"Eine gewisse Spannung"

Kim Frank im Interview

published: 07.02.2007

An seinem Album "Hellblau" arbeitete Kim Frank drei Jahre  (Foto: Public Address) An seinem Album "Hellblau" arbeitete Kim Frank drei Jahre (Foto: Public Address)

Vor acht Jahren war Kim Frank da, wo Tokio Hotels Bill Kaulitz heute ist: ganz oben auf dem Teenie-Thron. Erspielt hatte er sich den Erfolg mit seiner Schülerband Echt und Teenager-Stücken wie "Wir haben’s getan" und "Alles wird sich ändern". Das zweite Album mit hymnischen Songs wie "Weinst Du?", "Du trägst keine Liebe in Dir" kauften auch Erwachsene. Viel Lob bekamen die Flensburger für das Rio-Reiser-Cover "Junimond".

Dann verstand sich die Band nicht mehr, der dritte Echt-Longplayer floppte und der Sänger hatte mit sich selbst alle Hände voll zu tun. Nach jahrelanger Auszeit und einem Ausflug ins Filmgeschäft will Kim Frank es jetzt wieder wissen: Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest tritt er am 9. Februar mit seiner ersten Solo-Single für Schleswig-Holstein an. "Lara" ist der Vorbote für das Album "Hellblau", das in Hamburg aufgenommen wurde. Frank Plasa produzierte, der schon bei Echt für die dichte Klangkulisse sorgte. Auf internationalem Niveau bewegt sich auch der Videoclip zu "Lara", den doch tatsächlich der Kameramann filmte, der auch den Brad-Pitt-Hit "Babel" drehte.

Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Kim Frank: "Wir wollten ein ‚Ostseevideo’ drehen und das konnte man hier im Dezember nicht - wir hatten kein Licht und nur schlechtes Wetter. Dann sind wir nach Buenos Aires und haben das Video dort gedreht, weil es da tatsächlich Küsten gibt, die ganz genauso aussehen. Dieser Kameramann lebt in Buenos Aires und hatte gerade Zeit."

Kim Frank fühlt sich in Stoffhosen wohler als in Jeans (Foto: Public Address)Kim Frank fühlt sich in Stoffhosen wohler als in Jeans (Foto: Public Address)

Du hast in Leander Haußmanns Film "NVA" als Schauspieler vor der Kamera gestanden. Hast Du weitere Pläne für eine Filmkarriere?
"Ja, schon. Aber ich bin ein Freund von eins nach dem anderen - von daher steht erst einmal Musik an. Und ich würde jetzt - außer Hollywood klopft an die Tür - alles absagen, was filmemäßig reinkommt, um Zeit zu haben, viel live zu spielen."

Warum ist es so wichtig für Dich, live zu spielen?
"Ich mag diesen Energieaustausch mit dem Publikum unheimlich gerne. Das kann man mit nichts vergleichen, das ist ein ganz besonderes Gefühl und dann doch nicht so speziell, wie viele denken. So wie man auch vor dem ersten Sex glaubt, das es etwas ganz Besonderes ist, was sich dann auch relativiert. Es ist etwas Einzigartiges und Tolles, je nachdem mit wem, aber dann doch nicht so unfassbar."

Wie viel Zeit hast Du Dir für das Projekt "Soloalbum" gesetzt?
"Ich habe schon drei Jahre daran gearbeitet und jetzt werde ich auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Leute mitbekommen, dass es da ist, damit sie es hoffentlich kaufen. Im Sommer will ich viel live spielen, im Herbst hoffentlich eine eigene Tour. Und dann könnte ich mir vorstellen, direkt nächstes Frühjahr wieder ins Studio zu gehen. Ich glaube, ich habe genügend Ideen, um sofort das nächste Album zu machen."

Wie fühlst Du Dich so kurz vor der Veröffentlichung der Single, wenn alles schon pulsiert?
"Da ist eine gewisse Spannung, die sich erst lösen wird, wenn die Single tatsächlich draußen ist und man weiß, ob das genug Leute
mitbekommen haben oder nicht."

Nach dem Bundesvision Song Contest, werden es ja ein oder zwei mitbekommen haben. Wie schätzt Du dort Deine Chancen ein? Es machen ja ein paar bekannte Acts mit wie Jan Delay, MIA., Pohlmann…
"Das ist auch der Grund, warum ich mitmache. Das Umfeld gefällt mir: Ich mag Jan Delay, ich mag MIA, ich mag Tele sehr, ich mag Pohlmann. Ich fühle mich da in guter Gesellschaft. Auch wenn das ein freundschaftlicher Wettkampf ist, fände ich es grausam, wenn ich nur gegen Leute antreten müsste, die ich nicht mag. Ich weiß nicht, ob ich gewinnen kann oder nicht, aber ich persönlich finde tatsächlich, dass ich das stärkste Lied habe. Vielleicht haben andere eine größere Fanbase oder eine bessere Show auf der Bühne. Bei vielen ist es die dritte oder vierte Auskopplung aus dem Album. Ich habe mir die alle schon angehört und finde, das "Lara" die stärkste Nummer ist."
Gab es wirklich eine Lara in Deinem Leben?
"Ja, aber die heißt nicht so. Das ist natürlich nur ein Pseudonym. Aber es gab diesen Moment der Trennung tatsächlich, ja. Ich hatte eine lange Beziehung, über vier Jahre."

Aber das war nicht Enie van de Meiklokjes, die Fernsehmoderatorin, oder?
"Nee. Mit Enie war ich mal vier Monate zusammen, als ich 17 war."

Hast Du noch Kontakt zu Deiner alten Freundin, von der "Lara" handelt?
"Ja, wir telefonieren hin und wieder. Sie ist jetzt auch extrem interessiert, wie die Platte ankommt. Durch Zufall, das war keine Absicht, hat sie die Platte als erste gehört und sie fand sie sehr, sehr gut. Sie fand sie sehr toll - das war natürlich schön."

Sich "hellblau" zu fühlen, bedeutet für Kim Frank, keine Sorgen zu haben (Foto: Public Address)Sich "hellblau" zu fühlen, bedeutet für Kim Frank, keine Sorgen zu haben (Foto: Public Address)

Dein Album hast Du "Hellblau" genannt und meinst damit eine bestimmte Stimmung. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Gefühl durch eine Farbe auszudrücken?
"Jemand hat mir mal in einem Nebensatz erzählt, dass er in Farben fühlt. Wenn er ein Gefühl hat, dann hat er dazu auch eine Farbe. Dann haben wir das durchgespielt: Was ist Rot, Lila? Was ist Gelb? Dann habe ich ihn nach Gefühlen gefragt und er hatte immer gleich eine Farbe parat. Und eines Tages war ich in so einer Stimmung beim Schreiben und überlegte: Wie fühle ich mich denn gerade? Da habe ich geschrieben, ich fühle mich blau. So kommt das dann. Hellblau bedeutet für mich ein Moment, in dem man keine Sorgen mehr hat."

Das ist interessant, weil im Englischen "to be blue" ja ein Ausdruck für eine traurige, melancholische Stimmung ist.
"Ja, Blues und so. Aber deswegen ja Hellblau."

Himmelblau?
"Hellblau ist ein bisschen offener, da denkt man gleich an Himmel - nach oben hin offen. Ich würde auch sagen, Blues ist dunkelblau. Dunkelblau ist ein sehr tiefes, melancholisches Gefühl."

Wie bist Du normalerweise drauf? Bist Du eher ein Sunnyboy oder ein Grübler?
"Ich bin kein konstanter Mensch."

Bist Du launisch?
"Nein, das auch nicht. Aber ich entdecke mich selbst jeden Tag neu. Ich weiß selber nicht genau, wie ich bin. Ich versuche tatsächlich, oft so zu sein, wie ich mich gerade fühle. Natürlich würde ich niemals auf einer Beerdigung laut loslachen, aber ich versuche schon, mich auszuleben. Dabei entdecke ich mich manchmal ganz neu. Dann denke ich manchmal: ‚Huch, wo kam das denn jetzt her?’"

Was macht Dir Spaß, wenn Du ein bisschen freie Zeit hast?
"Ich koche unglaublich gern, auch im Studio. Dann koche ich auch mal für alle, das sind zehn bis 15 Leute. Das ist dann richtig Arbeit."

Und was gibt’s da so?
"Bei so vielen mache ich natürlich keine schicken Sachen. Aber sie können sich eigentlich alles wünschen: Deutsche Sachen, Gulasch, Pasta, Königsberger Klopse, was weiß ich."

Der Sänger kocht gerne - ruhig auch mal etwas besser (Foto: Public Address)Der Sänger kocht gerne - ruhig auch mal etwas besser (Foto: Public Address)

Aber Du machst dann nicht einfach ein Päckchen mit tiefgefrorenen Königsberger Klopsen auf, oder?
"Nee, ich mache alles selber und ich kann alles. Letztens hat sich einer diese Lauch-Käsesuppe mit Hack gewünscht, kennst Du die? Seine Mutter ist wohl schon lange tot und die hat die immer gemacht."

Du hast ja früher mit Echt so ein Gekreische verursacht wie heute Tokio Hotel. Mit was für Gefühlen beobachtest Du das, was da mit Bill, Tom & Co jetzt abgeht?
"Ich kenne die Leute, die um die herum sind, und ich glaube schon, dass die auf die aufpassen."

Hast Du damals auf Dich aufpassen lassen? Ist das überhaupt möglich?
"Nicht von außen, sondern von denen, die jeden Tag um einen herum sind. Da ist ja eine feste Crew um dich und die bleibt ja, die ist jeden Tag da. Die kann dir extrem helfen, wie eine Familie. Natürlich waren das meine Angestellten und natürlich habe ich mir von denen nichts sagen lassen. Aber ein Umfeld mit Menschen, die dich lieben und die es gut mit dir meinen, die nicht nur Geld mit dir verdienen wollen, ist extrem wichtig. Und ich glaube, dass ist bei denen auch so."

Für Dich ist das also alles ganz in Ordnung?
"Am Anfang haben alle, die ernsthaft Musik machen, dagegen gewettert. Und ich immer: ‚Das ist doch schön, dass so etwas jetzt wieder funktioniert!’ Die Teenies hatten ja lange niemanden, wo sie richtig ausrasten durften. Das ist aber unglaublich wichtig für den Hormonhaushalt. Ich habe keinen Grund, warum ich Tokio Hotel nicht alles Gute wünschen sollte. Und generell freue ich mich über jede Band, die deutsch singt. Als wir das damals gemacht haben, war das überhaupt nicht üblich."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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www.kimfrank.de

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