CD-Tipp

Stefan Gwildis – "Heut ist der Tag"

published: 21.01.2007

Stefan Gwildis – "Heut ist der Tag" (Foto: 105music) Stefan Gwildis – "Heut ist der Tag" (Foto: 105music)

Natürlich ist es eine grundsätzliche Frage, ob man deutschsprachige Cover-Versionen englischer Titel für tolerierbar hält oder nicht. Wer mit ihnen leben kann, dem wird Stefan Gwildis sicherlich schon das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen sein. Den anderen vielleicht auch. Während auf seinen letzten beiden Alben neu bearbeitete Titel fremder Federn die Essenz ausmachten, finden sich jetzt auf „Heut ist der Tag“ mehr als die Hälfte eigene Songs.

Mit dem Titelsong schafft der Hamburger einen leichten Einstieg, der in gewohnter Manier Herz und Seele öffnet. Wenn nur nicht, ja wenn nur nicht am Horizont plötzlich Pur-Sänger Hartmut Engler aufzutauchen schiene. Augen zugemacht und durch - vorerst bleibt dies der einzige Phantomauftritt des deutschen Schnulzenkönigs.

Ja, es gibt sie immer noch, die bearbeiteten Hits großer Musiker wie Lou Rawls oder Neville Brothers. Aus "Dancing In The Street" von Martha and the Vandellas wird "Tanzen übern Kiez", das jede Hamburger Seele erfreuen wird. Und für die deutsche Version von "Lean On Me" der Soul-Legende Bill Withers unterstützt Gwildis Laith Al-Deen.

Dennoch ist dieses Album anders. Spätestens zum Ende des dritten Tracks verlässt Gwildis vertrauten Boden und betritt Neuland. Mit "Amelie" geht der Barmbeker ungewohnt gospelige Wege, die man so nicht von ihm erwartet. Es fällt schwer, das Gehör von einer gelungenen Kombination seiner raspeligen Soul-Stimme mit spirituellen Motiven zu überzeugen, was vielleicht auch an den mannigfaltigen und wenig religiösen Assoziationen zusammenhängt, die sein rauchiges Organ auslöst.

Eher Gwildis-kompatibel präsentieren sich "Irgendwas geht immer" oder "Anker werfen – Segel setzen". Mit liebesschwangeren Texten und entspannter Fluss-Ufer-Atmosphäre wiegen sie den Hörer in Sicherheit, bis sich klammheimlich und fürchterlich hartnäckig auch hier wieder das Engler-Gespenst einschleicht. Ein grooviges Highlight beschert dem noch etwas erschreckten Lauscher dann aber "Geht Klar!". Dieser Song leitet mit launigen Bläsern und Big-Band-mäßigem Background einen versöhnlichen Abgang ein.

Der Hidden-Track "Hinter den Gardinen" liegt nicht nur durch seine verborgene Position abseits des restlichen Geschehens, widmet er sich doch einer ernsteren Thematik als die übrigen Nummern. Gwildis, der sich stark für die Opferhilfe-Organisation "Der Weiße Ring" engagiert, wagt mit diesem Song einen Blick hinter die aufgeräumte Fassade des Alltags.

Der 48-Jährige verbrachte übrigens zur Vorbereitung für das neue Album mit seiner Band einige Zeit in Umbrien. Seine Texte transportieren einen Hauch dieser südlichen Leichtigkeit. La dolce vita könnte so perfekt sein...aber fangen wir nicht wieder davon an.

Auch wenn einige Stücke nicht ganz rund klingen und selbst den geneigten Fan nicht immer ohne Zweifel zurücklassen, möchte man doch das ganze Album hindurch eine Frage loswerden, die Christine Westermann dem Sänger einmal stellte: "Herr Gwildis, wissen Sie eigentlich, wie sexy Sie sind?". In diesem Sinne, "Geht Klar!".

[Franzisca Teske]

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www.stefangwildis.de

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