"Der beste und beschissenste Job"

Beatsteaks im Interview

published: 18.02.2007

Thomas, Torsten, Peter, Bernd (v.l.) und Arnim (vorne) von den Beatsteaks (Foto: Public Address) Thomas, Torsten, Peter, Bernd (v.l.) und Arnim (vorne) von den Beatsteaks (Foto: Public Address)

Wie die netten Jungs von nebenan sitzen Arnim Teutoburg-Weiß, Sänger der Beatsteaks, und Torsten Scholz, Bassist, etwas verloren an einem riesigen Holztisch. Arnim trägt eine knallrote, zu große Wollmütze und eine schwarze Retro-Jacke mit weißen Punkten. Torsten versteckt die Hälfte seines Gesichts unter einem Cappy. Für Mitglieder einer Punkrockband, die vor allem für ihre berüchtigten Liveauftritte bekannt sind, wirken sie angenehm geerdet.

Am 30. März bringen die Beatsteaks ihr mittlerweile fünftes Album "Limbo Messiah" heraus, das für die hartgesottene Band untypisch melodisch geworden ist. Im Interview berichten Arnim und Torsten über ihre Liebe zur nationalen Volksarmee, verschwendete Zeit und was sie von der derzeitigen Diskussion über die RAF halten.
 

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Was ist Euer Lieblingsessen?
Arnim Teutoburg-Weiß: "Ich esse sehr gerne Torstens Salat und auch Torstens Bockwürstchen. Neulich hat er gefüllte Paprikaschoten gemacht, auch Wahnsinn. Alle in der Band sind sehr gute Köche, außer mir. Wenn ich nicht auf meine Jungs zurückgreifen kann, dann gehe ich auch mal ganz gerne zum Italiener oder zum `Kreuzburger´ in Berlin Kreuzberg."

Kochst Du gerne, Torsten?
Torsten Scholz: "Nur, wenn sich das ergibt. Arnim hat sich gefüllte Paprikaschoten gewünscht. Ich hab´ die noch nie gemacht. Das ist aber relativ einfach, gar keine Zauberei."

Wie oft seht Ihr Euch im Alltag, wenn Ihr nicht gerade auf Tour seid?
Torsten: "Wir haben uns seit Januar 2006 jeden Tag gesehen, so zwischen einer und 16 Stunden. Jetzt gibt es bald zehn Tage Urlaub. Ansonsten sehen wir uns das ganze Jahr, weil wir leider auch privat zusammen abhängen. Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann gehe ich mit den anderen, auch tanzen oder so."
 

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Die Beatsteaks sind für ihre Bühnenshow berühmt-berüchtigt (Foto: Public Address)Die Beatsteaks sind für ihre Bühnenshow berühmt-berüchtigt (Foto: Public Address)

Wie lebt Ihr?
Torsten: "Auf jeden Fall auf großen Füßen mittlerweile."
Arnim: "Ja, wir sind Plattenmillionäre und Geld spielt überhaupt keine Rolle."
Torsten: "Nee, ganz normal. Wir leben alle im selben Umkreis von ein bis zwei Kilometern in Friedrichshain und Kreuzberg, da kannst du mit dem Fahrrad innerhalb von zehn Minuten zum anderen fahren. Das ist wichtig."
Arnim: "Der eine hat Familie, der andere ist solo, also ganz normal. Bei uns gibt es eine große Altersspanne. Ich bin der Jüngste, Thomas ist der Älteste. Ich bin 32 und Thomas ist 38. Schon auf Grund des Alters sind wir da manchmal in verschiedenen Stadien."

Ein Freund von mir hat gesagt, er würde, anstatt Euch zu interviewen, lieber mit Euch einen trinken gehen. Was würde er mit Euch erleben?
Arnim: "Wenn er unseren Humor hat, einen sehr lustigen Abend."
Torsten: "Super Ansage finde ich, da muss ich mal ein Kompliment dafür sagen. Aber nur mit uns zum Saufen gehen und nichts dazu sagen, das geht auch nicht."
Arnim: "Wenn wir beide da sind, wird auf jeden Fall getrunken und über ganz viel Musik geredet."
Torsten: "Und abends muss er noch mit tanzen kommen, so gegen drei oder so."

Warum sind Eure Texte immer mehrdeutig?
Arnim: "2006 war eher ein gruseliges Jahr für mich. Aber für unseren Gitarristen zum Beispiel nicht, weil der Papa geworden ist. Wir müssen uns annähern, wie düster die Texte werden können oder wie fröhlich. Der Prozess ist immer sehr interessant."

Was war denn letztes Jahr so schlimm?
Arnim: "Och, das ist privat"
Glaubt Ihr, dass die Fans Eurer ersten Stunde immer noch dabei sind?
Torsten: "Ich glaube schon, bin ja auch noch mit dabei."
Arnim: "Wir haben ein sehr buntes Publikum, das ist der Hammer. Wir sind eine kleine Insel für die Leute. Die können sich darauf verlassen, Energie und etwas Ehrliches von uns zu bekommen. Und auf den Konzerten werden sie von uns unterhalten."

Gibt es noch Kontakt zu den Gründungsmitgliedern?
Arnim: "Ja, die kommen bei Konzerten vorbei und grinsen und sind stolz wie Bolle."

Haben die sich nie geärgert, dass sie abgesprungen sind?
Torsten: "Nee, die haben das gemacht, was sie wollten. Beide haben Kids, zwei sogar jeder, und Jobs. Die sind glücklich und verheiratet, also so, wie es angekündigt wurde. Die wollten die Musik nur als Hobby, hatten im Leben etwas anderes vor. Für mich wäre das zwar nichts, aber Ali ist immer noch eine coole Sau, trotz seiner zwei Kinder."

Was war bisher Euer Lieblings-Lebensalter?
Torsten: "Jetzt im Moment."
Arnim: "Jetzt im Moment und damals, als ich in die Band gekommen bin."

Woran macht Ihr das fest?
Arnim: "Damals war ich einfach kompromisslos neugierig und habe nur auf meinen Bauch gehört. Ich habe weder über Konsequenzen nachgedacht, noch darüber, ob das jetzt das Richtige ist. Ich habe einfach gemacht, das war voll geil. Jetzt kann man ein bisschen zurückgucken und weiß, wovon man die Finger lässt und worauf man sich verlassen kann. Es macht mir auch nicht mehr so viel aus, wenn jemand sagt: 'Ihr hypt, ich finde das scheiße, was ihr macht.' Ich fühle mich beschützt in der Sache und das ist natürlich sehr wertvoll."

Das Oberlandesgericht hat entschieden, dass Brigitte Mohnhaupt frei kommt.
Arnim: "Wer?"

Brigitte Mohnhaupt, die frühere RAF-Aktivistin. Was sagt Ihr zu dieser ganzen Diskussion?
Arnim: "Ich verfolge das so gut wie gar nicht. Ich kann da kein Statement zu abgeben. Da musst du mal Jan Delay fragen."
Torsten: "Mit Halbwissen, wie wir es haben, muss man aufpassen. Erstmal habe ich damals nicht in dem Land gelebt, in dem das passiert ist, und dann ist das auch fast vor meiner Zeit gewesen. Wenn ich aber Jan Delay höre, der das als eine Art Style sieht, dann denke ich, dass das immer etwas mit Gewalt zu tun hat. Kann ja alles eine tolle Sache sein, aber wenn Leute darunter leiden und verletzt und getötet werden, dann sollte man vorsichtig sein. Ich finde die Leute nicht gut, die mit RAF-T-Shirts rumlaufen und das geil finden. Ich finde es aber auch nicht gut, wie damit von Seiten der Regierung umgegangen wurde. Jan Delay fragen ist da genau das Richtige."

Auch privat verbringen die Beatsteaks ihre Zeit miteinander (Foto: Public Address)Auch privat verbringen die Beatsteaks ihre Zeit miteinander (Foto: Public Address)

Kennt Ihr Euch?
Arnim: "Wir kennen uns ganz gut, wir waren einmal in Hamburg mit ihm im `Golden Cut´ tanzen, das war sehr lustig."
Torsten: "Wir wären da so nie hingegangen. Er wollte hin und war mit ein paar Homies da. Die waren ultranett. Da war die ganze Hamburger Rapszene und die waren die nettesten Typen, die ich seit langem irgendwo anders kennen gelernt habe."
Arnim: "Auf jeden Fall. Das war ein cooler Abend."

Was ist für Euch verschwendete Zeit?
Torsten: "Schlafen. Ich ärgere mich immer, wenn ich nach elf Uhr aufstehe, wenn man davor ein bisschen länger weg war. Wenn ich mir neun vornehme und es nicht hinkriege, dann muss ich mich echt zusammenreißen, damit ich keine schlechte Laune kriege."
Arnim: "Wenn ich merke, eine Freundin oder ein Freund von mir hat ein Problem und sagt nichts, das ist Zeitverschwendung. Ich denke mir immer, dass man das doch früher sagen kann, wenn ich jemandem voll auf den Sack gehe. Oder wenn ich fliegen muss und der Flug eineinhalb Stunden Verspätung hat. Man sitzt dann am Flughafen und kann nichts machen. Oder Anstellen, in einer Schlange oder so, furchtbar!"
Torsten: "Arnim hat damals 1989 die Mauer eigenhändig umgestürzt, damit er sich nicht immer anstellen muss!"

Vervollständigt bitte die folgenden Sätze. Wenn ich nicht Musik machen würde,...
Arnim: "...würde ich ein Artist im Zirkus sein."
Torsten: "....würde ich Musik hören."

Auf der Bühne zu stehen ist wie...
Arnim: "Das kommt darauf an, in welchem Zustand man auf der Bühne steht. Wenn man mit vier coolen Typen da oben ist und eine Meute tobender Leute einfach total darauf abfährt, ist das wie ein Eis im Sommer zur richtigen Zeit. Aber wenn man auf der Bühne steht und etwas machen muss, was nicht toll ist, dann ist das der beschissenste Job der Welt."
Torsten: "Mir fällt dazu nichts ein. Aber ich finde das treffend: der beste und beschissenste Job der Welt."

Am meisten mag ich an meiner Mutter...
Torsten: "...wenn sie mir nicht zuhört und immer nickt. Wenn ich dann sage `Mutti, du hast mir nicht zugehört´ und sie versucht total dilettantisch, sich rauszureden, das ist echt niedlich. Und wie sie sächselt, meine Mutter kommt aus Leipzig, das finde ich super."
Arnim: "...ihre Lache, meine Mutter hat eine tolle Lache."

Als ich zwölf war, wollte ich...
Torsten: "...auf alle Fälle noch zur nationalen Volksarmee. Ich war ein Spätzünder. Ich fand das noch zur Teenagerzeit total super, mein Land und den Sozialismus zu verteidigen. Heute wäre ich ein rostiger Fleck am Schwerte des Sozialismus, ´ne totale Bombe."
Arnim: "Ich wollte Fußballer werden, ja Fußballer."

[Franzisca Teske]

Links

www.beatsteaks.org

beatsteaks
YouTube

Beatsteaks (107 Videos)

Offizieller Beatsteaks YouTube Channel. Rechtzeitig zum 20-jährigen Band-Jubiläum dokumentiert nun eine eindrucksvolle Werkschau den bisherigen Weg der Beatsteaks: Die Singles-Collection »23 Singles« vereint 21 Klassiker (remastered), die brandneue Single »Ticket« und mit „Mad River“ einen weiteren superben neuen Song zu einem Portfolio des bisherigen Wirkens der Beatsteaks.

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