CD-Tipp

Rufus Wainwright - "Release The Stars"

published: 02.06.2007

Rufus Wainwright - "Release The Stars" (Foto: Universal) Rufus Wainwright - "Release The Stars" (Foto: Universal)

Gibt es die optimale Kulisse für ein Rufus-Wainwright-Album? Darf man es auf dem Arbeitsweg dazu missbrauchen, nerviges U-Bahn-Kindergeschrei per MP3-Beschallung zu überdecken? Oder doch lieber die ganz große Konzertatmosphäre auf der heimischen Chaiselongue, den Blick durch das riesige Panoramafenster aufs städtische Treiben gerichtet? Vermutlich ist all das egal, solange der Kopf bereit ist.

Für sein fünftes Album "Release The Stars" erschuf der Singer-Songwriter nämlich derart dichte Arrangements, dass Besitzer ungeübter Ohren sich vor dem Konsum die entscheidende Frage stellen sollten: Hören oder Nicht-Hören? Denn kaum ein Song von Wainwright duldet andere Beschäftigungen neben sich.

Dementsprechend existenziell eröffnet der 33-Jährige seine Reise ins musikalische Barock mit der Frage "Do I Dissapoint You (In Just Being Human)?". Orchestrale Höhenflüge beschwören Bilder bunter Marktstände und Mademoisellen in pompöser Garderobe herauf. Schon jetzt offenbart sich die Fülle an Blickwinkeln, mit denen Wainwright jedes seiner Stücke immer wieder neu zu interpretieren scheint, um dann alles in einer einzigen Version zusammenzufassen.

Das eher sanfte "Going To A Town" beruhigt das angestrengte Gemüt mit melancholischem Pianothema und bezirzt auch Liebhaber wenig beladener Songs. Ähnlich führt auch "Nobody's Off The Hook" weg aus dem bunten Straßentreiben direkt ins elegante Hinterzimmer, in dem sich die höfische Gesellschaft zur Kammermusik versammelt.

"Yellow Lounge compiled by Rufus Wainwright" (Foto: Universal)"Yellow Lounge compiled by Rufus Wainwright" (Foto: Universal)

Wainwrights assoziative Palette reicht von Regentagen, engen Gassen und süßlichen Düften über feuerspeiende Gaukler bis hin zum Rattenfänger von Hameln. Mit großer Big-Band-Attitüde verabschiedet er sich schließlich mit dem Titel-Song und hinterlässt ein ausgelaugtes aber zufriedenes Publikum.

Gerade hat Wainwright eine Compilation für die Klassik-Reihe "Yellow Lounge" zusammengestellt. Darauf kombiniert er Berlioz´ "Les Nuits D´Été", Wagners "Götterdämmerung" und Puccinis "Tosca" und bestätigt, was bereits offensichtlich war: Wainwrights Hang zur Oper und klassischen Harmonien, die auch bei seinen eigenen Kompositionen unüberhörbar sind. "Release The Stars", ein Album für leere Köpfe, die gefüllt werden wollen.

[Franzisca Teske]

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Links

www.rufuswainwright.com
www.yellowlounge.de

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