CD-Tipp

Tori Amos - "American Doll Posse"

published: 17.05.2007

Tori Amos - "American Doll Posse" (Foto: Sony BMG) Tori Amos - "American Doll Posse" (Foto: Sony BMG)

Als Sängerin mit eigenem Kopf und unbedingtem Wiedererkennungswert zeichnet sich Tori Amos bereits seit ihrem Debütalbum "Little Earthquakes" aus dem Jahr 1992 aus. Die US-amerikanische Singer-Songwriterin, bekannt für die symbiotische Beziehung zu ihren beiden Bösendörfer-Flügeln, scheint seitdem immer etwas abseits und doch allgegenwärtig über dem Musikgeschehen zu schweben. Mit "American Doll Posse" beweist sie, wie sehr sie an ihrem permanenten Drang zur Weiterentwicklung festgehalten hat.

Ähnlich einer multiplen Persönlichkeit spaltet sich Amos dafür in fünf verschiedene Charaktere auf, die in ihrer Gesamtheit eine einzige Frau darstellen. Die Frauenfiguren Isabel, Pip, Santa, Clyde und Tori präsentieren jeweils einige der Songs auf dem Album. Für Amos besetzt dabei jede eine eigene Nische des weiblichen Wesens und verleiht ihm somit die Freiheit, sämtliche Facetten auszuleben, die es bisher unterdrücken musste.

Was auf den ersten Blick etwas verwirrend wirkt, fügt sich bei näherem Hinsehen logisch in die Reihe Amos´ bisheriger Veröffentlichungen ein; scheint jeder der Charaktere doch schon einmal aufgetaucht zu sein. Diesmal wirkt Amos jedoch, als wäre sie vollkommen bei sich angekommen. So dringt jedem der Songs seine Erschafferin aus allen Poren, mal lasziv, bettelnd und hauchzart, dann wieder gerotzt, trotzig und spöttisch setzt Amos ihre Stimme noch differenzierter ein, als man es von ihr kennt.

Spaltet sich auf ihrem Album in fünf verschiedene Charaktere auf: Tori Amos (Foto: Public Address)Spaltet sich auf ihrem Album in fünf verschiedene Charaktere auf: Tori Amos (Foto: Public Address)

Als Clyde schleicht sie herzzerreißend verloren über die große Bühne von "Girl Disappearing" und wettert als kaltschnäuzige Isabel in "Yo George" gegen den amerikanischen Präsidenten. In der Haut der energiegeladenen Pip schreitet sie durch das trotzige "Teenage Hustling" und die sinnliche Santa präsentiert das provokant dreckige "You Can Bring Your Dog". Zwar verliert das Album auf halber Strecke etwas an Fahrt, trumpft aber immer wieder durch eine Vielfalt auf, die auch bei monstermäßigen Fünfeinhalb-Minütern kaum Langeweile aufkommen lässt.

In der Tat findet sich in "American Doll Posse" erst auf den zweiten Blick eine höhere Ordnung, nämlich die einer überzeugend inszenierten Abnabelung einer Frau, die sehr genau weiß, was sie nicht mehr will. Das waghalsige Konzept des Albums stellt sich als keine leichte Kost, durchaus aber als markiger Leckerbissen heraus.

[Franzisca Teske]

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