit 20. Wenn du gerade angefangen hast, nimmt dich jemand an die Hand und zeigt dir, wie alles funktioniert. Aber irgendwann kommt der Punkt, da willst du allein weiter gehen und willst dir auch selber beweisen, dass du eine Künstlerin bist, die so etwas kann, die klug und pfiffig ist."

Wie entsteht so ein Song?
"Bei 'Ich habe dich lieb' für meinen Vater habe ich mich beispielsweise hingesetzt und Sachen aufgeschrieben, die mir einfach so in den Kopf geschossen sind. Wie man den Text aufbaut, ist nicht so einfach zu erklären. Du setzt dich nicht hin und sagst 'Ich schreibe einen Song' bist dann fertig. Oft will man einen Song schreiben und hat ungefähr 60% und es fehlen die restlichen 40%. Da habe ich dann Unterstützung hinzugezogen, die mir geholfen hat, Sachen, die mir nicht eingefallen sind, dazwischenzusetzen oder etwas umzustellen."




Wie zufrieden bist Du mit dem Erfolg Deines Albums "Frei"?
"Sehr zufrieden. Die Chartsplatzierung 14 hat alles übertroffen, dass ich jemals erwartet hätte. Denn für mich, nach zwei Jahren Pause, ist das ja ein Comeback, wie man so schön sagt. Du kriegst nichts im Leben geschenkt und deswegen habe ich nie daran gedacht, dass mein Album auf 14 geht. Ich habe eher gedacht, dass es irgendwo in den 40ern, 50ern einsteigt. Das ist auf jeden Fall wichtig und das ist auch gut."

Was bedeutet der Albumtitel "Frei" für Dich?
"Ich habe mich das erste Mal während dem Zeitpunkt meiner Pause, frei gefühlt. Frei von Termindruck, frei von allem und deswegen habe ich mein Album so genannt."

Wie denkst Du heute über Deine Anfänge nach?
"Ich bin stolz, dass mich meine Fans und mein Team um mich herum so weit gebracht haben, aber ich bin auch stolz auf mich. Mit 14 gehört einiges dazu so ein Pensum, wie ich es damals hatte, durchzuziehen. Normalerweise bist du in der Pubertät und zickst herum und ich habe gearbeitet. Das muss mir erstmal jemand nachmachen."

[Laura]

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