Dolores O\'Riordan im Interview

"Wie bei einem kalten Entzug"

published: 07.05.2007

Dolores O′Riordan hat ihr Soloalbum "Are You Listening?" genannt (Foto: Public Address) Dolores O′Riordan hat ihr Soloalbum "Are You Listening?" genannt (Foto: Public Address)

Dolores O’Riordan, früher Frontfrau der Band Cranberries ("Zombie", "Ode To My Family"), ist auch in Hamburg Frühaufsteherin. "Ich bin heute gegen sechs Uhr aufgestanden, habe meine Yoga-Übungen gemacht und bin dann um die Alster spaziert", erzählt die Sängerin, die für den Gang am Dienstagmorgen etwa 80 Minuten brauchte.

Die Irin war für einen Kurzbesuch in Deutschland, um ihr erstes Soloalbum zu promoten. Die "Are You Listening?" betitelte Scheibe ist gerade erschienen, ebenso die erste Single "Ordinary Day". Die Rock-Folk-Band Cranberries hatte sich 2003 getrennt. Doch O’Riordans Solosongs klingen kaum anders als das alte Material, von dem weltweit immerhin beeindruckende 45 Millionen Tonträger verkauft wurden. Kein Wunder: Auch früher schon schrieb die Sängerin fast alle Melodien und Texte selbst. Aber vor allem garantiert ihre markante Stimme den Wiedererkennungswert.

Nach Nervenzusammenbruch und Depressionen die Musikerin jetzt eine Balance im Leben gefunden (Foto: Public Address)Nach Nervenzusammenbruch und Depressionen die Musikerin jetzt eine Balance im Leben gefunden (Foto: Public Address)

Führst du ein typisches Rockstar-Leben?
"Nein, ich habe ja Kinder und gehe nur gelegentlich auf Tournee. Das Soloalbum ist meine erste Veröffentlichung in den letzten vier Jahren. Ich war zu Hause und habe mich um meine Kinder gekümmert. Ich habe gemalt, entspannt, den Garten gemacht, gekocht und etwas mit den Kindern unternommen. Ich werde jetzt für ein oder zwei oder vielleicht auch für drei Jahre arbeiten und dann wieder nach Hause zurückgehen. Das Leben auf Tour ist ziemlich verrückt. Jeden Tag ist man in einer anderen Stadt. Man bekommt viel Aufmerksamkeit und Verehrung und das ist nicht immer gut, denn man könnte sie vermissen, wenn man diese Aufmerksamkeit nicht mehr hat. Man fühlt sich wie bei einem kalten Entzug. Erfolg kann nämlich wie eine Droge sein. Deshalb finde ich es sehr wichtig, Pausen einzulegen um sich selbst zu finden."

Haben sich die Cranberries endgültig getrennt? Oder besteht nach deinem Solo Album die Aussicht auf ein neues Album der Band?
"Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. The Police sind ja auch wieder für eine gemeinsame Tour vereint – nach 30 Jahren. Ich wäre dafür offen, allerdings nicht im Moment. Wenn man nach fünf Jahren ein Comeback macht, war man doch kaum weg. Wenn wir uns in zehn oder fünfzehn Jahren noch verstehen, würde eine Tour sicherlich Spaß machen. Doch wer weiß, was in zehn oder fünfzehn Jahren ist? Ich könnte da schon tot sein."

Was war denn der wahre Grund für die Trennung der Cranberries?
"Einige der Kinder der Bandmitglieder waren krank. Außerdem erkrankte meine Schwiegermutter an Krebs. Sie starb 2004 - ein Jahr nachdem ich die Band verließ. Der Zustand mit den Kindern dauerte bereits ein paar Jahre an. Das erschwerte die ganze Sache natürlich. Zum Schluss war es einfacher aufzuhören.Immerhin haben wir fünf Alben und das Greatest-Hits-Album gemacht. Es war wie eine tolle Reise, die zu Ende geht. Es wurde Zeit, unsere eigenen Wege zu gehen."

Du warst ja bei den Cranberries für die Melodien und Texte verantwortlich. Du brauchst also du den Rest der Band nicht, um Musik zu machen?
"Man braucht nicht wirklich andere Leute, wenn es um Kunst geht. Es ist wirklich seltsam, denn ich hätte nie gedacht, dass ich mal als Frontfrau in einer Band enden würde. Unser erstes Album war so erfolgreich. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passieren würde. Das zweite Album war sogar noch erfolgreicher. Beim dritten Album hatte ich schon einen Nervenzusammenbruch. Ich hätte nie gedacht, dass all diese Dinge geschehen würden. Ich war damals 25 Jahre alt und hatte bereits so viel durchgemacht. Erst dieser Nervenzusammenbruch und dann noch die Depressionen.

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www.doloresoriordan.ie

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